RilRec Punkrock Family

Vamos (Irland)

Wir sprachen mit Andre, Trommler bei der Galwayer Punkrockkombo VAMOS über den Umzug seiner Band von Liverpool nach Galway, über die irische Punkrock- und Indie-Musik-Szene, über die Probleme und Unterschiede zu Deutschland bei der Durchführung von Konzerten, über das Konzept „Dead Monkeys“ und ausnahmsweie mal nicht übers Wetter.

Hey Andre. Bei Euch komme ich wohl nicht drumrum mit der Standardfrage zu beginnen, da Euch im Deutschsprachigen Raum leider noch (und da gehören selbstredens drölf Ausrufezeichen hinter) nicht so viele kennen. Was sich nach diesem Interview wahrscheinlich binnen Stunden ändern wird. Also, erzähl uns doch bitte was über Vamos: Wann entstanden, wer gehört zur Band, wie bist Du zur Band gekommen, usw. Also angefangen hat alles mit Tom, welcher damals noch in Liverpool, begeistert von John Peel und den Pixies unbedingt ne Band starten wollte. Weil er das Band starten vor dem Gitarre spielen und gleichzeitig vor dem singen können gestellt hat, waren die ersten Vamos Gehversuche eher ne Gruppierung aus drei Leuten, welche Akkordfolgen so laut wie möglich runterschrammelten. Unter diesen Umständen war es in so’ner Stadt wie Liverpool dann doch eher schwierig an Auftritte zu kommen, also musste ne andere Idee her.

Um 1997 rum war somit das Projekt „Dead Monkey“ geboren, ein Abend für Bands welche gut, aber – Betonung liegt auf NOCH – nicht gesigned waren, um für sich selbst Auftritte rauszuschlagen. Nach einigen Umbesetzungen stand dann 2001 die erste 7″mit Ella Guru an, welche auch bei Dead Monkey ein und aus gingen. Nahe lag dann das Dingen auf Dead Monkey Records zu veröffentlichen. So wuchsen nach und nach Band und Imperium.

Tom entschied sich allerdings 2004 seiner Familie nach Irland zu folgen, startete dort die Band VAMOS und führt dort auch Dead Monkey mit seinem Bruder Vinny fort. Schlagzeug spielen sollte der irische Keith, welcher mit der Band verblieb, bis dann 2005 das erste Album stand.

Irgendwann machten sich aber Keith und Vinny wieder aus dem Staub. Dort komme ich dann ins Spiel. Ich war gerade frisch nach Galway gezogen und auf der Suche nach ner Band, stolperte in einen Platenladen, wo so’n grünhaariger Typ mehr schläfrig hinter der Theke stand und sagte: „Ja häng ma wat ans Dingensbrett da vorne“ ohne auch nur aufzuschauen. Ich dachte schon, ich hätte dann wohl die längste Zeit Musik gemacht. Allerdings bekam ich am selben Abend bereits den ersten Anruf von Tom und das war letzteendlich auch der einzige. Es stellte sich nämlich raus, dass die zwei Typen sich kennen. Und Tom meinte wohl direkt zu dem Typen: „Gib mir seine Nummer und reiß seinen Zettel sofort runter!“

Am Telefon verstand ich dank des Liverpool Akzents nicht so viel, hatte ja gerade damit zu kämpfen mich erst mal an die Iren zu gewöhnen. Aber da kam dann Vinny, der die Band ja eigentlich auch verlassen hatte um sich seinem Soloprojekt zu widmen wieder ins Spiel. Er wurde kurzerhand für die Idee begeistert mit VAMOS weiter zu machen und konnte somit munter zwischen mir und Tom hin und her übersetzen. Und so läuft es dann immerhin schon seit drei Jahren.

Und hoffentlich noch sehr lange. Denn das, was da inzwischen gewachsen ist, hat doch seinen verdammt eigenen sehr sehr geilen Stil. Ok, der geheime Festland-Punkrocker, der verbindet ja mit Irland bestenfalls irgendein Folkpunkgemisch a la Pogues, Blood Or Whiskey oder weiß der Henker wen. Und bis auf On-Off aus Dublin wüsste ich jetzt auch auf Anhieb keine Band, die mal in ´nem Läden der Größenordnung, wie Ihr sie bereist, hier gespielt hätte. Gibt es in Irland überhaupt vergleichbare Bands, die so´n richtig schönen locker flockigen, melidiösen und geilen Punkrock spielt wie Ihr? Will sagen: Gibt es ´ne kleine „Szene“ (sic!) von Punkrockbands?

Sagen wir mal so, ne Szene gibt’s wohl, aber halt anders. So klar getrennt wie in Deutschland, läuft das hier nicht. Also in dem Laden Hardcore und Emo, da hinten treffen sich nur die Deutschpunker, usw. iss hier nicht. gerade in kleineren Städten wie in Galway. Ihr habt das ja selber gesehen. Wir spielen mal mit ner Band wie den „Followers of Otis“, welche in die Beatles-Richtung schlagen, oder „21 outs“, welche eher auf der Blues Schiene unterwegs sind, oder „Just“ welche Grunge machen und viele weitere Beispiele könnten folgen.

