Diary 2015/19. KW: The Sex Pistols Experience @ Freak Show, Essen

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19. Kalenderwoche 2015

Begleitung: The Sex Pistols Experience

Örtlichkeit: Freak Show, Essen

Freitag, 8. Mai 2015, 20:32 Uhr, Eurobahn

Ich bin total platt und habe überhaupt gar keinen Bock auf Konzert. Der einzige Grund, warum ich soeben in der Eurobahn Platz genommen habe ist, dass es der Regel folgend bei diesem Motivationsdesaster häufig ein äußerst witziger Abend wird. Naja, es kann ja auch nur besser werden. Was die Hinfahrt angeht, habe ich Glück, dass von Witten nach Essen-Kray die Eurobahn, die nicht von der Verweigerungspolitik des DB-Vorstandes betroffen ist, fährt. Meine Fresse, an dem Thema könnte ich mich sowas von abarbeiten. Zumal daran so beschissen deutlich wird, wie dumm ein Großteil der Bevölkerung ist: „Ja, klar verstehe ich das. Aber so langsam ist ja auch mal genug gestreikt.“ Ja nee, is klar. Da stellt sich ein Konzern hin und sagt „Nö, ich verweigere Dir Dein gesetzlich verbrieftes Recht für alle Deine Gewerkschaftsmitglieder Verhandlungen zu führen“ und das dummdeutsche Volk kratzt sich am Sack. Nein, noch schlimmer: Es positioniert sich gegen die Gewerkschaft, weil diese den Streik ausgerufen hat und die eigenen kurzzeitigen Belange über alles stehen. Ich kotze. Und die herrschenden Politiker greifen diese Stimmung im Land erfreut auf und kündigen eine Gesetzesänderung an, um die Tarifautonomie zukünftig einzuschränken. Der Aufschrei der Wutbürgerinnen und Wutbürger bleibt – na sowas – aus. Ich kotze sowas von im Achteck. Deutschland, ich find Dich ja eh Scheiße. Mit Deiner verfickten Möchtergernopferrolle. Mit Deiner scheiß Ausgrenzungs- und globalen Ausbeutungspolitik. Mit Deiner Bewertung von Menschen nach wirtschaftlichen Verwertungskriterien. Ja, mit all dem stehst Du nicht alleine da. Erst recht nicht in Europa. Aber, dass Deine Bevölkerung zu so großen Teilen ebenso dumm wie unsolidarisch ist, setzt da noch einen großen Fetttropfen oben drauf. Auch wenn ich mit nichts anderem gerechnet habe.

Freitag, 8. Mai 2015, 21:31 Uhr, Freak Show, Essen

Die „Büdchentour with myself“ habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. Und der Tag wird tatsächlich besser, da mir ein Licht aufgeht. Ich bin gar nicht vergesslich, wie folgendes beweist: Toto (Skin of tears-Sänger und AJZ Bahndamm -Konzertmacher) ist mit der Horde aus Wermelskirchen zugegen und wir erörtern, dass wir uns an gleicher Stelle zu Teilen bereits vor etwa 2 Wochen gesehen haben. Ich schmeiße kurz in die Runde, dass das ja mit Donnerstag ein Wochentag war. Oder verdammt, war es doch ein Freitag? Ich habe es tatsächlich vergessen, obwohl es erst knapp 14 Tage her ist. Was war es denn nun? Ein Donnerstag oder ein Freitag. Da kommt von der Seite meinen Hilferuf hörend die erleichternde Antwort: Es war ein Samstag. Ha! Siehste! Dann konnte ich ja gar nicht wissen, ob es Donnerstag oder Freitag war. Von wegen vergesslich.

Freitag, 8. Mai 2015, 21:51 Uhr, Freak Show, Essen

Ja, ich weiß, hat keiner verstanden. Mal sehen, ob ich das verstehe, was zum Glück recht pünktlich auf der Bühne startet. Da steht das Sex Pistols-Experiment, dessen Frontmensch tatsächlich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit John Lydon alias Johnny Rotten hat. Der Rest der Band ist optisch sichtlich bemüht, haha. Keine Ahnung, „Johnny Rotten“ ist jedenfalls ganz eindeutig das Aushängeschild der Kombo und musikalisch ist das auch verdammt nah dran. Rotzdem springt der Funke, in der sehr gut gefüllten Freak Show, auf mich nicht über. Ich hab keine Ahnung, was ich erwartet habe. Mehr Rotz? Mehr Asitum? Mehr Scherben und blutende Nasen? Waren die überhaupt so? In diesem Moment fällt mir auch ein, dass ich nie der große Sex Pistols-Verehrer war. Klar habe ich die „Never Mind…“ und auch die The Great Rock ’n’ Roll Swindle im Plattenregal stehen und früher auch öfter mal gehört. Aber so richtig übergeil fand ich die trotzdem nie, auch wenn sie einst mein erster Berührungspunkt mit Punk(rock) waren. Wäre mir das mal zu Hause eingefallen. Dafür hat das übrige Publikum, dessen Einzelteile allesamt deutlich älter sind als ich, sichtlich Spaß. Gut so, sei Euch gegönnt. Ich stelle mich jetzt mal vorne anne Seite, denn da kann ich das Ganze auch mal ohne Ohrstöpsel ausprobieren.

Freitag, 8. Mai 2015, 22:34 Uhr, Freak Show, Essen

Nee, ich hau ab. Um 23:11 Uhr kommt meine letzte Rückfahrgelegenheit ab Essen-Kray. Von Essen-Steele fährt nur ne S-Bahn stündlich bis Bochum-Langendreer und da müsste ich dann nochmal ´ne halbe Stunde aufn Bus warten oder ein viel zu teures Taxi nehmen. Also locker flockig in Richtung Kray gelatscht, ganz ohne Stress. Wetter is ja schön.

Freitag, 8. Mai 2015, 22:41 Uhr, Krayer Str., Essen

Ich passiere eine Bushaltestelle, an dem ein etwa 60jähriger Typ steht, den ich spontan als wahren Sid Vicious ausmache. Oder sagen wir mal: Würde Sid noch leben und würde er im Ruhrpott wohnen, dann wäre er das. Ich bin so perplex, dass ich mit voller Wucht gegen das Haltestellenschild laufe und mich so gerade noch halten kann. Sid nimmt einen kräftigen Zug von seiner filterlosen Zichte und beachtet mich gar nicht. Hätte er mir ins Gesicht gespuckt, wäre ich mir meiner Sicher gewesen.

Freitag, 8. Mai 2015, 23:12 Uhr, Krayer Str., Essen

Die Bahn fährt vom falschen Bahnsteig. Ohne Ankündigung, logo. Dank eines galanten Sprints erreiche ich sie noch und sitze auf exakt dem gleichen Platz, wie auffe Hinfahrt. Denn vor mir auf dem Boden klebt fest verankert, bzw. fest verklebt, die Chipstüte, da da bereits auf der Hinfahrt lag. Manche Dinge ändern sich nie. Fein, kriege ich noch schön den Bus gleich, der mich bis in mein Heiabettchen bringt. Und Morgen bin ich dann ausnahmsweise mal dropsfit. Gute Nacht!


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