Diary 2015/22. KW: Raccoone Labelparty (1. Tag) mit NPP, Cocktailbar Stammheim, Sunlun, Ärger Now!, Cover Youth @ AK47, Düsseldorf

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22. Kalenderwoche 2015

Raccoone Records Labelparty (Tag 1)

Begleitung: Notgemeinschaft Peter Pan, Cocktailbar Stammheim, Ärger Now!, Sunlun, Cover Youth (Loser Youth)

Örtlichkeit: AK 47 Düsseldorf

Samstag, 23. Mai 2015, 15:13 Uhr, Residence Witten

Ich wurde weitgehendst über „den Punk“ (?!) sozialisiert, um meine individuelle Persönlichkeit von heute zu kreieren. Das geschah verhältnismäßig spät und vollzog sich in erste Linie über die Musik. Der aufmüpfige Jungpunk, der sich tagsüber saufend mit einer Horde bunter Menschen irgendwo in der Öffentlichkeit bei diversen Alkoholika aufhält und vor dem das sogenannte Bürgerliche Volk die Nase rümpft, war ich nie. OK, viel getrunken hab ich auch und bin glaub ich auch so einigen Erwachsenen gut auf den Sack gegangen, aber eben nicht in diesem Rahmen. Stattdessen verlief mein Weg über diverse DIY-Aktivitäten, während das politische Bewusstsein laufend geprägt wurde. Die Fähigkeit, nicht blind den gesellschaftlichen Möchtegernkonsens zu übernehmen und stattdessen zu hinterfragen, ein Stück weiter zu denken, mir mein eigenes Bild zu machen und eine grenzenlose Gleichbehandlung aller Menschen (und zu großen Teilen auch aller Lebewesen) als leider nicht gegebene Selbstverständlichkeit zu betrachten, habe ich zu großen Teilen dieser Subkultur zu verdanken. Glaub ich.

Gestern war wieder so ein Tag,  an dem ich dafür unendliche Dankbarkeit empfand. Die Ignoranz, die Stammtischparolen und dieses schwachsinnige „nach unten treten“, wie ich es gestern wieder erleben durfte, ist in meinem Freundeskreis nicht vorhanden. Nicht jeder ist dort gleich politisiert. Nicht jeder geht auf Demos oder ist gar darüber hinaus aktiv. Aber alle tragen eine klare Ablehnung gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus, etc. in sich. Jeder und jedem ist klar, dass es nicht „der Asylant“, der „Hartz IV-Schmarotzer“ oder andere am unteren Ende der „Gesellschaftsordnung“ überlebenden sind, die an irgendetwas Schuld sind, was die eigenen politisch zugestandenen Optionen sind. Sei es ein Kindergartenplatz, sei es die Wohnung in der Mensch lebt oder ganz schlicht das zur Verfügung stehende Geld. Nach unten treten ist ebenso leicht wie dumm. Und die Mächtigen werden es angesichts der Dummheit der Menschen immer wieder aufs Neue schaffen, die Wut und den Hass dieser Leute von sich selbst auf die am meisten Gefickten abzulenken. Deutschland halt´s Maul!

Für mich ist diese Lebenswelt das, was mich persönlich mit Punk verbindet. Ja, natürlich teile ich diese Einstellungsmuster nicht nur mit Teilen dieser Subkultur, sondern auch mit anderen Menschen, die mit Punk nix am Hut haben. Und ich bin weit davon entfernt, dieses geschilderte Bild mit „Punk“ äquivalent zu setzen. Punk hat viele Facetten. Für mich sind es neben der Musik, den Konzerten, den DIY-Strukturen, eben zu großen Teilen die geschilderten Einstellungen, die ich dort in bis dato nicht gekannten Dimensionen kennenlernen durfte. Für andere ist Punk halt in einem Dauerrauschzustand in der eigenen Kotze zu liegen und über „Nazis raus!“ für mich nur wenige Anknüpfpunkte zu bieten. Ist auch OK so.