Wenn wir irgendwas außerhalb von Galway spielen, dann meistens mit Bands die in anderen Städten das gleiche Ding wie wir durchziehen und Abende mit lokalen und auswärtigen Bands organisieren. In Limerick wären das zum Beispiel „Fewer the Better“, welche ihre musikalischen Zusammenkünfte im Bakers Place halten. Oder unsere Freunde von den „Scars“, welche in Clonmel Auftritte organisieren, und übrigens genau den Punkrock spielen, von dem du gerade gesprochen hast. Nach Dublin zu kommen ist da schon schwieriger. Da ist zum Beispiel das Hard Working Class Festival, wo Bands unserer Größenordnung auftreten. Darüber hinaus gibt es nur die großen Festivals, vergleichbar mit Rock am Ring. In kleineren Läden läuft das da genau so wie im heimischen Galway.

Punkrockmäßig auf Irland bezogen gibt es wenige Bands die vergleichbar sind. Die Hitchers aus Limerick – ganz grandioser melodisch witziger Punkrock. Sind allerdings auch leider schon nicht mehr aktiv und waren auch, wenn überhaupt, eher in England als hier bekannt. Nun, da das ganze legendären Status erreicht hat sind ihre Weihnachtskozerte in Limerick, Dublin und Galway ganz gut besucht. Aber das war zu deren aktiven Zeiten auch nicht so.

Generell lauft es für Limerick Bands ganz gut im Moment. Givamanakick zum Beispiel sind inzwischen in aller Munde, spielen aber auch deutlich bessere Gigs im Ausland. Deren 2-Mann-Hardocre-Punk findet in Irland eben auch nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Nach einigen ausländischen Erfolgen kommt dann nach und nach doch mal etwas irisches Interesse. Aber das ist auch eher so wie mit den Hitchers: „Sieh mal, die werden im Ausland gefeiert, ja dann können die ja gar nicht soo Scheiße sein“. Der Ire ist nunmal etwas stur. Deshalb hört man im üblichen traditionellen Pub ja auch immer noch die gleichen Hits aus den 90ern, von immer den selben Coverbands, und die werden dann auch richtig gefeiert.

„We should be dead“ oder „Fight Like Apes“ bekommen im Moment trotz deutlich erkennbarer Punkrockanleihen reges Interesse, allerdings ist da auch ein klar erkennbarer Trend zur gewollten Radiotauglichkeit vorhanden, was die allerdings ganz schön gut hinbekommen.

Die Beschaulichkeit der Szene hier hat aber auch ihre Vorteile. Man bekommt ein sehr breites Spektrum von dem was hier passiert mit, und alle möglichen verschiedenen Einflüsse. In Deutschland schlägt man ja eher ein Fanzine auf, und sagt „schau mal, die spielen heute dort und machen das und das, hab grad langeweile lass mal hin“ – oder eben nicht. Und man bekommt auch nur genau das geboten was vorher versprochen wurde.

Ja, dass ein erheblicher Unterschied zwischen Konzerten in Deutschland und in Irland besteht, ist schon sehr offensichtlich. Und die Sache mit den breiter gefächerten Einflüssen, davon konnten wir uns auch überzeugen. Eine Bands wie die Followers hätte ich mir niemals angeguckt und die haben mir – obwohl sie nicht annähernd Punkrock oder ähnliches machen – wirklich gut gefallen.

Was uns natürlich auch aufgefallen ist, ist mit welcher Begeisterung Deine Mitstreiter Tom und Vinny in Irland ihren Kumpels von den Gigs in Deutschland erzählst haben. Und zwar nicht etwa, weil die Leute da so abgegangen sind oder es so voll war, sondern weil die Band Bier und Essen bekommen hat. Das läuft in Irland ja etwas anders?!

Ha, ja also ich glaube hier sprechen wir gerade mehr über Tom oder? Bei ihm spielt Essen schon eine sehr übergeordnete Rolle. Nee, aber die Bewirtung bei den Auftritten in Deutschland war schon grandios, wenn man bedenkt, dass wir dort bei den Veranstaltungen auch obendrauf noch Kohle in die Hand gedrückt bekommen haben. Aber ich glaube aufgefallen ist uns auch, dass die Leute auf jeden fall mehr über haben für Punkrock als hier in Irland.

