Diary 2015/3.KW (Teil 2) mit 2nd District @ Freak Show, Essen

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 3. Kalenderwoche 2015 (Teil 2)  

Begleitung: 2nd District

Örtlichkeit: Freak Show, Essen

DAS GRAUZONENVIRUS (Politthriller/Gute Nacht Geschichten), Kapitel 2

Es war 4:11 Uhr am Morgen, als Agent 00-Murks zum wiederholten Mal des Nachts wach wurde und sich Gedanken über nicht vorhandene Götter und die Welt machte. Also schlurfte er in seine St. Pauli-Bandelatschen, zog sich die noch immer viel zu großen Stricksocken über seine Pyjamahose, stolperte über eine ihrer Katzen in den Flur, sah in den Ganzkörperspiegel und kam zu der Erkenntnis: „Alter, siehst Du scheiße aus!“.

Am Morgen zuvor hatte bei ihm noch große Euphorie bezüglich des geplanten Politthrillers „Das Grauzonenvirus“ geherrscht und eine erste Reaktion spornte ihn einen kurzen Moment an, die Sache wirklich durch zu ziehen. Doch – so viel musste er sich jetzt eingestehen – war seine Körpertemperatur am Vortag auch noch um ein paar Zehntelgrad erhöhter als jetzt.

Er befand sich gerade mal körperlich im 2. Kapitel und schon überkamen ihn Zweifel. Die Autorenkoryphäe und Pulitzer-Ehrenpreis-Doktorin Adolf Abartig hatte sich hinsichtlich seines Realromans „Auf der Suche nach der Goldenen Pommesgabel“ einst eher zurückhaltend geäußert. Die Live-Ticker hätten ihr besser gefallen, weil es in dem Realroman ja eh gar nicht wirklich um die Suche nach der Goldenen Pommesgabel ginge, sondern im Rahmen von Konzertbesuchen bestenfalls mal am Rande erwähnt werden würde, dass er die Pommesgabel mal wieder nicht gefunden hätte. „Konjunktiv, Konjunktiv, Fahrradkette“, dachte er. „Passt gar nicht. Egal.“

Allerdings sah Agent 00-Murks die Sache nicht ganz so drastisch. Ihn hat die Geschichte damals fast schon mitgerissen, wobei er ja auch mitten im Geschehen war und die Betonung auf „fast“ liegt. Doch 00-Murks musste sich dennoch eingestehen: Die Ideen, wie er in Zukunft seine Konzertreportagen mit seiner Agententätigkeit verknüpfen sollte, waren rar gesät. Um nicht zu sagen: Nicht vorhanden.

Zum Glück war er kein kleiner Doofer, wobei die Betonung auf „kleiner“ liegt. Man müsse einfach den Politthriller mit dem Getickere verbinden. So könnte er nach wie vor seine gewohnten Konzertgänge in alter Post-Live-Ticker-Tradition zum Schlechtesten geben und gleichzeitig seinen völlig unnötigen Drang, mal wieder irgendwas anders machen zu müssen. Sollte Agent 00-Murks dann während seiner Touren auf einen Hinweis hinsichtlich des Grauzonenvirus stoßen, könnte er diese Erkenntnisse einfach mit in den Ticker einbauen. Er hätte somit einen Politthriller-Post-Live-Punk-Konzert-Ticker, den es so auf der Welt höchstens 100 Mal geben würde. Und da es schließlich auch Romane, Thriller und sonstige der Unterhaltung dienenden Geschichten in Ich-Form gibt, steht dieser nahezu Revolutionären Idee nichts im Weg. Wobei die Betonung auf „nahezu“ liegt.

Samstag, 17. Januar 2015, 8:32 Uhr, Residence Witten

Samstag, 17.01.15, 8:32 Uhr: Also wat sollet, schreib ich halt weiter an diesem verfickten kack Liveticker und nenne es hochtrabend Politthriller. Wobei die Betonung auf „Spinner“ liegt.

