20. Juni 2014, Rock am Berg in Merkers (Thüringen)

Notgemeinschaft Peter Pan, Gloomster, etc.

* Gastbericht by Tüddel *

Rock am Berg 05:45. Der Wecker klingelt. Schnell die Katzen versorgt, die letzte gründliche Körperhygiene hinter mich gebracht, die am Vortag gebratenen Sojaschnitzel eingepackt und los Richtung Dortmund. Eine Stunde früher als ich eigentlich müsste, da man nach dem Unwetter ja nie so sicher sein kann ob alles pünktlich ist und ich Donnerstag zugegebenermaßen den Feiertag vergessen hatte und so noch nicht mal komplettes Fahrtproviant hatte.

Also 07:54 in den Zug bis Wanne-Eickel und von da aus gen Dortmund wo um 09:15 der Flixbus Richtung Kassel auf mich wartet. Grad eingestiegen kommen einem Gedanken was im Osten in den Dörfern, die noch zu passieren sind, wohl für Menschen rumlaufen und ob sich da viel rechtes Pack rumtreiben wird. Der Gedanke war kaum zu Ende gebracht, da steigen in Recklinghausen Süd zwei unsympathische Jungs ein. Einer mit Freiwild und einer mit Onkelz Shirt. Super Start in den Tag. Sprüche habe ich mir lieber auf Grund meiner Termine erspart. In Dortmund dann flott Brötchen und Aufstrich erworben sowie 2 Pullen Wasser. Ja, Wasser, kein Bier. Ich wollte zumindest bis Kassel einen auf fleißige Studentin machen und lernen.

Ab zum Hinterausgang und Flixbus Haltestelle suchen. Erstmal hinsetzen, gemütlich eine Rauchen und ein Steakbrötchen vertilgen. Leider wurde mir die Ruhe vergönnt da sich nach und nach ein hässlicher, schwarz(-gelber) Haufen im Borussen front-Style vor mir versammelte. Daniel verriet mir dann via Handy was das für ein Pöbel war, nachdem ich mich über diesen echauffiert hatte. Das ekelhafte Onkelz Konzert hatte ich ja gar nicht mehr auf dem Schirm. Ein bisschen Zeit war noch, also weg hier und 1 Oiro in die Toilette investiert. Der braune Haufen hatte meinen Körper offensichtlich motiviert einen eben solchen von sich zu geben.

Kurz vor 9, Flixbus ist da. Rein, lernen, Wasser trinken. Und dann kommt der Anruf des Tages von Stemmen nach dem drölften Versuch durch: „Kauf dir kein Ticket, wir haben Gästeliste plus Backstage über. Du bist dann jetzt halt Oli.“ Jackpot!! So langsam kommt das Gefühl auf heute kann nix mehr schief gehen. Obwohl meine Mitfahrgelegenheiten gestern noch abgesagt haben und ich noch keinen Plan hatte wie ich ab Kassel weiter komme.

11:15, das Ziel ist erreicht. Nicht am HBF wie erhofft, sondern an einer Papierfabrik. Also.. bei diesen ominösen Fernbussen muss man offensichtlich auch darauf achten wo diese halten. Denn der Bahnhof scheint nicht immer das Ziel zu sein. Ich frag mich durch und komme via SBahn & Bus auch tatsächlich am Hauptbahnhof an. Auf dem Weg dahin hab ich das smarte Phone angeschmissen. Ich muss in einen Ort namens Bad Hersfeld wo scheinbar nur alle 2 bis 3 Stunden ein Bus fährt. Oha.

Schnell 3 Pils gekauft, ein Bahnticket gezogen und ab in die CANTus-Bahn. Großartiger Name. Musste alles ziemlich schnell gehen da die nächste Bahn auch erst in einer Stunde fährt und man mit 8 Minuten Umsteigezeit durchaus potential hat den 3-Stunden-Bus zu verpassen. Safety First! Nun also Cantus-Bahn von ca 12-13 Uhr.

Eine Omma gesellt sich zu mir und meinem Gepäck. Ich trinke weiter Pils, lese gefundene Zeitung und unterhalte mich mit der Dame. Wir haben beide dasselbe Ziel was uns das Umpacken vom Gepäck erspart. Kaum angekommen erklärt sie mir wo alles ist und fragt ihre Schwägerin ob die mich nicht mitnehmen können, da ich ja noch über eine Stunde warten muss. War aber leider die falsche Richtung.

Also los und ne Pinte suchen. Gefunden hab ich Leute mit viel Gepäck. „Ach wollt ihr auch zum Festival?“ „Ne, welches Festival denn?“ Bei näherem Hinsehen merkte ich dann auch, dass das eher deren „Hausrat“ war als Festivalgepäck. War mir ein wenig unangenehm, aber wir haben mit Sangriatetrapack und Dosenbier angestoßen und schon war alles gut .

