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Ticker & Fotos: FCSP vs. Aalen; Notgemeinschaft Peter Pan, Timo Kotzen @ Ahoi, Hamburg

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20. Dezember 2014, Tour de Hamburg

FC St. Pauli vs. VfR Aalen

Notgemeinschaft Peter Pan, Timo Kotzen im Ahoi (Hamburg-St.Pauli)

19.12.14, 14:14 Uhr: Liebe Freundinnen und Freunde, herzallerliebster Bekanntenkreis, verehrte Arschlöcher. Es gibt einen Grund zur Freude. Nach dem Aufsuchen zweier Ohrenärzte und einem anschließenden erneuten Besuch eines Hörgeräte-Fachgeschäftes, verkünde ich feierlich, dass Ihr Euch auch in Zukunft daran erfreuen dürft, wenn ich irgendeinen Schwachsinn verstanden habe, den Ihr so nie gesagt habt. Diese in den letzten Jahren deutlich zunehmenden Situationen, wo Ihr Euch zu recht darüber kaputt gelacht habt, wenn ich erschrocken das, was ich aus Euren Mündern verstanden habe, nachgesprochen und gefragt habe, ob ich es wirklich richtig verstanden habe. Wie Ihr wisst, habe ich das nämlich in 95% aller Fälle nicht, was mir teilweise ja schon fast selber Freude bereitet hat. Oder um es kürzer auszudrücken: Ich kriege vorerst doch kein Hörgerät, so dass meine Lauscher ihre völlig eigenwilligen Interpretationen zu uns aller Belustigung und auf meine Kosten, weiter ausleben können.

14:18 Uhr: Na perfekt. Wie es der Zufall so will, passiert soeben folgendes: Im Radio geht es um irgendeinen medizinischen Kram und eine Stimme lässt verlauten, dass Medikament XY wirksam gegen das Eindringen von Tieren hilft. Bitte was? Gegen das Eindringen von Tieren? Die Menschen um mich herum lachen sich schlapp. Natürlich war nicht von „Tieren“, sondern von „Viren“ die Rede. Ihr Scherzkekse solltet angesichts unserer Reise nach St. Pauli an dieser Stelle erst gar nicht an Zecken denken.

14:20 Uhr: Vielleicht sollte ich diesen Berichtescheiß einfach mal sein lassen und ein Jahr lang nur meine lustigsten „Verhörer“ notieren. Da kann man sicher auch locker ein Buch mit füllen. Dummer Weise geht das aber nur, wenn ich nach diversen Nachfragen irgendwann selber verstehe, was da tatsächlich gesagt wurde. Naja und wenn nicht, dann habt zumindest Ihr noch Euren Spaß.

14:22 Uhr: Was für ein krasser Scheiß. Natürlich braucht es Jahre, bis man sich endlich eingesteht, dass es ohne Hörgerät gar nicht mehr geht. In Kneipen ist es häufig schon lange so, dass ich mich an Unterhaltungen gar nicht mehr beteilige. Wenn mir jemand etwas erzählt, schalte ich automatisch nach einer halben Minute ab. Selbst wenn ich wider Erwarten in bestimmten Situationen trotzdem etwas verstehe, höre ich nach kurzer Zeit ganz automatisch trotzdem nicht mehr zu, weil mein Gehirn sich inzwischen an das Abschalten gewöhnt hat. Wie oft lasse ich Menschen bei Konzerten, in Pinten oder sonst wo einfach auf mich einreden ohne überhaupt zuzuhören. Manchmal quittiere ich das Gerede mit einem netten, bejahenden Lächeln, weil es mir entweder unangenehm ist, zum fünften Mal nachzufragen oder weil ich einfach müde bin. Ich glaube manchmal gehe ich sogar einfach plötzlich weg, weil ich gar nicht mehr registriere, dass jemand mit mir spricht. Ganz ohne Pommesholerische (!) Absicht.

14:28 Uhr: Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, warum ich keine Wohnzimmerpartys mag. Warum ich immer ein gewisses Unterhaltungsprogramm, wie Beispielsweise ein Konzert, dabei haben muss, um auf meine eigenen Kosten zu kommen. Stundenlang nur doof da zustehen ohne wirklich etwas mitzukriegen, ist nicht die coolste aller Abendgestaltungen. Da kann ich mich auch alleine im Keller besaufen. Sobald im Hintergrund Musik läuft oder mich Stimmengewirr umgibt, macht eine Unterhaltung für mich kaum Sinn. Da muss man mich schon aus kurzer Entfernung ziemlich anbrüllen oder zumindest eine für mich ganz optimale Stimmlage haben. So ist sogar das Anbrüllen, je nach Tonlage, oftmals vergebene Liebesmüh.

