RilRec Punkrock Family

Die Pucks

Viele von Euch werden das symphatische Dreigestirn aus Dresden sicher noch nicht kennen. Wer von Euch auf Bands wie Mimmi´s und/oder Dritte Wahl steht, der sollte sich das hier mal durchlesen und sich etwas näher mit der Band beschäftigen. Irgendwo zwischen diesen beiden Kombos liegen DIE PUCKS, auch wenn Vergleiche auch hier mehr als unnötig sind. Jau… dann viel Spaß damit!!

RilRec: Hi Sandra. Zunächst selbstverständlich die 08/15-Standardfrage, da es vermutlich immer noch 2-3 Leute gibt, die Euch nicht kennen…. wer seid Ihr, woher kommt Ihr, was macht Ihr, seid wann gibt es Euch, warum und wieso? Sandra: Hey Rilrec! Wir sind Ralle, der Blonde und Sandra, in Kurzform: die Pucks, eine 08/15 Punkrockband aus Dresden. Wir sind eigentlich alle drei keine Ureinwohner der Stadt, aber inzwischen ist der Umzug dorthin schon Lichtjahre her…also Dresden.

Sandra: Die Pucks gibts in dieser Form seit Anfang 2002, glaub ich. Vorher haben der Blonde und ich aber schon zusammen in verschiedenen Bands rumgewerkelt. Nachdem wir beide alle paar Monate nach nem neuen Drummer Ausschau halten mussten, weil es einfach menschlich oder musikalisch oder zeitlich nicht zusammen passte, entstanden plötzlich die Pucks. Warum auch immer in dieser Zeit. Und mit diesem neuen Namen dauerte es nicht lang, da stand der Ralle plötzlich im Proberaum und haute genauso wild auf dem Schlagzeug rum wie wir auf Gitarre und Bass. Und da wussten wir, das isser! Erwähnt hab ich noch gar nicht, dass wir bis dahin noch eine richtige Sängerin in der Band hatten. Leider hatte sie zu dieser Zeit auch viel um die Ohren, und so standen wir plötzlich zu dritt da und dachten: Okay. Dann eben so. Wir können zwar nicht singen und auch nicht grossartig rumposen, aber wir machen unser Ding und verstehen uns alle drei super. Und so kam es dann auch…und das Tollste daran, es funktioniert tatsächlich!

RilRec: Also wenn mich meine für Mathe zuständige Gehirnzelle jetzt nicht gerade verlässt, sind das ja auch schon gut 6 Jahre. Da fragen sich die Leute natürlich, ob es von Euch schon irgendwelche Veröffentlichungen zu bewundern gibt?

Sandra: Ja, die gibt es tatsächlich! Irgendwann im Jahr 2003 haben wir eine Promo CD mit 5 Stücken aufgenommen, natürlich im Proberaum. Ein Freund von uns mischte das Ganze zusammen…und wir waren mächtig stolz auf das gute Stück! Das war ja für alle drei das erste Mal, dass man eine CD von seiner eigenen Band in den Händen hielt.

2 Jahre später fragten uns die Bottles, eine schon ewig existierende Punkband aus Sachsen, ob wir nicht Lust hätten, mit ihnen zusammen eine Split Platte aufzunehmen. Und da wir null Plan hatten, wie das alles so funktioniert, war das natürlich der Startschuss für uns drei! Eine wahre echte LP, Vinyl!! Das war was ganz Großes!

Letztes Jahr haben wir uns dann ganz allein getraut und sind ins Studio gegangen, um die erste und bis jetzt einzige richtige CD einzuspielen. Die heisst „Immer im Kreis aber voran“. 19 Stücke sind da drauf zu finden, und da wir alles in Eigenregie hinbekommen haben, sind wir auch auf dieses Machwerk ziemlich stolz.

RilRec: Ich hatte ja auch schon die Freude, da rein hören zu können und bin verdammt angetan von dem Teilchen. Dazu aber später nochmal. Was mich vorab noch interessieren würde ist, wie es denn in Dresden so aussieht? Habt Ihr dort eine „gut funktionierende Punkrock-Szene“ („Szene“ gehört in achtfache Ausführungszeichen)? Und einigermaßen Ruhe vor irgendwelchen rechten Spinnern? Als blöder „Wessi“ (neunfache Anführungszeichen) denkt man ja immer, im „Osten“ kriegt man ständig aufs Maul.

Sandra: Die sogenannte „Szene“ ist in den 90ern recht stark gewachsen, Punkrock ist in dieser Zeit so eine Art Institution im Osten gewesen, an der man kaum vorbeikam. Punk passte einfach zum „neuen“ Lebensgefühl, gerade bei den Jugendlichen, die kurz nach der Wende viele Freiheiten aufgrund des Umbruchs geniessen konnten.

