Kapitel 2: Die Hüter der Goldenen Pommesgabel (Freeway Cash in der Freak Show, Essen)

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Kapitel II: Die Hüter der Goldenen Pommesgabel

Freeway Cash in der Freak Show, Essen am 4. Januar 2014

Dieser Artikel ist Teil des fortlaufenden Romans „Auf der Suche nach der goldenen Pommesgabel“. Infos dazu gibt es hier.

Es dauerte ein paar Tage bis er bereit war seine ihm auferlegte Berufung anzunehmen. Auf Grund seines akadämlichen sozialwissenschaftlichen Backgrounds mit Schwerpunkt geschlechtsspezifischer Sozialisation malträtierte ihn die Frage, ob die Auswahl nur deswegen auf ihn gefallen war, weil er männlichen biologischen Geschlechts sei. Jäger und so. Und wenn er eins nicht leiden konnte, dann war es die pauschale Zuordnung geschlechtsspezifischer Verhaltens- und Handlungsweisen. Je dümmer die Menschen waren, umso extremer und ausgeprägter war deren Denkweise diesbezüglich. Er musste an einen viel zu warmen Wintertag zurück denken, als ihm eine entfernte Bekannte, die ein paar Jahre jünger war als er, todernst ins Gesicht sagte: „Wenn Männer Frauen mit langen, blonden Haaren sehen, dann sind die doch nicht mehr zu halten. Jeder Mann ist so.“ In solchen Momenten würde er sich am liebsten sofort einen kurz- und schwarzhaarigen Mann schnappen und ihm gefragt die Zunge in den Hals stecken. Davon ab ist ein leichter Rotstich auch nicht zu verachten.

Andererseits war er schon lange auf der Suche nach den Antworten auf alle seine Fragen. Also drauf geschissen und an die Worte des Geistes zurück gedacht: „Gehe des Nachts hinfort, lass Dich ordentlich volllaufen, höre Dir dabei einen Haufen Geschrei mit musikalischer Untermalung an und finde sie. Die Goldene Pommesgabel.“ Und wie ginge das besser, als in der Freak Show im Königreich zu Essen. Und vor allem mit Freeway Cash. Ok, Baby, let´s go.

Eines hatte der Geist ihm jedoch verschwiegen. Hat die Goldene Pommesgabel einen Hüter? Heutzutage, wo jedes goldene Stück Scheiße einen Hüter hatte, war das nicht ausgeschlossen. Und wer mag dieser Hüter sein? War es notwendig bis zur Beendigung der Suche Stahlkappenstiefel zu tragen und CS-Gas mitzuführen? War der Hüter vielleicht sogar ein Nazi? So sehr er Nazis über alles hasste (noch deutlich mehr als tradierte Geschlechterrollen), wäre das noch die dankbarste aller Optionen gewesen. „Hey, Nazi, guck mal hinter Dir. Eva Braun. Nackt!“ Und schon könnte er die Goldene Pommesgabel in einem Minutenlangen Nix-Checking-Moment seines verwirrten Gegenübers an sich reißen. Doch die Frage stellte er sich angesichts der Tatsache, dass er ja eh einer dieser „ich lebe in den Tag hinein und dann gucken wa mal“-Menschen war, erst gar nicht. Ähäm.

Als er mit seiner Freundin die Freak Show betrat waren sie wie immer viel zu früh. Bis auf die Bandmitglieder Fisch und Zepp, den Tonmann Till sowie die Wirtsleute Ela und Benny hielten sich in dem eh noch spärlich gefüllten, wunderschönen Laden die bekannten Gesichter in Grenzen. Er sah sich um und fragte sich, wo es hier einen Hinweis auf die Goldene Pommesgabel geben könnte. Doch da die Salzstangen ohne Besteck serviert wurden und es ihm darüber hinaus nur die flüssige Nahrung angetan hatte, blieb er von einer Antwort zunächst weit entfernt.

Es dauerte bis halb zehn, bis der charmante Mischer mit dem gewissen Etwas endlich mit seiner üblichen After-Show-Pizza, die er zu späteren Stund mit den Fingern (statt dem Mund) essen würde, erneut den Laden betrat. Doch seine Hoffnung, dass es nun endlich losgehe, wurde erst eine gute halbe Stunde später befriedigt.

Die Örtlichkeit hatte sich inzwischen ansehnlich gefüllt. Jochen, ein befreundetes Mitglied der Oberhausener Konzertgruppe Virus, nötigte ihn Mexikaner zu trinken. Jochen war nicht nur ein großartiger Mexikanertrinker, sondern auch ein angesehener Kalauerkönig: „Was sitzt auffem Baum und trinkt?“ Zumindest verstand er das, denn seine Ohren waren auf Grund der vielen Konzerte, die er in den letzten über 25 Jahren besucht hatte, schon lange arg geschädigt. „Wat? Wat trinkt der?“ „Nein“, entgegnete Jochen. „Nicht trinkt. Winkt! Was sitzt auffem Baum und winkt?“ Schon wieder eine Frage, die er nicht beantworten konnte. Doch Jochen war so nett und löste auf:  „Ein Huhu.“ Er musste schmunzeln.

Von Minute zu Minute geriet seine Suche weiter in den Hintergrund, während er sowohl die Western- als auch die Country-Klänge der Band mit dem Beinchen wippend wohlwollend zur Kenntnis nahm. Für heute hatte er die Suche längst aufgegeben und eigentlich hätte er es vorher wissen müssen. Von „Geschrei mit musikalischer Untermalung“ konnte bei Freeway Cash natürlich keine Rede sein. Dafür sind die Musikanten auf der Bühne viel zu filigran. Auch wenn die Gelehrten darüber stritten, wie man es nun genau definieren möge, wenn Fisch sein langgezogenes „Eisenbaaaaahn“ durch das Mikrofon auswarf. Er machte sich Gedanken darüber, ob es auch eine Rennickensche Coverversion mit dem Titel „Autobahn“ gebe und freute sich zugleich, dass er einem solchen Konzert niemals beiwohnen würde.

Als er mit seiner Freundin den Heimweg antrat, erblickte er in einer abgelegenen Nebenstraße drei finstere Gestalten mit Thor Steinar-Kleidung. Sollte er doch schon so früh im Jahr ans Ziel gelangen? Reflexartig rief er den zuvor einstudierten Spruch „Hey, guckt mal hinter Euch. Eva Braun. Nackt!“. Die Reaktion des Trios verlief wie geplant und er freute sich, bereits im zweiten Kapitel des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Doch von einer Goldenen Pommesgabel war auch nach einer intensiven halbstündigen Suche weit und breit keine Spur. Er zweifelte an seiner Taktik.

Fortsetzung folgt.


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