RilRec Punkrock Family

Zwakkelmann

Am 12.05.08 erscheint auf RilRec das dritte Zwakkelmann-Album, welches auf den wunderschönen Namen „Vollhorst“ hört. Schlaffke Wolff ergriff die Gelegenheit beim Zopfe und lud Herrn Zwakkelmann in sein beschauliches Hamminkelner Heim ein. Das 24stündige Innawjuh könnt Ihr hier ungekürzt nachlesen: Schlaffke: „Moin Mister Zwakkelmann. Immer rein in die jute Stube.“

Zwakkelmann: „Jo, Tach auch. Wo soll ich hin?“

S.: „Am besten da vorne in die Einsamkeit-light-Küche. Aber passen se opp mit Ihrem Kopp. An dieser Tür hat sich schon mancher von den Großen überaus heftig die Birne gestoßen.“

Z.: „Jo, darf man hier rauchen?“

S.: „Yeah, Kaffee mit Milch?“

Z.: „Schlageraffe, Hitknilch?“

S.: „Nee, Kaffee mit Milch? Sind Sie taub oder was?“

Z.: „He, he, mit Verlaub, war nur Spaß. Ja, gerne `ne Tass`.“

S.: „Wie läuft`s denn so? Ich hörte, Sie hätten `ne fiese Krise durchlebt? Ha, ha, Ha!“

Z.: „Danke, aber lassen Sie uns, was das betrifft, bitte nich` zu sehr ins Detail gehen. Besser jenseits von Eden über die neue Scheibe reden. Dat muss nicht vor `nem Milliardenpublikum breit getreten werden. Sonst hagelt`s noch Beschwerden.“

S.: „O.k., kann ich verstehen. Ich darf Sie doch duzen, oder?

Z.: „Aber sicher, Herr Fuchs.“

S.: „Wolff. Gut, dann leg ich direkt ma los. Warum ausgerechnet `ne Punkrockoper? Bist Du jetzt komplett übergeschnappt? Glaubst Du, dass darauf die Welt gewartet hat bzw. die Klamotte irgendwen interessiert?“

Z.: „Nee, natürlich nich`! Aber Zwakkelmann darf das! Außerdem is`et in dem Sinne auch keine Rockoper geworden, sondern vielmehr ein Singstarspiel mit 20 Liedern. Oder, wie es im Booklet so schön heißt, eine Provinzpunkposse mit Höhen und Tiefen oder `ne tragisch, komische Kult-Klang-Kammeroper.“

S.: „Ah ha, wie soll ich bzw. der Leser das denn nun wieder verstehen?“

Z.: „Im Grunde genommen wird rund um die 20 neuen Songs einfach nur `ne Geschichte erzählt, die der stolze Vollhorst-Besitzer dann und wann im Booklet nachlesen kann. Wer also keine Lust hat, sich ein wenig anzustrengen, der lausche lediglich den güldenen Klängen! So einfach ist das. Allerdings verpasst er dadurch was. Die Chose is` nämlich echt unterhaltsam. Und dann auch noch die großartigen Zeichnungen von Nina P. aus E.! Is` schlicht `n Bonus für alle, die sich gleich morgen die Compactdisc besorgen.“

S.: „Und was hat es mit `Vollhorst´ auf sich?

Z.: „Ähem, Vollhorst hat of course mehrere Bedeutungen. Beispielsweise heißt der Hauptdarsteller ja `Horst´. Außerdem kann man `Vollhorst´ durchaus als Schimpfwort verstehen. Am Niederrhein oder auch im Ruhrgebiet sagt man ja schon mal: `Ey, Du Vollhorst´. Dann wiederum wohnt bzw. wohnte Horst bisher immer in Straßen, in denen das dämliche Wort `Horst´ drin vorkommt, äh, vorkam. `Voll´ wiederum könnte auf übermäßigen Alkoholkonsum hinweisen.“

S.: „Bei Greisen? Nee, wovon handelt die Geschichte denn genau? Horst Köhler, Horst Schimanski, Horst Schlämmer? F. d. k. – fasse Dich kurz – hurz.“

Z.: „Naja, `Vollhorst´ erzählt eben die Geschichte von `Horst´, dem Halbversager vom Lande, der an einem Wochenende `nen Ausflug vom Niederrhein ins Ruhrgebiet unternimmt. Was der Hauptdarsteller im Verlauf der Zugfahrt und auf der anschließenden Party bei seinem Kollegen `Honk´ so alles erlebt – darum geht es grob in der Story.“

S.: „Hmm, only losers take the bus. Sind da vielleicht Parallelen zwischen `Horst´ und dem großen Künstler zu erkennen? Übermäßiger Alkoholkonsum?“ Hüstel.

