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Ticker & Fotos: Punk im Eimer, 1. Tag mit AuweiA!, Cholera Tarantula, F*cking Angry @ AZ Wuppertal

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27. Dezember 2014, Punk im Eimer im AZ Wuppertal

F*cking Angry, Cholera Tarantula, AuweiA!

27.12.14, 9:46 Uhr: Ich bin ja bekanntlich kein kleiner Doofer. Betonung, liebe Vorleserin, respektive lieber Vorleser, an dieser Stelle bitte auf „kleiner“. Schon Wochen vorher habe ich mir mal wieder Gedanken gemacht, wie ich von Wuppertal des Nachts nach Hause komme. Angenommen, dass mein Pommesfetisch am letzten Konzertwochenende des Jahres mal aussetzt und ich nicht schon um 22 Uhr im Zug Richtung Heiabett sitzen werde. Um mich im AZ an andere Schlafsäcke zu kuscheln, dafür bin ich inzwischen wirklich zu gebrechlich. Also setzen wir der Dekadenz mal die Krone auf: Selbst wenn ich, wie geplant, nur den Samstag dort verweile, suche ich mir einfach ´ne Billigabsteige und penne im Hotel. Punkt, Ende, Aus, Nikolaus.

9:48 Uhr: Und die wurde sogar unweit des AZ gefunden. Nur was machen, wenn ich dann doch noch – trotz aktuell erhöhter Temperatur – am Sonntag erneut hin will? Ein Großteil des asozialen Umfeldes, den man teilweise dieses Jahr recht selten gesehen hat, fährt komischerweise nur am 2. Tag gen Wuppertal. Und die oder den einen oder anderen mal wieder in die Arme zu schließen, fänd ich gar nicht so Scheiße. Also einfach doch mal die Bahnverbindungen gecheckt und schon staune ich Bauklötze. Da fährt doch tatsächlich die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag ´ne S-Bahn durch zurück. Die braucht nicht mal ´ne Stunde bis Witten. Wieso weiß ich sowas nicht? Ich Trottel bin wohl angesichts der total beschissenen Anbindung Wittens an den öffentlichen Nahverkehr davon ausgegangen, dass da eh die letzte um halb elf oder so fährt. Von wegen. Na Latte, das Zimmer war nun eh nicht viel teurer, als die sonst notwendige Taxifahrt vom Wittener Hauptbahnhof nach Hause. Und heute Nacht setzt sowieso der totale Schneesturm ein, so dass die Teutsche Bahn den Zugverkehr für 2014/15 für abgeblasen erklärt. Da hab ich dann so oder so alles richtig gemacht, Meister des Schönredens.

12:31 Uhr: Konsequenterweise sollte ich mir noch einen Koffer mit vier Rollen kaufen, aber ich belasse es ausnahmsweise mal bei der Plastiktüte, um mich von den Jute-Hipstern abzugrenzen. Die kann ich dann wenigstens noch für die Mittägliche Büdchentour nutzen. Andererseits wäre da so ein Koffer auch nicht verkehrt für. Genug nachgedacht, ich muss los. Ab zur Bushaltestelle. Ich werde jedenfalls pünktlich zur Büdchentour um 16 Uhr am Wuppertaler Hbf stehen. Eu!

15:41 Uhr: Die Dekadenz ist bezogen und ich stehe am besagten Startpunkt, wo soeben Scheiße zu mir gestoßen ist. Wir sind hin und weg von dem Bahnhofstunnel, der dermaßen runtergekommen ist, dass es einen unglaublichen Charme versprüht. Zumindest auf so Gestalten wie uns. Sämtliche Läden in dieser Passage sind geschlossen, bis auf ein Büdchen, das als Fehlstart-Oase herhalten muss. Dann mal Prost!

16:04 Uhr: Als Lars als letzter Teilnehmer eintrudelt, hat sich unser Häufchen Elend dank einer beachtlich Anzahlen Punks – aus allen Damen Städten – zu einer der größter Büdchentouren ever gemausert. Die wissen da zwar nix von, aber egaal. Dann mal los.

16:22 Uhr: Lediglich eine Möchtegernbude lag auf dem Weg. Eine Lottoannahmestelle, in der es immerhin Hansa gab. Zwar tritt damit bereits frühzeitig ein ungeliebtes Mischungsverhältnis ein, aber so muss ich nachher wenigstens nicht mehr umswitchen. 

16:23 Uhr: Obwohl die Pforten erst um 17 Uhr öffnen sollen, haben sich bereits rund 50 bunte Menschen eingefunden und drängeln sich vor dem Eingang. Also tatsächlich gut, dass wir so scheiße früh gestartet sind, denn bei einem Fassungsgelöte von 300 dürfte das hier recht flott ausverkauft sein.

16:51 Uhr: Mensch hat ein Einsehen mit uns und öffnet früher als geplant. Wie von Aldi gewohnt schreie ich „könnt Ihr nicht mal ´ne zweite Kasse aufmachen“, aber angesichts meines Alters denken die mit mir Wartenden vermutlich, ich habe das ernst gemeint und starren mich nur wortlos an. Oder der Witz war halt einfach scheiße.

17:08 Uhr: Noch 2 Meter bis zur Kasse. Da drängen sich F*cking Angry an uns vorbei, was perfekt in den Kram passt. Also Daniel flott seine Gitarrenköfferchen abgenommen und der Bande kurz geholfen und schon haben sich die 2 Meter in Luft aufgelöst. Bevor ich es vergesse, nun aber flott wieder runter den Zehner für (vorsorglich) 2 Tage Punkrock vom feinsten auf den Tresen gelegt und Bändchen abgeholt. Dann ab zur Theke und weiter machen. Nee, wat is dat schön.

