Wageni, Bochum: Simon & The Bar Sinisters (US) + Pascal Briggs & Long Shot Hooky (DE)

 (7 – 12/2013 – 894)*

Montag, 18.02.13, 12:08 Uhr: Aufgrund zweier weltbewegender Erkenntnisse meinerseits, stelle ich mich der Verantwortung und schalte den Ticker bereits am Montag Morgen ein. Erkenntnis Nummer 1: Da ich es geschafft habe mir bereits zum heutigen Wochenbeginn bei der Vorbereitung meines Frühstücks in den Finger zu schneiden, freue ich mich, dass ich der persönlichen Statistik vertrauend, bis zum Ende der Woche erst einmal keinen weiteren Gefahren ausgesetzt sein werde. Hieran anknüpfend gebe ich zu Protokoll, dass die wichtigste Erfindung ever – was meiner Ansicht nach mit mehreren Friedensnobelpreis… äh… -preisen geehrt gehört – die des Fingerpflasters ist. Scheiß auf Mondfahrt, scheiß auf Weltfrieden. Wenn mich eins glücklich macht, dann ist das die Tatsache, dass es extra geformte Pflaster für die von mir am häufigsten massakrierten Körperteile gibt.

Erkenntnis Nummer 2: Schon oft beobachtet, heute endlich kapiert. Den "echten Mann", also der, bei dem von Geburt an das biologische und soziale Geschlecht zu einem großen Ganzen verschmolzen ist, erkennt man daran, dass er sich stundenlang Großbaustellen anguckt. Wenn es überhaupt irgendetwas gibt, bei dem sich vom Verhalten her dichotom unterstellte Geschlechter grundlegend unterscheiden, dann ist es genau diese Eigenschaft. Ich hingegen käme nie auf die Idee mir so einen Scheiß anzucken, was mich seit heute ungemein beruhigt.

Freitag, 22.02.13, 18:33 Uhr: Ich war zwei Tage auf ´nem Seminar. Thema: Feedback geben, Feedback nehmen. Das mag in manchen Gehirnen erstmal das Urteil "schwachsinn" hervorrufen, doch wie es häufig so ist, sind vor Ort auf ein Mal alle vonne Socken, wie viel sowas – auch für das verfickte Alltagsleben – tatsächlich bringen kann und wie breit gefächert die Inhalte sind. Ganz neue Blickwinkel, ganz neue Erfahrungen, ganz viele Aha-Erlebnisse. Und vor allem: Ganz viel (noch mehr) Selbstreflektion. Wundert Euch nicht, wenn ich in Zukunft komisch mit Euch rede. Ja, noch komischer. Für heute Abend ist auf alle Fälle Ruhe im Karton angesagt, um die drohende Solidarität mit den derzeitigen grippalen Opfern nicht auf die Spitze zu treiben. Das droht mein Körper mir nämlich gerade an. Und dem trau ich schon seit Jahren nicht mehr.

Samstag, 23.02.13, 20:16 Uhr: Wir stehen an der Bushaltestelle. Uns ist arschkalt, es schneit wie Hulle. Angesichts der Befürchtung, aufgrund des Schnees nicht mehr zurück zu kommen, überlegen wir exakt zu dem Zeitpunkt, wo der Bus eintrudeln müsste, ob wir nicht doch wieder umkehren.

20:18 Uhr: Oder auch nicht.

20:56 Uhr: Ankunft Drittwohnzimmer. Statt Stempel gibt es heute eine Mandarine mit Mandarinengeschmack. Wer die aufisst, raus geht und wieder reinkommt zahlt nochmal 5 Euro oder zeigt eine gefälschte vor.

22:14 Uhr: Während die New Yorker noch immer auf der Autobahn verweilen (die letzte Info war, dass sie ausgerechnet im Sauerland festsitzen, nachdem sie gestern in Österreich aufspielten), betritt Pascal die nicht vorhande Bühne und ist über die Betonung auf "nicht vorhanden" glaube ich auch ganz glücklich. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass unsere letzte wirklich gute Busverbindung in exakt 60 Minuten abgeht. Dann halt eben "nur" Pascal & Hooky.