14:32 Uhr: Jetzt, wo ich endlich bereit war, den Schritt zu machen, kommt so eine Verweigerung der Ohrenfachwelt natürlich extrem scheiße. Als ich den ersten Ohrenarzt mit der Bitte um eine Hörgeräte-Verordnung aufgesucht habe, glaubte ich noch an einen schlechten Scherz:. Ich solle einfach den Leuten, die mir wichtig erscheinen, das „bessere“ Ohr hinhalten und es müsse mir auch nicht peinlich sein, wenn ich vier oder fünf Mal nachfragen müsse, so der Fachmann. Super Plan!

14:38 Uhr: Nachdem ich nun den vierten Fachmenschen aufgesucht habe, kommt zumindest Licht ins dunkle. Dadurch kann ich zwar auch nicht besser hören, aber besser sehen. Denn die Gründe für die Verweigerung der vermeintlichen Hilfe, sind tatsächlich einleuchtend. Die jahrzehntelang aufgesuchten Konzerte haben es geschafft, mein Ohr in ganz bestimmten Bereichen grundlegend zu schädigen. Kurz gesagt sind es die hohen Frequenzen, die mein Ohr nahezu verweigert aufzunehmen. Auf dem Zettel sind das zwei von sechs, die richtig katastrophal sind. Die nahe liegende Vermutung, dabei handele es sich vermutlich in erster Linie um eher feminine „Frauenstimmen“, trifft es alleine nicht. Hinzu kommt, dass ich die tiefen Töne noch immer extrem gut höre. Und das ist tatsächlich ein grundlegender Pfeiler meines Problems. Denn – so Fachmensch Nummer 4 – man kann zwar ein Hörgerät so einstellen, dass bestimmte Frequenzen deutlicher verstärkt werden als andere, man kann aber nicht verhindern, dass eine grundlegende Lautstärkeerhöhung auf allen Frequenzen stattfindet. Will sagen: Man könnte das Teil zwar so einstellen, dass es  die hohen Töne deutlich verstärkt, es würden aber eben auch die tiefen Frequenzen noch dermaßen angehoben werden, dass es schlichtweg viel zu laut wäre. Das Ohr würde so nicht nur weiter geschädigt werden, es wäre auch jede Konversation schlichtweg schmerzhaft für die sensiblen Lauscherchen. Oder auch hier kurz zusammengefasst: Was für ein Scheißdreck.

14:48 Uhr:  Nun denn, ziehen wir also das positive aus dieser Situation: Gespräche mit mir werden nach wie vor auf Grund dessen, was ich meine verstanden zu haben, teilweise recht amüsant verlaufen. Das sind doch hervorragende Voraussetzungen für die anstehende Hamburg-Tour. Und ich muss nach wie vor nicht jeden Scheiß ertragen, den Ihr mir erzählen wollt. Das Leben kann so schön sein, wenn Du willst.

14:50 Uhr: Auf dem Plan steht übrigens das Notgemeinschaft Peter Pan-Jahresabschluss-Geheimkonzert. Dieses fand im Vorjahr im Backpackers Hostel zu St. Pauli statt und ich habe es damals tatsächlich im morgendlichen Tran ein paar Tage vorher geschafft, das Konzert in einem dieser Online-Berichte anzukündigen: „Morgen geht´s nach Hamburg, wo am Samstag-Abend das Notgemeinschaft Peter Pan-Jahresabschluss-Geheimkonzert im Backpackers Hostel St. Pauli stattfindet.“ Ja, das war´s dann mit Geheimkonzert, haha.

14:52 Uhr: Warum eigentlich Geheikonzert wollt ihr nicht wissen? Ich sag´s Euch trotzdem: Natürlich geht´s da nicht um dicke Hose, sondern schlichtweg darum, mit ein paar Freund*innen im kleinen Rahmen zusammen einen geilen Abend zu verbringen und das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen. Und da freuen sich Hulle und wir schon wie Oskar drauf. Hell yeahy!

