Der gestreckte Mittelfinger #7 (Feb. 2013)

Ich bin seit gefühlten 100 Jahren großer Fan von DIY-A-5-kopierten Zines. Und hab seit gefühlten 90 Jahren keins mehr in der Hand gehabt. Das letzte dürfte tatsächlich die englische Ausgabe von Bäppi´s großartigem Human Parasit gewesen sein. Warum das so ist, weiß ich selber nicht. Möglicherweise bilde ich mir ein, zum lesen eh keine Zeit zu haben, obwohl es für S-Bahn und Badewanne keine praktischere Lektüre gibt. Lange Rede, kurzer Sinn. Nach 59 von 88 (nein, das wäre jetzt wirklich zu billig) Seiten verspüre ich den Drang, das Werk in unsere neue Rubrik aufzunehmen und das macht Sinn. Was soll ich ein Zine besprechen, welches auf jedem Bahnhofsklo und jedem zweiten Praxiswartezimmer in der ambulanten Psychatrie Deiner Wahl ausliegt (was zusammenfasst als Metapher für "eh jeder kennt" steht) beschnacken? Ebent.

Also liegt stattdessen die 7. Ausgabe in insgesamt elf Jahren DGM vor mir. Ein Grund für Macher Falk Fatal Jubiläum zu feiern. Da reihen wir uns doch gerne in die lange Schlange der Gratulanten ein. Tutti kompletti farblose Seiten im 80er-/90er-Layoutcharme und alles gut leserlich. Dafür gibt es schon mal drei Sterne am Himmel. Und weil ich nicht jeden Satz ausformulieren muss: Auflage 500 Exemplare. Oi!

Inhatlich werden neben breit gefächerten "Punk(rock)-Themen" (unter anderem Interviews mit "Kotzen" und "Smogtown" sowie  ´ne ausführliche Vorstellung des DIY-Kultur- und Konzert-Schuppens "Sabot" in Wiesbaden) auch ein paar nette Geschichten erzählt, die auf dem ersten Blick so direkt mit Punk(rock) nicht viel zu tun haben zu scheinen tuten sein. Es sind genau DIE Geschichten, die gewisse Zines zu etwas besonderem machen. Und – soviel Arroganz muss ein – wage ich die Behauptung, dass es dennoch hilfreich ist, sich mit dem ganzen Punk(rock)scheiß verbunden zu fühlen, um diese Stories gebührend aufsaugen zu können. Passt! Ob´s um den ehemaligen Regierungsbunker "Rosengarten" geht oder um Mika Reckinnen´s fiktiven oder realen – wen interessiert das schon und einen Unterschied macht das hier eh nicht – Erlebnisse als Kartenliveausleger im (be)trügerischen Astro TV. Neben dem von mir sehr geschätzten Mika werkelt übrigens auch der von mir ebenso gewürdigte und anfangs bereits erwähnte Bäppi inhaltlich mit. Allerdings erst auf Seite 64. Und da ich gerade erst baden war und am nächsten Wochenende vermutlich nur Busfahrten anstehen…. genau.

Super Dingen also, was bei mir auch mal wieder die Lust aufkeimen lässt zur digitalen Schere zu greifen. Nur wann soll ich dann noch baden?

Kontakt: www.dergestrecktemittelfinger.de