Viele Konzerte wurden veranstaltet, es wurden Häuser besetzt, es gab ein Haufen Punkrockinteressierte und Punks, die versucht haben, Locations aus dem Boden zu stampfen, um wiederum mehr Konzerte zu ermöglichen. Eine richtig geile Zeit! Im Szeneviertel von Dresden, der Neustadt, gibts seit Anfang der 90er auch ein Strassenfest, die Bunte Republik Neustadt. Dort spielten damals zig Bands auf Gehwegen und Strassen, es wurde billig aus irgendeinem Auto heraus Bier verkauft, nebenan verkaufte eine Oma selbstgemachte Eierkuchen, im Hinterhof der Häuserzeilen brannten Feuertonnen wegen der Gemütlichkeit und alles war am Feiern. Politisch Aktive gab es natürlich auch, somit auch etliche Demonstrationen z.B. gegen Nazis. Die Szene war irgendwie lebendig.

Leider hat, wie wahrscheinlich überall, das Interesse an Punkrock inzwischen stark nachgelassen. In Dresden gab es vor 5-6 Jahren noch 4 Clubs, die vorwiegend Punkrock bedient haben. Und übriggeblieben ist nun ein einziger Club, die Chemiefabrik (übrigens sehr geil dort!) und jede Menge Fashion Kids, die aussehen wie Punks, aber eigentlich lieber Gabber hören. Ebenso ist es jetzt auf besagtem Stadtteilfest, zu dem inzwischen Gewalttouristen anreisen, um sich mit der Polizei eine Schlägerei zu geben… Von Punk ist leider sehr wenig übrig geblieben. Es scheint, als ob die Kids müde geworden sind.

Die Sache mit den Nazis und dem rechten Gedankengut.. nun ja,… ich weiss, dass viele „Wessis“ den Osten völlig anders interpretieren, als er in Wirklichkeit ist. Natürlich kriegt nicht jeder aufs Maul, nur weil er anders aussieht. Aber wenn du an die falschen Leute gerätst, kann das passieren. Genauso wie in Düsseldorf, Berlin, Hamburg…

Es gibt einfach zuviele Nazis, zuviele Dummköpfe und Idioten, auf der ganzen Welt sind die. Aber ich denke, die westlichen Medien prägen teilweise ein falsches Bild vom Osten. Und einige „Wessis“, die sich in den Osten getraut haben, lieben ihn, weil es soviele gute Leute hier gibt, die sich auch gegen solche rechten Hohlbirnen wehren. Nur die werden bei den Reportagen meist nicht erwähnt.

RilRec: Dann lass uns mal zu Eurem Album kommen. Du übernimmst ja auch einige mal den Gesangspart (was Du für meinen Geschmack auch gerne noch etwas öfter machen könntest, womit ich Blondes Gesangskünste keinesfalls schmälern will) und insbesondere dann hört es sich stark nach Mimmi´s an. Ich persönlich bin davon sehr begeistert und kann mir gut vorstellen, dass es in erster Linie zwei Reaktionen gibt. Auf der einen Seite die, die es wirklich abfeiern und auf der anderen Seite die, die sagen „Mimmi´s gibt es schon“. Mit welchen Reaktionen seid Ihr denn bisher so konfrontiert worden?

Sandra: Die Reaktionen sind wirklich komplett verschieden. Es gibt Leute, die beschwören mich, endlich aufzuhören mit meinem Gesang, und das alles dem Blondie zu überlassen. Nicht, weil der Gesang den Mimmi’s ähnelt, sondern weil er einfach Scheisse klingt. Andere sagen dann wieder, der Blondie soll weniger singen, das klänge nicht gut… Das bestärkt uns zumindest immer wieder, dass es doch richtig ist, dass wir beide den Gesang mehr oder weniger teilen.

Den Vergleich mit den Mimmi’s hören wir auch ab und zu von verschiedenen Seiten, aber nicht wie: Ey, hau ab mit dem Mist, sondern eher beiläufig am Rand erwähnt, wie eine kleine Untermalung.

Ich selbst kann mich damit aber gar nicht so recht anfreunden bzw. diese Meinung teilen. Es ehrt mich, wenn die Leute so einen Vergleich anstellen. Ich höre die Mimmi’s seit ungefähr 16 Jahren. Sie haben mich mit ihrer Musik in meiner Punkmusik Laufbahn kräftig geprägt. Auf der anderen Seite gebe ich hier offiziell zu, dass Blondie bis 2007 kein einziges Mimmi’s Lied kannte…

RilRec: Wie ich hörte, schreibst Du ab und an fürs Mololoko. Wie kam es denn dazu? Die Musik, die Ihr macht passt ja da eigentlich weniger rein. Und seid Ihr noch anderweitig in der sogenannten „Szene“ aktiv?