22:23 Uhr: Just in dem Moment, wo das Duo loslegen will, treffen die Amis ein. Also erstmal alles gestoppt, Kram reingetragen, Hoppeldihopp, Dings und Bums. Schlagzeug hammse auch dabei, muss natürlich irgendwann auch aufgebaut werden. Sänger Simon ist sichtlich aufgewühlt und macht den Eindruck, als wenn er entweder den Backstageraum sucht oder sich wundert, warum so viele Leute in eben diesem sind. Irgendwann versteht er, dass er einfach alles in die Ecke werfen soll und tralala.

22:36 Uhr: Nu geht abba los. Aufgebaut wird später. Kriegen wir wenigstens noch ein paar heimelige Klänge mit.

22:44 Uhr: Ich notiere: "Hooky hat voll an seiner Bühnenshow gearbeitet." Rückblickend vermute ich, dass ich soeben die 1,8 Promillegrenze überschritten habe.

23:12 Uhr: Das Publikum dankt es den Künstlern mit respektvoller Stille und Aufmerksamkeit. Kein "Montag, Scheißtag!"-Gegröhle, keine fliegenden Scherben, keine Vollbesoffenen in den Monitorboxen. Das Leben kann so vielfältig sein.

23:55 Uhr: Der angepeilte Bus ist längst weg. Der danach, der uns immerhin nach Witten bringen würde – wenn auch nicht dahin, wo wir hin wollen – hat ebenfalls vor zehn Minuten ohne uns abgelegt. Weil irgendwie is viel zu schön um Pommes zu holen. Und jetzt legen auch endlich die Amis los. Olé!

0:23 Uhr: Ich grinse, grinse und ziehe dabei die Mundwinkel nach oben. Die Jungs wecken in mir den vorurteilsfreien Gedanken: "Die sind sowas von typisch Amerikanisch." Der Typ hinterm Schlagzeug in seinem Bowlinghemd, die Musike die teilweise auch gut in eine bessere Eis am Stil-Folge passen würde, irgendwie kann ich mich von dem Gedanken nicht losreißen, wie die Herren in einer Burgerbar mit roten Kunstlederbänken spielen. Denn dabei liegt der Gedanke nicht auf McDoof-konsumierende fette pubertierende und hässliche kleine Jungs und auch nicht auf politisches Dingenskirchen, sondern auf stilvolles Rock´n´Roll-Ambiente. Mir gefällt dat hier ausgesprochen gut.

0:51 Uhr: Das Publikum nimmt das hier dankend auf. Vor Simon liegt ein Din A3-Ausdruck in Schriftgröße acht oder weniger mit von mir mal grob geschätzten 500 Songs. Können auch doppelt so viele sein. Dabei handelt es sich tatsächlich um seine Setlist, die er heute vermutlich nicht komplett durchspielen wird.

0:58 Uhr: Ein letztes Foto von Fö – soviel Zeit muss sein – und dann ab zum Nachtexpress, der um 1:11 Uhr hoffentlich eintrudeln wird.

1:23 Uhr: Tut er aber nicht. Dafür versüßt uns Aldi, der gerade aus Essen kütt, die Wartezeit, bevor der verspätete Bus doch noch eintrudelt.

3:00 Uhr: Ich bin irgendwie perplex, wie spät es ist. Wieso liege ich erst jetzt im Bett? Was ist die letzten 97 Minuten passiert? Ich weiß es nicht. Gute Nacht.


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 *) Die da ganz oben inne Ecke vergebenen Points (1.Zahl) beziehen sich ausschließlich auf die subjektive Qualität meines persönlichen Wohlbefindens an diesem Abend und haben somit nur sehr, sehr und vor allem sehr bedingt etwas mit den Bands selber zu tun. Die Zahl dient mir dazu, um mit nur einem Blick zu erkennen, ob es sich für mich im Alter lohnt, mich irgendwann mal an diesen Abend zurück zu erinnern. Der Rest ist ebenfalls für die Statistik: Das war Konzertbericht Nr. XX in 2012 (2.Zahl/2012) und in diesem Onlinzine der insgesamt XXX. Bericht (3. Zahl).