Meine Zeit bei den Richies

von Jim Le Bob

Dieses Wochenende spielen die Richies ihr mittlerweile drittes Reunion Konzert in Duisburg. Sie haben jetzt auch eine schöne neue Website, auf der ich leider mit keinem einzigen Wort erwähnt werde, obwohl ich die letzten Jahre der Bandgeschichte ihr Gitarrist war und auf 4 Platten bzw. Samplern für die Band sogar im Studio war. Als ich einstieg, gab es Probleme mit dem damaligen Gitarristen Sulle. Ich hatte die Jungs vorher schon einige Male als Fahrer begleitet und habe mir stets ein Zimmer mit dem Enfant terrible Peter geteilt. Peter heißt eigentlich Stefan und hat sich einen tollen Künstlernamen verpasst. Er galt als verrückter Freak, war allerdings auch als Songwriter das Genie der Band.  Da ich mit Peter gut auskam, dachten sich Axel und er, dass ich ein guter Ersatz sein könnte. Zu der Zeit hatte ich mit Eisenpimmel, Rent a Cow und einer Grunge-Band plus Studium, Nebenjob und Freundin einen vollen Terminplan. Ich hörte mit Rent a Cow und Eisenpimmel auf. Als alter Richies Fan war es nicht schwer sich das Programm drauf zu schaffen. Schon nach kurzer Zeit ging es dann auf Tour. Viele Leute dachten, dass mit meiner und Peters Verrücktheit ein für Axel unmöglich zu händelndes Pulverfass entsteht. Da war zum Beispiel auf dem ersten Konzert der Tour mit DEE DEE Ramone für Peter das Problem, dass  Dee Dee als trockener Alkoholiker keinen Alkohol im Backstagebereich wollte. Peter hat ihn daraufhin mit CJ angesprochen. Später dann als das erste Konzert der Tour vorbei war fragte Dee Dee mich, wie ich seine Show fand .Ich antwortete mit „You`ve killed 5 of my favourite Songs”. Wir hatten dann erst mal ein paar Tage getrennte Backstageräume. Schön war auch wie Peter in Hamburg Nina Hagen, die auf Dee Dees Soloplatte einen Song gesungen hatte, einen Heiratsantrag machte.

In Oberhausen spielten wir ein Open Air mit Stoppok und einem Rapper namens „Der Wolf“. Der hatte zu der Zeit einen Nr.1 Hit. Hier wurde uns eine künstlerische Betreuung kredenzt, die seines Gleichen suchte. Wir hatten ein eigenes Backstagezelt und eine wunderbare, superhübsche Blondine war für unser kulinarisches Wohl zuständig (leider nicht fürs leibliche Wohl). Einen Tag später waren wir dann Headliner auf einem Festival in Duisburg-Hochfeld, das Andie Eier für ein Uniprojekt organisiert hatte. Alle Bands bis auf uns verzichteten auf ihre Gage. Wir mussten zum  Soundcheck schon um 15:00 da sein und waren entsprechend früh am Saufen. War ja alles umsonst deshalb waren Peter und ich auch sehr spendabel und luden jede Menge Leute ein. Andie erzählte später dass ca. 50 % des ausgeschenkten Bieres auf uns zurückzuführen war. Als wir dann  auf die Bühne mussten, waren wir gnadenlos voll und konnten keinen einzigen Song zu Ende spielen, was natürlich super war, weil wir als einzige Band bezahlt wurden. Kaum zu  glauben, dass Andie Eier immer noch mit uns spricht und nach wie vor Konzerte veranstaltet. Axel war nüchtern und ist auf der Bühne durch die Hölle gegangen.

Eine sehr schöne Geschichte hat sich zugetragen als Klamydia in Deutschland auf Tour kamen und darauf bestanden, dass wir ein paar Konzerte mitspielen. So waren wir also mit den Lokalmatadoren und Klamydia unterwegs.  Peter ließ sich auf ein Vodka Kampfsaufen mit den Finnen ein.
Das konnte ja nur übel enden. Wir spielten als erstes, deshalb war die Show o.k. Es dauerte allerdings nicht sehr lange bis Peter nicht mehr laufen konnte. Wir mussten ihn also ins Auto tragen und später auch in seine Wohnung. Wenn man Peter in diesem Zustand helfen wollte, erntete man nur Beschimpfungen. Man soll sich in die Scheiße Ficken und sei ein Stück Dreck. Als Axel und ich dann wieder im Treppenhaus von Peter waren, kam der gute noch mal aus der Tür und schmiss uns seine Schlange Bernie hinterher. Ich habe so was wie ne Schlangenphobie und hatte wirklich Schiss vor dem Viech. Axel und ich spielten Schnick-Schnack-Schnuck  um die Ehre das Tier zurück zu bringen. Ich habe zum Glück gewonnen und musste die Schlange nicht anfassen.

Die Tour mit Psychotic Youth  aus Schweden war sicherlich mein Highlight.  Direkt beim ersten Konzert in Braunschweig habe ich den Vogel abgeschossen. Bei den Zugaben war meine Gitarre verstimmt und ich nahm mir den Stage- Tuner von Joergen, dem Gitarristen der Schweden. Das war das erste Mal, dass ich so ein Ding sah. Das Teil war wohl für einen Halbton höher eingestellt und ich bekam über 20 min. meine Gitarre nicht gestimmt. Ein absoluter Albtraum. Da Peter auf den vielen Touren schon mal zwischendurch einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, hatte er sich angewöhnt Jägermeister mit Baldrian zu trinken. Er trank den Jägermeister auch am Steuer und konnte überhaupt nicht verstehen, weshalb die Schweden sich darüber beschwerten. Jeden Morgen wurde ich von den Kotzgeräuschen Peters geweckt. Er fragte mich dann immer, ob ich morgens nie kotzen müsste. Da wir in den Clubs immer Toiletten ohne Klobrille vorfanden meinte ich aus Spaß, dass wir uns eigene Klobrillen besorgen sollten. Gesagt getan. Sofort ging es ab in den nächsten Baumarkt und unser Equipment wurde um 3 Klobrillen ergänzt.