Manchmal frage ich mich, wie wohl alles geworden wäre, wenn mein Umfeld zur Zeit der besagten Sozialisierung ein anderes gewesen wäre. Wenn es statt Punk nur Fußball in meinem Leben gegeben hätte. Wenn ich nie in den Genuss gekommen wäre, ein AZ zu betreten, wenn ich nie diese wundervollen Strukturen kennen gelernt hätte. Ich weiß es nicht. Ich bilde mir ein, schlau genug zu sein, dass ich diese Verlogenheit auch ohne dieses soziale Umfeld erkannt hätte. Dass mein Gerechtigkeitssinn auch ohne persönlichen Austausch den Respekt vor allen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht, erkannt und ich ganz alleine den Weg gefunden hätte. Letztendlich weiß ich es aber nicht. Ich bin nur froh, dass es so ist, wie es ist. Dass ich so viele Menschen kenne, die nicht so Scheiße sind, wie der Großteil dieser Gesellschaft. Die nicht bloß tolerieren, sondern auch respektieren, sich ihren eigenen Kopf machen und die bei einem angriffslustigen „Gutmensch“ nicht meinen, sich rechtfertigen zu müssen. Danke Punk! Danke liebe Freundinnen und Freude! Soviel Herzschmerz müsst Ihr jetzt einfach mal ertragen.

Dienstag, 26. Mai 2015, 15:42 Uhr, Residence Witten

Wer keine Lust auf solche hochtrabende Weisheiten hat, dem empfehle ich parallel zu RTL 2 einen Blick auf seine Spam-Mails. Bei ausgesprochener Antriebslosigkeit werfe ich gelegentlich einen Blick in den dafür vorgesehenen Ordner und hoffe, dass mich bereits der Betreff zum weiter lesen animiert. Und so werde ich auch heute wieder fündig, da mir ein Doktor aus Asien unter Zuhilfenahme einer Pille eine „Verlagerung der Geschlechtsorgane“ verspricht. Geil, Pimmel auffe Stirn wollte ich schon immer mal haben.

Freitag, 29. Mai 2015, 15:29 Uhr, Dekadence Essen

Ich sitze zwecks urinierens auf dem Klo (ja, dort wo kein Pissbecken vorhanden ist, strulle ich im sitzen, weil ich kein richtiger Kerl bin) und habe eine großartige Idee. Denn wie ich da so hocke und mich im Flurspiegel betrachte, fällt mir auf, dass ich exakt die Sitzposition eingenommen habe, wie sie sonst Profifußballer auf den Mannschaftsfotos einnehmen. Halbwegs aufrecht (wegen Rücken) und die Hände auf die Knie gestützt. Jetzt die Idee: Ich kaufe zehn, fuffzehn Keramikschüsseln und mache demnächst gegen richtig viel Kohle total lustige Mannschaftsfotos für das Kicker-Bundesliga-Saison-Sonderheft. Und werde damit richtig reich. Ich glaube es wird Zeit, dass ich zum Konzert gehen kann.

Freitag, 29. Mai 2015, 18:57 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Frühzeitiges antanzen ist heute angesagt und das ist auch gut so. Anders hätten wir die Begrüßungsrunde gar nicht erfolgreich abschließen können. Es kündigt sich alleine auf Grund der Leute, die jetzt schon hier sind, ein wundervolles Familientreffen an. Freundinnen, Freunde und gute Bekannte von nah und fern und tralala. Wundervoll.

Freitag, 29. Mai 2015, 20:22 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Gleich geht ´s los. Perfekter Zeitpunkt um die bisherigen Geschehnisse zusammen zu fassen. Ach nee, das macht heute besser mal der Steve, denn der hat von seiner Hinfahrt zum Konzert folgendes zu berichten: Mülheim Hauptbahnhof. Ein paar Punks treffen auf Steve, ebenfalls Punk. Konversation: „Ey, wo fährst Du denn hin?“ – „Konzert, Düsseldorf und Ihr?“ – „Auch Konzert, Duisburg“ – „Wer spielt denn in Duisburg?“ – „Keinen Plan, wissen wa nicht. Und in Düsseldorf?“ – „Keine Ahnung, weiß ich auch nicht.“

Freitag, 29. Mai 2015, 20:33 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Auf der Bühne stehen 2/3 Loser Youth in Gestalt von Tommy und Pauli sowie 1/3 Notgemeinschaft Peter Pan in Form von Mario, da der Loser Youth-Trommler leider mit Krankheit überschüttet wurde und zu Hause geblieben ist. Also Cover Youth today. 5 Songs hat Mario sich beim Soundcheck drauf gepackt, wie der gemeine Musikant zu sagen pflegt und die gibbet jetzt zu hören. Los geht dat.