Die Dose war nun aber auch alle, außerdem wollte ich ja noch eine Pinte finden und mir Lokalbier gönnen. Also Bad Hersfeld erkunden steht für die nächste Stunde auf dem Plan. Erkundet hab ich im Endeffekt leider nur einen Kiosk und die Bahnhofsmission. Drei „bedürftig“ aussehende Typen standen vor einem Kiosk und tranken Dosenbier. Die wissen doch sicher wo ne Pinte ist. Wussten die auch, die is aber zu weit weg. Ich kann mir aber doch hier Bier kaufen. Entschieden habe ich mich dann fürs lokale Billigbier. Neunundzwanziger. Wieso das so heißt hat sich mir nicht erschlossen. Maks fragte mich per fb ob es nur 2,9% hat. Ne hatte es nicht, auch keine 29 sondern 4,9. Zu dem doch recht genießbaren Bier wurden mir dann von Jesus aka Ronny - der sich mit „Hallo, ich bin Alkoholiker, ich trinke 100 Bier am Tag“ vorstellte - Kay und Toddy lokale Horrorgeschichten erzählt. 2 Morde, bei dem einen hat ne Mädchengang jemanden mit ner Axt erschlagen und bei dem anderen ist ein Kollege von denen ermordet worden. Die beiden Italiener sind schon wieder frei, aber wenn die nochmal auftauchen, dann werden deren Kniescheiben zerschossen und zu hungrigen Schweinen gehangen. Was zum?!

Ich bin in Bad Hersfeld, ein beschauliches Dörfchen… dachte ich. Mein Name steht nun übrigens dick auf einem Plakat in Bad Hersfeld, direkt neben dem Kiosk, falls demnächst mal jemand hin fährt. Das Bier treibt, Toddy begleitet mich zur Bahnhofsmission, denn dort kann ich umsonst gehen und es ist viel sauberer als am Bahnhof, sagt er. Ausserdem wird mir noch Essen  für unterwegs angeboten. Ich lehne dankend ab, nicht vegan. Jetzt kann ich auch schon zum Bus.

Toddy und der Busfahrer haben noch eine angeregte Ost-West-Diskussion, ich werde hier herrlich unterhalten. Selbst im Bus macht der Fahrer den Touristenführer für mich und sagt für mich kurz vor Badelat(s)chen: „So wir sind jetzt in Thüringen“. Vorbei an wunderschönen zerfallenen Häusern geht die Stunde Fahrt schnell rum.

An einer Baustelle kommt wieder eine Durchsage. Ich könne jetzt auch aussteigen das erspart mir 15 min Fußweg, das will er mir mit meinem Gepäck ja nicht zumuten. Ein weiterer Gast, den ich dann auf dem Festival auch später traf, hat mir den Weg detailliert erklärt. „Immer geradeaus“. Das bekomme sogar ich Orientierungsgünther hin.

Jetzt also hoch gelaufen und nach kurzer Zeit den Parkplatz erreicht. Stemmen leider noch nicht, um zu checken wo sich Hamburg grad aufhält. Nach einer Büchse kam dann der Anruf. Stau. Dauert noch. Es war ca. halb 5. 1 ½ – 2 Std später hat es die Notgemeinschaft dann auch geschafft. Ich verabschiede mich vom Einweiser, den ich solange noch bespaßt habe - oder er mich - und ab in die angespannte Runde im Bulli. Stemmen musste durchfahren, der Rest hat schon mal am Bier genascht und war nicht ganz so pissed, dass kein Soundcheck wie geplant durchzuführen war, sondern geparkt und quasi direkt gezockt werden musste.

Alle packen mit an, die Damen bringen NPP Bier auf die Bühne und dann geht’s quasi auch schon fast los. Nach den ersten Akkorden und Schlücken des Astras waren dann auch alle wieder entspannt. Um mal die Rock am Berg -Crew zu zitieren: „Notgemeinschaft Peter Pan und die Sonne strahlen um die Wette“. Und ja Freunde, so war es! Richtig gut! Nach dem Auftritt hat man dann erst mal realisiert, was das überhaupt für eine geile Location ist. Ein altes, nicht mehr benutztes Stadion umgeben von Wald. Für uns als Fußballfreunde einfach nur schön. Gloomstar haben wir uns noch gemeinsam reingezogen. Danach auch auf jeden Fall zu viel Pfeffi mit dem sehr netten Veranstalter, denn der Rest des Abends verschwimmt im sanften Grün und Gold.

* Gastbericht by Tüddel *