Veranstaltungsmässig gibt es in Irland zwar den Tick mehr Kohle, aber im grundegenommen ist man für den Herren Kneipier – oder im Falle des Cellars ja sogar Veranstaltungsmanager – ganz stumpf gesehen jemand, der den Service „Musik“ anbietet. Die gesamte Regie liegt dafür dann aber auch bei uns. Wir bestimmen wer spielt, welche dee-jay’s oder so’n Zeug wie „Stand Up Comedy“ hatten wir ja auch schon. Solange die Kasse der Kneipe klingelt ist alles ok. Die Sache bei Dead Monkey ist halt, dass es schon immer Teil der Idee war, keinen Eintritt zu kassieren, was sich auch in der Regel durch etwas größere Besucherzahlen bemerkbar macht. Dadurch, dass wir hier etwas mehr Kohle bekommen, können wir dann natürlich auch mehr ausgeben und sind nicht immer auf lokale Bands angewiesen. Das heißt, wir können auch öfter mal damit auf die Kacke hauen, dass Bands aus Liverpool oder so wie im Juni The Kleins aus Deutschland rüberkommen. Wir geben dann der Band einen gewissen Zuschuss zur Reisekasse. Oder irische Bands mit langer Anreise bekommen dann einen kleinen Spritgroschen. Lokale Bands bekommen in der Regel eigentlich nix.

Aber es gibt auch gerade bei den Läden wieder Unterschiede von Stadt zu Stadt. Gerade Cellar Galway ist schon ein Laden, den man mit seinen Türstehern usw. als sehr professionell und ich denke auch unpersönlich beschreiben kann. Wenn man bedenkt, dass ich dort letztens ´n Tritt in den Rücken kassiert habe, weil ich beim Aufräumen versucht habe nem Kollegen das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, um ihn dann um so besser verhauen zu können… vielleicht dachte er wirklich das sei der Start unanständiger Praktiken und bekam Angst vom Anschauen schwul zu werden, aber naja.

Im Kontrast dazu steht zum Beispiel die Spelunke in Castlebar die sich Buckos nennt und die zur zweiten Heimat von Dead Monkey geworden ist. Der Barmann dort ist schon ein absoluter Klassiker und hat auch durchaus immer Spaß an dem Haufen den wir einladen. Bei ihm gibt’s zum Beispiel Bier für uns und unsere Gäste und alles was er verlangt ist, dass wir am nächsten Tag seinen Kühlschrank wieder auffüllen. Auch kein Freibier, aber immerhin. Den ein oder anderen Snack gibt es bei ihm auch zwischendurch mal für umsonst. Der einzige Nachteil bei dieser freizügigen Art ist die Tatsache, dass wir mehr als einmal einen nicht unerheblichen Betrag des am Vorabend verdienten Geldes direkt am nächsten Tag im Supermarkt lassen mussten.

Ich denke halt die ganze Sache hat sich so eingebürgert weil es von jeher wohl schon immer Stress in Kneipen mit Musikern gab, die dann plötzlich dem Barmann mehr Kohle gekostet haben, als sie ihm eingebracht haben. Die Trinkkultur ist halt ne andere hier.

Fein, das ist ja schon mal ein ganz netter Überblick. Sag doch abschließend bitte noch ein paar Worte zu Eurer Band. Wie oft wart Ihr schon außerhalb Irlands und was für Veröffentlichungen gibt es bereits von Euch? Kann man Euch bald wieder in Deutschland bewundern? Wann und wo?

Zu unseren bisherigen Ausflügen: Da fang ich am besten mit unserer England-Tour 2007 an, die wir mit der Dead Class aus Liverpool gespielt haben. Ein großartiger Spass: 12 Termine, 10 Städte, viel fahren, Bully reparieren, Wasser und Bier in den Billy und in uns nachfüllen, usw… Dann die kleine Sommer-Tour in diesem Jahr durch Deutschland. Hier auch noch mal DANKE an alle Beteiligten. Ganz großer Spass und geile Gastfreundschaft. Als nächstes steht dann auch schon wieder Deutschland auf dem Plan:

Fr. 02.01.09 Sonic Ballroom Köln, 03.01.09 T5 Duisbuirg, 08.01.09 AZ Mülheim. Die Termine dazwischen sind noch frei und es wäre cool, wenn interessierte Leutchen sich an Maks von unserem deutschen Label (maks @ rilrec.de) wenden, falls Ihr die Möglichkeit habt, mit uns ´n Gig zu machen. Gerne natürlich auch als Support eines lokalen oder nichtlokalen Hauptakts. Wir sind absolut pflegeleicht und machen auch nix schmutzig. Nur, wenn man es verlangt.

Veröffentlicht wurden bisher die anfänglich erwähnte 7″ (leider ausverkauft, wird vielleicht irgendwann mal nachgepresst), dann 2005 das erste Vamos-Album (s/t) und 2007 die „Whats the craig“ 3-Track-Single welche auch bald wieder erhältlich ist. Und jetzt ganz neu und unglaublich geil die 10″-Vinyl-Split mit den sehr netten Herren von THE KLEINS aus Duisburg: Drei songs von uns und zwei von den Kleins. Alles was davon verfügbar ist, könnt Ihr über RILREC (www.rilrec.de, bzw. www.rilrec-shop.de) beziehen.

Besten Dank für das Interesse und auf jeden Fall freuen wir uns auf Januar. Bis denne!!

14.11.08, Maks Maksimowski

0 Antworten auf “Vamos (Irland)”

Schreibe einen Kommentar