Freitag, 29. Mai 2015, 20:35 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Wow. Was für ein geiler Scheiß! Das Volk schreit zu Recht nach Zugabe und „noch mal von vorne“. Da lassen die Hamburger sich nicht zwei mal lumpen, also bitten, bzw. lumpen. Ihr wisst schon. Once again.

 Freitag, 29. Mai 2015, 20:36 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Peng! 2 x 5 Songs durch. Großartig! Ich liebe diese Band, selbst als Coverband ihrer selbst.

Freitag, 29. Mai 2015, 20:55 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Ärger Now!, die Kombo um Jet Bumpers´ Jens Bumper ist kurzfristig für die ebenfalls kränkelnden „Schwach“ eingesprungen und überzeugen mich, wie einst irgendwo in Solingen. Doch so langsam bilden sich leichte Rauchschwaben im Raume, die mir bereits jetzt leicht zu schaffen machen. Als Ex-Raucher habe ich leider zunehmend Probleme mit dem Qualm. Na mal gucken, wie dat noch wird.

Samstag, 30. Mai 2015, 1:06 Uhr, AK 47 Düsseldorf

Ich häng völlig in den Seilen. Bei Sunlun war ich schon über große Teile der Darbietung draußen an der Luft. Von der fantastischen Cocktailbar Stammheim habe ich auch nur das halbe Set mitbekommen und bin – was ich sonst ja wirklich nie mache – auf Malzbier umgestiegen. Über weite Strecken des Sets hab ich den Eindruck, mir würde jemand eine Sauerstoffflasche mit Teer und Nikotin über Nase und Mund stülpen. Und auch von den Notis kriege ich so zwangsläufig nicht mehr viel mit. Und das bei Sibbes vorletztem Gig. So ein Scheiß. Mein Schädel droht mir mehrfach in 1000 Teile zu zerplatzen, wenn ich nicht umgehend nach draußen gehe. So extrem habe ich das zuletzt in Leiwen empfunden. Da konnte man angesichts des Qualms allerdings nicht mal mehr was sehen. Ich frag mich echt wir Ori das auf der Bühne ausgehalten hat, der bereits mit Migräneartigen Kopfschmerzen in Düsseldorf angekommen ist. Aber der „muss“ es ja schließlich auch aushalten, während ich nur zum Scheiße aufschreiben hier bin. Und das kann ich sogar im Regen.

However. Es war trotzdem ein verdammt geiler Abend und die soeben durchgeführte Verabschiedungsrunde stand der Begrüßungsrunde in nix nach. Blick auf die Uhr: Geil, um 3 Uhr werden wir wohl ins Bett fallen. Für meine Verhältnisse ist das so, als wenn Ihr vier Tage ohne Schlaf durchfeiert. Nur anders. Gute Nacht!

Samstag, 30. Mai 2015, 13:12 Uhr, Dekadence Essen

Verdammter Kack. Das Einstellen des Alkoholkonsums alleine hat es nicht verhindern können. Mir geht´s sowas von scheiße. Dicken Schädel und bla und blubb. Die für heute geplante Büdchentour findet definitiv ohne mich statt und ich hoffe inständig, es überhaupt noch irgendwie heute nach Düsseldorf zum 2. Tag der fantastischen Raccoone-Labelparty zu schaffen. Falls ich, wie befürchtet, hier mein jämmerliches Dasein weiter führe und rumjammer, wünsch ich Euch schon mal viel Spaß. Und jetzt versuch ich mal gaaanz vorsichtig ob n Kaffee geht. Bis später. Hoffentlich.


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