19:02 Uhr: Da – wenn ich alles richtig verstanden habe – die Band „Auslaufmodell“ ausfällt, beginnt die ganze Chose ´n Stündchen später. Und direkt mit F*cking Angry,  hell yeah! Sehr schön, so verpass ich die schon mal nicht. Da um 0 Uhr aber eh alles durch sein soll, hab ich mir fest vorgenommen, heute mal bis zum Ende zu bleiben. Nichts leichter als das. Hüstel.

20:04 Uhr: Einmal mehr ein wundervoller Auftritt. Wir verbringen die Zwischenzeit mit Interviews für unsere Radiosendung und befassen uns ausschließlich mit der Frage „bist Du auch wegen Beton.Tod hier“? 90% der Antworten sind viel zu souverän. Dann geh ich halt mit Ente ´ne Runde kickern, wenn uns hier keiner in die Karten spielen, respektive reden will.

20:24 Uhr: Ich glaub das war die mit Abstand langsamste und katastrophalste Kicker-Begegnung die jemals auf fick-dich-deutschem Boden stattgefunden hat. Nach 20 Minuten brechen wir beim Stand von 0:0 begeistert ab.

21:13 Uhr: Von weitem meine ich wahrzunehmen, dass inzwischen AuweiA! für die musikalische Untermalung sorgen. Ein Blick auf die Uhr und ich habe mal wieder den lustigsten Einfall überhaupt: Noch nicht mal viertel nach neun. Wenn ich jetzt einfach Pommes hole, obwohl es hier wirklich verdammt geil ist, ist das bestimmt die super witzige Aktion. Na dann mal Tschüss ohne Tschüss zu sagen.

21:28 Uhr: Anstatt Richtung Schlafunterkunft laufe ich zum Hauptbahnhof, registriere das aber erst kurz vor Ankunft. Das hat den Vorteil, dass ich noch am Cigköftem, einer veganen Cigköfte-Bude, die ich erstmals in Bielefeld schätzen und lieben gelernt habe, vorbei komme. Also schnell rein und noch wat auffe Faust genommen.

21:29 Uhr: Kaum drin schreit mir ein vermeintlicher, an einem Tisch sitzender, Gast entgegen, ob ich etwa Vegetarier sei. Ich teile ihm mit, dass ich Veganer sei und um dem offenbar auf Krawall gebürsteten Herrn direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen, schicke ich spontan hinterher, dass es mir jedoch ziemlich egal sei, ob er das ebenfalls sei oder ob er auch nicht-pflanzliche Bestandteile konsumiere. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung warum, aber in den folgenden 5 Minuten werde ich mit allerlei Hassbotschaften und Drohungen überschüttet, in denen unter anderem die Hells Angels, Gott und Jesus eine primäre Rolle spielen. Irgendwann steht der ganz in weiß gekleidete Kerl auf, zeigt mir die Rückseite seiner weißen Lederjacke, wo irgendwas von einem mir unbekannten Motorradclub draufsteht und treibt seine Drohgebärden auf die Spitze. Ich beabsichtige mich zu ihm zu gesellen, um ihn ein wenig zu beruhigen, die Dame hinter der Theke hält mich jedoch davon ab und bevorzugt es, unter der bekannten Telefonnummer 1312 Hilfe zu rufen.

21:30 Uhr: Der verwirrte Mann verlässt daraufhin fluchtartig die Lokalität, jedoch nicht ohne mir noch einmal mitzuteilen, was mich alles noch schlimmes erwarte. Draußen steigt er in ein Taxi, wird aber direkt wieder rausgeworfen. Ich schnappe mir meine Kadayif Dolmasi für läppsche 2 Euro, torkel zum Hauptbahnhof und lege mich für drei Haltestellen in die Schwebebahn.

Samstag, 28.12.14, 9:31 Uhr: Seit gut 4 Stunden bin ich wach und vollkommen verkatert. Der Kopf dröht und mir ist zum kotzen schlecht. Um 10 muss ich hier raus sein und zudem um 9:48 Uhr die Schwebebahn kriegen, um meinen Anschlusszug zu bekommen. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich das schaffen soll. Obwohl ich mich so scheiße früh verpisst habe, geht es mir dermaßen beschissen, dass ich hier nie wieder aufstehen möchte. Die logische Erklärung meines Zustandes lautet, dass 5,5 Stunden kontinuierlich durchtrinken auch dann Unwohlsein am nächsten Tag bedeuten kann, wenn man bereits am frühen Nachmittag damit angefangen hat. Wie dem auch sei. Es hilft alles nix. Also die Ersatzkleidung über die Schlafkleidung geworfen und mit einer Hand am Hals raus hier.

11:02 Uhr: Ich habe es tatsächlich geschafft ohne ein aus festen oder flüssigen Bestandteilen bestehendes Bäuerchen zu machen, in Witten anzukommen. Gezwungenermaßen nehme ich für die letzten Kilometer dann doch ein Taxi, da es bis zur Ankunft eines geeigneten Busses noch ewig dauert. Noch während der Fahrt erkläre ich dem Taxifahrer gegenüber feierlich, dass hiermit mein Konzertbedürfnis für dieses Jahr gedeckt sei und wir das Buch somit schließen können. Seinem Blick nach zu urteilen, hat er da nichts gegen. Dann rappelt mal gut ins neue Jahr, Ihr Lieben und vielen Dank, dass Ihr Euch immer noch diesen geschriebenen Schwachsinn reintut. Bis demnächst. Wir sehen uns!


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