17:55 Uhr: Tüddel hat sich fest vorgenommen, heute mal rein gar nix zu trinken. Innerkörperliche Organgebrechen bestimmen diese Entscheidung als Alternativlos. Auch ich nehme mir angesichts der Planungen und meiner hervorragenden Selbsteinschätzung so einiges vor. Jetzt haben wir noch zwei Stunden im HKX-Zug vor uns und fahren mit dem Vorhaben eigentlich ganz gut.

17:56 Uhr: Naja, aber eins können wir doch, oder? So zur Einstimmung.

18:14 Uhr: Bis ich vom anderen Ende des Zuges, wo sich der Getränkeverkauf befindet, zurück komme, ist eine doppelte Durststrecke locker vergangen. Und meine Inkonsequenz wird mir direkt zum Verhängnis. Zum einen gibt es nur noch kaltes Kölsch (und es ist nicht das einzig erträgliche Gaffel Kölsch), wobei die Betonung hier nicht auf „kaltes“ liegt. Und zum anderen schaffe ich es, bei meinem ersten zögerlichen Schluck, dass ich ein Stück des den Flaschenhals umgarnenden Silberpapiers ins Auge bekomme. Bitte fragt mich nicht, wie so etwas geht. Ich kann Euch das jedenfalls nicht empfehlen und hatte schon deutlich angenehmere Gefühle in meinem Leben.

20:23 Uhr: Nach dem ersten Schritt aus dem Zug, schnallen wir Tüddel unsere Koffer, Taschen, Rucksäcke, Beutel und Schulranzen um, schicken sie zu ihrem Pennplatz und sprinten direkt vom Bahnhof ins „befried“. Ohne Socke-Daniel. Soviel Insider darf auch an dieser Stelle sein. Dann essen wir uns wie gewohnt drei Mal durch die Speisekarte, rauf, runter und nochmal rauf, um dann mit den Jacken- und Hosentaschen voll mit Schokoriegeln, über den Hans-Albers-Platz zu tanzen und den ekelhaften Teil Sankt Paulis völlig auszublenden. Um besagten Sockendaniel angesichts des Rotlicht bestimmenden Teils des Stadtteils zu zitieren: „Ich bin immer wieder aufs neue zwischen angeekelt und fasziniert.“ Wir recht er doch hat.

20.12.14, 11:11 Uhr: Alaf! Die Schokoriegel sind verbraten, das Frühstück haben wir im Millers eingenommen, da das befried trotz unserer Klimmzüge am Eingangstor noch geschlossen war. Nun sitzen wir mit Tröööt und dem Roten Dirk vor den Fanräumen, aus denen „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“ dröhnt. Meins ist nicht alle und meine Ohren sind schon wieder in Hochform. Während wir über das gerade thematisierte Durchhaltevermögen unserer Gesprächspartner, die auch im hohen Alter gerne noch bis 7 Uhr Morgens durchzechen, mal wieder staunen, wechselt Sabbi urplötzlich das Thema: „Ich will auch ´n Bretzel!“ – „Wie was? Wo gibt´s denn hier Bretzel?“ – „Nein, nicht Bretzel. Ich sagte: Das ist mir auch ein Rätsel.“ Na dann is ja alles klar.

12:01 Uhr: Tüddel hat vor ein paar Stunden die Einladung von ein paar Freunden bekommen, das Spiel heute für Nüsse aus dem Businessbereich bei frei saufen und frei fressen zu sehen. Und entscheidet sich dafür, sich mit uns auf der Gegengerade Wind und Regen in die Fresse plästern zu lassen. Dabei muss man erwähnen, dass Tüddels Fußballherz für einen Drittligisten und nicht etwa für den FCSP schlägt. Also wenn mir jemand, sagen wir mal in Bielefeld gegen Chemnitz oder so, anbieten würde, mir für Nöppes die Kante zu geben, ich wäre sicher nicht in den Heimstehplatzbereich gegangen. Da ziehen wir mal kurz den Hut und holen Tüddel noch ein  Bier.