Sandra: Zum Moloko Plus bin ich rein zufällig gekommen. Toll fand ich das Fanzine schon eine ganze Zeit lang, war es doch irgendwie anders als die Bombe oder das Ox…

Vor ein paar Jahren fing ich dann an, die norwegische Band The Tip Toppers ein bisschen mit deren Homepageaufbau, Promotion, Werbung und so zu unterstützen. Und ich suchte ein Fanzine, was Bock hatte, ein Interview mit der Band abzudrucken. Da ich ja keinen zwingen konnte, ein Interview mit den Tip Toppers zu führen, übernahm ich den Job selbst und fragte einfach beim Moloko Plus an, ob Interesse besteht. Und siehe da, Torsten, der Macher des Fanzines, war gleich angetan und übergab mir den Interviewjob. Und dann war ich irgendwie beim Moloko Plus mit dabei. Mit den Pucks hat das eigentlich nix zu tun, das läuft parallel.

Mit anderweitig in der Szene aktiv, meinst du politisch, oder…?

RilRec: Also nicht zwingend politisch. Ich dachte da auch an so Sachen wie Konzerte veranstalten, in irgendwelchen Läden irgendwas machen. Halt alles, was in Deinen Augen mit Punkrock zu tun hat.

Sandra: Ja, denn politisch sind wir eher nicht so aktiv. Wir haben unsere Meinung, wollen uns aber nicht irgendwelchen Gruppierungen anschließen, um dann die Ansicht der Gruppe zu teilen und alles nachzuquatschen. Individualität im Denken ist uns wichtig.

Aber da läuft schon ein bisschen mehr. Ein paar Freunde und ich haben vor ein paar Wochen das erste und definitiv nicht das letzte Atomsmasher Punkrockfestival in der Nähe von Dresden veranstaltet (www.myspace.com/connysatomsmasherfest), die anderen zwei Pucks waren natürlich auch mit dabei. Ich kümmer mich dort vorwiegend ums Booking, was unheimlich viel Spass macht. Es gibt ja auch wirklich total viele Punkbands im Moment. Ein paar davon hab ich eben auch schon vorher in Clubs untergebracht, wodurch wiederum verdammt viele neue Kontakte entstehen. Ihr werdet das ja kennen als Label. Dann ist es eben plötzlich machbar, eine meiner Lieblingsbands, die Smelly Caps aus Hannover (www.smellycaps.de), auf eine Minitour nach Italien zu schicken, einfach so. Um diese Band kümmer ich mich intensiver, mache quasi fast die gesamte Labelarbeit, ohne ein Label zu haben, Merch, Booking, Homepage, usw.

Und was wir alle drei gemeinsam haben… Wir gehen total gern zu Konzerten, schauen uns Bands an und trinken ordentlich einen. Uns verbindet ja nach all den Jahren der Pucks und der Liebe zur Musik auch eine Freundschaft, oder sagen wir Ehe (?), die wir in der Freizeit, wenn es eben die Zeit zulässt, auch genießen.

RilRec: Was dürfen wir den von den Pucks in Zukunft erwarten?

Sandra: Nun ja, in den letzten Monaten war Blondie recht fleissig, was das Schreiben neuer Songs angeht. Ohne angeben zu wollen, aber ich komm kaum hinterher mit dem Einstudieren der Riffs… Das heisst, ab Herbst werden wir wieder verstärkt Gigs spielen und dabei diese Songs live austesten. Diejenigen Songs, die den Herbst überstehen und nicht in der Schublade verstauben, werden dann im Frühjahr 2009 auf die nächste CD gepresst. Zumindest ist das der grobe Plan. Festnageln wollen wir uns darauf nicht, aber eigentlich haben wir Bock, das neue Material auf einen Silberling zu bringen. Sowas macht einen ja besonders stolz. Und dann ist das letzte Album auch schon wieder eine Weile alt…

Alles weitere wird sich zeigen. Ich denke, die Pucks gibts weiterhin wie gehabt und wie bisher…

RilRec: Das hoffe ich doch schwer!! OK, nach der Standardeingangsfrage kommt jetzt natürlich auch noch die Standardabschlussfrage: Willst Du noch irgendwas loswerden?

Klar doch! Ich grüsse hiermit ganz doll den Frank und danke euch und den Lesern dieses Interviews für euer Interesse an uns! Sowas passiert nicht alle Tage, und wir sind wie ein bisschen überrascht! Ruhrpott rules also doch! Haben wir schon immer gewusst! Danke, Maks!

RilRec: Ich hab zu danken. 😉 Dir und den Jungs alles Gute und auf bald!!

03.07.2008, Maks Maksimowski

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