Samstag, 17. Januar 2015, 16:51 Uhr, Residence Witten

Unvernunft kennt keine Grenzen. Ich habe drei Tage so richtig scheiße flach gelegen und gestern erste Versuche gestartet, meine eingerosteten Gelenke zu bewegen. Sabbi traut sich noch immer nicht richtig aus dem Bett, aber mein Rücken und meine Atemwege schreien nach Ausgang und erklären mir, dass es mir draußen an der Luft besser geht, als den ganzen Tag in der Bude zu hocken. Also, Masterplan: Warm angezogen um vorsichtig in der Veganisierbar meine Belastbarkeit anzutesten und im Falle positiver Selbsteinschätzung dann ab zur Freak Show-Geburtstagsparty, wo neben 2nd District noch Duncan Reid And The Bigheads musizieren werden. Dass ich meinen noch immer dringend notwendigen Gehörschutz nicht finde, werte ich als Zeichen, dass ich trotzig trotzdem hin soll und packe die Ersatznotfallohrstöpsel in die Tasche. Ich muss jetzt los, kommt doch einfach mit und begleitet mich visuell auf meiner Reise. Haha, was für ein Schwachsinn.

Samstag, 17. Januar 2015, 19:10 Uhr, Veganisierbar, Essen

Die Veganisierbar ist krass gut besucht, Digga. Mein Stammplatz an der Theke trotzdem wie immer frei und inzwischen hat sich Michel, samt eines Arbeitskollegen und der Freundin des Arbeitskollegen, dazu gesellt. Diejenigen unter Euch, die Michel kennen, denken jetzt natürlich, dass es anmaßend sei, jemanden der sich in der City neben Michel auffen kalten Boden setzt und mit ihm um die Wette schnorrt, als Arbeitskollegen zu bezeichnen. Dazu müsste man schließlich die Tätigkeit des Schnorrens als Arbeit anerkennen, was wiederum zur Folge hätte, dass wir über Sozialversicherungsabgaben, Arbeitslosenstatistiken und Urlaubsanspruch reden müssten. Ich sollte nicht zu laut, beziehungsweise nicht in zu großer Schriftgröße denken, bevor Frau Nahles hier noch ein Licht auf geht, wie sie besagte Statistik weiter schönern könnte. Aber wer den Michel kennt, der weiß sofort, dass er sich im Leben nie etwas anmaßen würde. Von schlechten und fragwürdigen Witzen mal abgesehen. Wobei der hier ausnahmsweise mal nicht in die Kategorie passt: „Warum essen Veganer kein Huhn? Weil Ei drin ist.“

Nein, es ist alles ganz anders. Michel geht tatsächlich einer geregelten Tätigkeit nach und absolviert eine Ausbildung, die ihm trotz beschissener Arbeitszeiten auch noch Spaß macht. Ja, ich weiß: Ekelhaft. Aber so macht das mit dem Arbeitskollegen wenigstens Sinn. Und offensichtlich kriegt er dort sogar Geld, so dass er mir den Punkrock Almanach, den ich vor einer halben Stunde Veganwirt Ente feierlich überreicht habe, abkauft. Tut mir leid, Ente.

Samstag, 17. Januar 2015, 20:12 Uhr, Veganisierbar, Essen

Ich könnte hier jetzt verdammt noch mal versacken. Zumal nach Leatherface jetzt auch noch Snuff aus den Boxen rieseln. Aber der Plan sieht anderes vor. Also Deckel gelatzt und ab in Richtung S-Bahnhof.

Samstag, 17. Januar 2015, 21:11 Uhr, Freak Show, Essen

Die Freak Show ist gut gefüllt mit vielen netten und bekannten Gesichtern. Ey, Ela änd Benny. Weil ich es vor Ort wahrscheinlich nicht gemacht habe, an dieser Stelle meinen allerherzlichsten Glückwunsch! Und während 2nd District einen töfften Auftritt hinlegen, werden mir hinsichtlich meines Salzstangentricks die Grenzen aufgezeigt, da eine solche bei anderen Menschen offenbar sogar durch die Nase geht. Verdammt, ich muss üben.

Samstag, 17. Januar 2015, 22:22 Uhr, Freak Show, Essen

So langsam merke ich dann doch meine Lungen. Die Restausläufer des Erkältungsscheiß machen mir von Minute zu Minute mehr zu schaffen, so dass mir nichts anderes übrig bleibt, nun doch mal an die Luft zu stolpern. Als ich draußen bin merke ich, dass es wirklich keinen Sinn macht, nochmal runter zu purzeln. Einen Hustenanfall später latsche ich die paar Meter zur S-Bahn und lasse Duncan und seine Riesenköppe mit der Meute alleine. Wat willze machen. War ein saunetter Abend und das gleich doppelt. Auch wenn ich, wie ich nachher feststellen werde, auch einen der Ersatzohrstöpsel verloren habe. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr ja doch endlich zum Hörgerät. Gute Nacht!


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