14:30 Uhr: Es ist faszinierend. Ewald Lienen ist die geilste Sau der Welt und hat es geschafft der Mannschaft irgendwas zu injizieren, was sie 3:0 in Führung gehen lässt. Der Jubel ist famos, doch die spektakulärste Aktion des Spiels bleibt einem Fotografen unweit der Eckfahne zur Baustelle Nordtribüne vorbehalten. Dank Sturms wird dieser von einer schweren Werbebande begraben und hat keine Chance ohne fremde Hilfe zu entkommen. Mehrere Ordner müssen das Teil anheben, so dass das seine Kamera krampfhaft in die Luft haltende Opfer galant in die sich hinter ihn befindende Pfütze rutschen kann. Wobei die Pfütze durchaus den Begriff See verdient hätte. Der sogenannte Ehrentreffer zum 3:1 verschwindet so in der Bedeutungslosigkeit.

15:44 Uhr: Eigentlich sind wir noch satt von gestern, aber wo wir schon mal ohne den besockten Daniel hier sind, können wir ja eigentlich unsere Essgewohnheiten in unserem Lieblingsimbiss noch einmal wiederholen, respektive auf die Spitze treiben. Das schaffen wir sogar locker. Und wir freuen uns, dass wir in dieser Stunde durchgehend auf einen AK47 Düsseldorf-Kapu glotzen dürfen. Erst als wir auf dem Weg nach draußen sind, wird uns bewusst, dass wir es bei dem galant gekleideten Menschen mit Rikk zu tun haben. Den haben wir gerade erst im Stadion gesehen und werden ganz sicher heute Abend noch einmal auf ihn stoßen. Nee, wat is die Welt klein, ey.

19:48 Uhr: Wir sind natürlich ma widda zu früh. Doch vorm Ahoi tummeln sich schon ein paar bekannte Gesichter im Regen und die Vorfreude wächst angesichts der Vorfreude.

23:03 Uhr: Peng Bumm, geile Scheiße. Timo, der Sänger der Band „Kotzen“ hat den Abend großartig geöffnet und die „Notis“ natürlich noch dick und fett einen drauf gesetzt und ihr Set inklusiver der neuen Songs nahezu Fehlerfrei der begeisterten Meute charmant vor die Füße gerotzt. Als die großartige Darbietung zu Ende ist, besteht Sabbi noch auf ihren Lieblingssong „Fensterfarben“. Also werden die Musikanten wieder reingeholt und nach dem fünften Anlauf ist auch dieses Meisterwerk vollbracht. Ihr verdammten Profis!

0:12 Uhr: Wir haben die Qual der Wahl. Entweder noch rüber ins Störte und uns endgültig abschießen. Ich kenn mich ja. Seit X Hamburg-Besuchen nehmen wir uns vor am Sonntag mal Ata im malerischen Horst bei Elmshorn besuchen zu fahren. Seit X Hamburg-Besuchen sage ich ihm am Sonntag-Vormittag ab, weil es angesichts meines Katers unmöglich ist, die Reise auf mich zu nehmen. Da ich bis heute nicht Atas Rotzblach gesehen habe und es sicher bald schon von der Schule fliegt, lasse ich Vernunft walten. Getrunken hab ich eh mehr als genug und da der abendliche Hamburger Lebensrhythmus noch immer ein völlig anderer ist, als der gemeine Jammerrhythmus alternder Ruhrpottler (Tröööt und Dirk mal außen vor gelassen), verabschieden wir uns – mit drei Ausrufezeichen: !!! – von den Hauptdarstellern dieses Abends und hüpfen winkend am befreid vorbei um den verblüfften Ata am nächsten Vormittag per digitaler Kurznachricht mitzuteilen, dass wir schon bald bei ihm einfallen werden. Ich bin gespannt und wünsche einstweilen wundervolle Resttage: Wundervolle Resttage!

Nachtrag, Montag, 22.12.14, 19:10 Uhr: Das befried hat heute Ruhetag. Meine Gewichtszunahme droht die lineare Kurve zu verlassen. Ein klein wenig Trost finde ich im „Hin & Veg“, das mit uns aller Lieblings-Imbiss jedoch nicht annähernd zu vergleichen ist. Aus Frust, Wut, Wurst und Tristesse zerstöre ich die Durchgangstür unseres Zug-Abteils, so dass die Mitreisenden in unserem Wagen einseitig gefangen sind. Erst als Tüddel drei Stunden später bei ihrem Ausstieg die Tür mit einem gekonnten Griff wieder repariert, atmen die Mitreisenden auf. Weihnachten findet also doch statt. Wir sehen uns spätestens danach in Wuppertal. Gute Nacht!


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