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Supernichts

Ich traf Supernichts-Sprachrohr Frank Franksen, seines Zeichens Gitarrist und zweite Stimme von… (na?) Supernichts, die unlängst mit „Fixpunkte & Bojen“ wohl eins der besten teutschsprachigen Alben dieses Jahres veröffentlicht haben, nahezu zufällig in Franks Stammcafé in Saint Tropez, nur unweit meines eigenen Stammlokals in Köln-Porz. Mit Baskenmütze im Enddarm überredete ich ihn zu einem kurzen Interview und versuchte mit schmerverzerrtem Gesicht meinem Gegenüber ein paar spontane Fragen entgegenzuwerfen und diese direkt auf meinem ständigen begleiten, Norbert-das-Notebook, festzuhalten. So lange die Batterien uns durch die Nacht tragen sollten.

Hallo Frank, stellt Euch doch mal vor. Was macht Ihr beruflich? Was sind Eure Hobbys? Wie lange macht Ihr das schon? Haha, kleiner Scherz am Rande… wir machen das ja anders, bei uns kommt die zweite Frage immer vor der ersten, damit es nicht langweilig wird. Also: Seid ihr manchmal einsam, wenn ihr auf Tour seid?

Nein eigentlich nicht. So eine Tour ist zwar sehr anstrengend, gerade wenn man ausschließlich Shows auf den größten Bühnen quer durch die Republik macht, aber man ist ja wie eine große Familie: Wir, unsere großbrüstigen Merchandizerinnen, unsere Fans, unsere Groupies, unsere Drogen, Mc Donalds, die Scheiß Bullen und und und. Selbst wenn wir die Groupies nach dem Sex wie immer sofort nach Hause geschickt haben sitzen wir in der Nacht noch lange bei einem Glas Wein zusammen, erzählen von unseren Träumen und lesen uns gegenseitig aus der Bravo vor.

Scheiße!! Woher weißt Du, woher ich die Frage geklaut habe… jetzt ist mein ganzes Konzept übern Haufen geworfen und die Fragen nach Solokarriere und ob Ihr wirklich mit Tokio Hotel in den USA zwei Gigs spielt, kann ich mir schenken…. na latte… weiter: Stellt Euch doch mal vor. Was macht Ihr beruflich? Was sind Eure Hobbys? Wie lange macht Ihr das schon?

Wir sind Teil des Süstheems: Pädagogen, Volkswirte und Juristen. Unsere Hobbys sind Fußball, Musik und Saufen. Manchmal schleicht sich auch die ein oder andere anderweitig kulturelle Betätigung, wie z.B. Reisen, Lesen, Egoshooter oder Kino in unser Leben. Dabei sind wir dann aber in der Regel auch blau. Besoffen mit dem Rucksack durch Sulawesi ist z.B. traumhaftes Erlebnis und Quelle der Inspiration zugleich. Wir fröhnen unseren Hobbys seit früher bis später Kindheit. Das sieht man uns auch an.

Wir driften jetzt mal langsam in den ernsthaften Part des Interviews ab: Was sich der mit Kölner Liedgut groß gewordene Kulturkonsument natürlich spätestens nach Eurem neuen Album fragt – und ich hoffe, dass diese Frage überhaupt verständlich ist: Kommt auf den nächsten Supernichts-Tonträger „nach Osten“? Oder macht nicht langsam ´ne Split mit den Selfmade Millionaires Sinn?

Also den Begriff „ernsthaft“ in Zusammenhang mit den Selfmade Millionaires zu bringen halte ich aber für sehr fragwürdig. Ich kann Dich aber dennoch beruhigen: Es ist nichts dergleichen geplant.

Na gut, dann kommen wir halt jetzt wirklich zum ernsthaften Teil des Interviews. Das ist jetzt glaub ich schon die dritte Veröffentlichung auf Impact. Wie kam es zu dieser langjährigen Beziehung?

Wir haben mal zusammen mit der Impact-Eigentümer-Band „Dödelhaie“ in Nürnberg gespielt. Zu dem Zeitpunkt passierte bei Vitaminepillen nicht mehr so viel so dass wir grundsätzlich da weg wollten. Wir haben dann wie immer großartig gespielt und danach mit den Dödelhaien ziemlich gut und lange gesoffen. Da waren die so begeistert von, dass Sie sich dachten: „Endlich mal eine Band, die unsere anderen Pseudo-Punkbands ordentlich unter den Tisch säuft“ oder „Endlich mal eine Band, die wir noch komplett mit Bondage-Hosen, Nietengürteln und Gegen Nazis-Stickern ausstatten können“. Sie witterten auf jeden Fall die große Kohle. Fakt ist aber auch, dass Andy und Harald mit unseren Sachen auch was anfangen können. Und abgesehen davon brauchten sie jemanden, der mit ihnen die Scheiß-Konzerne verklagt, wenn sie nicht gerade selbst von den Scheiß-Konzernen verklagt werden. Es läuft auch alles recht gut und da sich der Bekanntheitsgrad doch seit Impact gesteigert hat sind wir bei den letzten CDs da geblieben.

Jetzt gibt es ja zahlreiche Bands, die ihre Hörerschaft damit ködern, dass sie Songs mit Fortsetzungen schreiben. Zum Beispiel Knochenfabrik mit Filmriss 1 bis 3. Ist das Euer Geheimrezept, dass ihr eben NICHT verratet, wie es mit Daisy Dee weitergeht, obwohl Ihr genau wisst, dass die meisten Leute gerade deswegen zu Euren Konzerten kommen? Und wo wir beim Thema sind: Die junge Dame in dem Ramones-Video? Ist DAS Daisy Dee??

Also die junge Dame im Ramones-Video bei Youtube oder auf unserer Myspace-Seite hat viel zu viel Stil um Daisy Dee zu sein. Daisy Dee ist ja eine allseits bekannte Techno-Schlampe aus der Sendung „Club Rotation“ die sich insbesondere durch Ihre nichtssagenden und dämlichen Interviews in schlechtem Dinglisch auszeichnete. Vermutlich hatte sie es damals nur als Vorzeigenegerin und -amerikanerin in die Sendung geschafft. Wir haben die Geschichte dann nicht weitererzählt, weil ja ohnehin jeder wissen dürfte, dass sie es mittlerweile trotz diverser Defizite von „Club Rotation“ direkt auf den Strassenstrich an der Oranienburger Strasse geschafft hat. Die Leute kommen eigentlich eher auf unsere Konzerte, weil sie wissen wollen wie es mit uns weitergegangen ist. Passen wir noch in unsere Designer-Outfits? Schaffen wir es noch auf die Bühne? Beherrschen wir endlich unsere Instrumente? Wählen wir immer noch die CDU? Ansonsten ist unser Geheimrezept die Mischung aus großartigen Songs mit grandiosen Melodien an genialen Texten.

Da muss ich mich ja glatt mal outen und zugeben, dass ich Trottel tatsächlich gedacht habe, Daisy Dee wäre irgend´ne Phantasiefigur. Verdammt… dann kommen wir auch schon zur fast letzen Frage. Ich war ja so was von begeistert, als Michelle (oder Mischäll, weiß der Henker…) bei Bauer Bühl auf einmal mitten während des Auftritts sein Bassgerät zur Seite stellte und hackenstramm auf die Idee kam, dass er jetzt nach Hause gehen wolle. Vom Emsland nach Kölle. Und schon war er n paar Stunden nicht mehr gesehen. Mir wollte auch niemand verraten, was man dafür für Drogen konsumieren muss, um auf so eine sensationelle Idee zu kommen. Ja, das sei Frage 1. Und gibt es noch ähnlich unterhaltsame Anekdötschen, die für Euch wahrscheinlich mittlerweile Alltag geworden sind, den gemeinen Leser jedoch ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern könnten?

Au da gibt es so viel zu erzählen. Wir machen den ganzen Scheiß ja schließlich nur, um unangenehm aufzufallen. Da waren schon einige völlig abstruse Geschichten dabei: Michelle hat die Band im Vollsuff bereits zweimal während des Konzertes alleine gelassen und sich verpisst. Einmal auf der Releaseparty der „Dispo Dancing“ und im Emsland. Im Emsland war es irgendein Aufgesetzter den er sich reingehauen hat während der Rest der Band, wie sich das gehört, im Schützenzug mitmarschiert ist und dem König gehuldigt hat. Michelle hat der Band im Vollsuff auch schon zweimal gekündigt u.a. mit der Behauptung wir würden seine Lieder absichtlich schlechter spielen als unsere. War aber nicht so gemeint. Als er gemerkt hat wieviel Sex, Drogen und Kilometer ihm dadurch verloren gehen ist er wieder eingetreten. Achim hat schon ein Bandmitglied einer Münchner Nachwuchsband in dessen Bett und während beide schliefen angepinkelt und sich dafür am nächsten Morgen nicht nur den Zorn der Pensionswirtin zugezogen. Ich bin in Husum mal fast von radikalen SPD-Wählern rausgeworfen worden, weil ich denen erzählt habe, dass ich nur und ausschließlich die CDU wähle. Unser Merchandiser ist in Sulbach-Rosenberg mal aus einem Antifacafe geschmissen worden, weil er vier Negermeister (Anm. meinerseits: Das ist eine uralte links- wie rechtsreinische Spezialität, bestehend aus mit dem Finger eingebohrte Schokoküsse mit Jägermeisterfüllung, wenn ich mich recht entsinne) bestellt hat. In Russland haben wir die schlechteste Version von „Wind of Change“ gespielt die je das Licht der Welt erblickt hat. Berten und Bauer Bühl haben mal bei uns im Studio Backrounds gesungen. Bert hat sich bei Impact mal eine gestreifte Stretchhose bestellt und so weiter und sofort.

Ah, ich muss nicht extra erwähnen, dass mich insbesondere die letzten beiden Tatsachen völlig schockiert haben. So schnell verliert man den Glauben an die Menschheit. Und ich hab n neues Erpressungsmittel gegen Berthold auf der Liste. Gut, bevor ich mich bedanke dann doch die Standardabschlussfrage: Möchtest Du noch irgendwen beleidigen oder Drohungen aussprechen?

Ja selbstverständlich! An alle Musikkonsumenten da draußen: Kauft nicht so viel Scheiß! Es gibt viel zu viele Kackbands! Konzentriert Euch auf die wenigen Guten (wie z.B. Supernichts). Und stellt Euch nicht so an, wenn ein Konzert mit drei Bands mal mehr als 5 Euro kostet. Und zieht Euch ordentlich an, wenn Ihr auf unser Konzert kommt. Sollte das alles nicht passieren schneiden wir uns die Fingernägel, stimmen unsere Instrumente und werden die deutschen Oasis.

Bestens, wer jetzt noch meckert und nicht auf Lacoste umsteigt, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Was mir noch bleibt ist meine ergebene Dankbarkeit auszusprechen. Und wieder ein paar Leser verloren… auf bald und grüß mir Düsseldorf.

13.10.2008, Maks Maksimowski

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