Z.: „Klar, auch wenn ich eher in öffentlichen Verkehrsmitteln leide – sie weitestgehend meide.“

S.: „Bewegt sich `Horst´ denn in autobiografischen Zügen?“

Z.: „Jo, aber auch in regionalen Zügen.“

S.: „Ah, ha, weshalb schon wieder so viele Lieder? Schicker Reim übrigens.“

Z.: „Auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte – diesmal kommen weniger Songs auf die Platte, hat es irgendwie nich` funktioniert. Hab schlichtweg zu viele Titel produziert. Fuck, ich bin auch schon wieder fleißig am Reimen.“

S.: „Sind ja auch sehr unterschiedliche Lieder drauf. Einige ganz schön heftige wie z.B. `Schlaflied 280 bpm´, `Halt die Maul´ oder `Proliot´ und auf der anderen Seite wieder ruhigere Nummern wie `Happy End 100%´, `Begleiter´ oder der Megahit `Singstar´.“

Z.: „Das zeichnet ja auch den ollen Zwakkelmann aus. Mal gibt`s fett wat vor`s Fressbrett und dann wieder macht er mit hübschen Melodeien alles komplett wett.“

S.: „Eigentlich müsstest Du doch mit so einem Song wie dem `Singstar´ mittlerweile wirklich Millionen scheffeln, zumal Vollhorst ja auch über das Monstermajorlabel `Rilec´ erscheint.“

Z.: „Da haste recht. `Singstar´ is` vielleicht der lustigste und hitverdächtigste Song des Albums und in gewisser Weise nur `n Gag. Dennoch schrob ich ihn, als ich gerade ein düsteres Tal durchwandern durfte.“

S.: „Hä, Hä, Herbstdepression?“

Z.: „Nich`ganz. Zu dem Zeitpunkt hatte ich gerade Urlaub, was ja eigentlich erstmal positiv ist. Nur war ich wegen `ner Trennung ziemlich gebügelt. Die Vollhorst-Produktion hat mich dann sozusagen beflügelt.
Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, etwas in meinem Leben zu verändern. Ich sagte mir: `Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling. Nee, hör auf mit der Herzschmerzscheiße und schreib stattdessen einfach mal `nen Hit mit dem du über Nacht berühmt wirst. Vielleicht geht`s dir dann ja besser.´ War selbstverständlich nur `n Hirngespinst.
Na ja, `normale´ Menschen räumen in so `ner Situation vielleicht ihre Bude auf, fahren nach Malle oder kaufen sich neue Klamotten. Vollhorst Zmann hingegen verwüstet seine Hütte, suhlt sich in seinem Selbstmitleid und produziert wie ein `Durchgedrehter Spinner´ Songs, um die der dann auch noch `ne Story strickt. Geschickt, geschickt.“

S.: „Ist `Durchgedrehter Spinner´ sowas wie `n Schlüssellied des Albums.

Z.: „Eventuell, gell.“

S.: „Haben denn nur ganz neue Nummern den Weg auf die CD gefunden?“

Z.: „Größtenteils, aber es sind auch `n paar ältere Schubladensongs mit druff – uff, uff. Zum Beispiel `Trauriges Lied´ und `Definitiv vielleicht`. Allerdings hab ich sie textlich und kompositorisch, das hört sich jetzt echt wichtig an, überarbeitet. Für `Durchgedrehter Spinner´ verfasste ich übrigens insgesamt `ne handvoll vollkommen unterschiedlicher Texte bis es zur endgültigen Fassung kam.“

S.: „…Manchmal wär ich gern ein anderer / Einer – der im Leben steht / Nicht so ein einsamer Wanderer / Der rastlos seine Runden dreht…“

Z.: „Wir haben`Durchgedrehter Spinner´ vorher nicht einmal zusammen geprobt. Hab lediglich vor der Aufnahme zu Trommler Techt gesagt, als ich ihm das Pilotplayback vorspielte: `Nach dem Liedermacherpart boller da einfach so Ramones-mäßig rein.´ Und dann kloppt der plötzlich alles kurz und klein. One take Techti, sach ich nur!“

S.: „Ihr macht euch das aber schon manchmal `n bisschen einfach, hä?“

Z.: „Das seh ich anders. Ich glaube, dass es ab und an nicht verkehrt sein kann, wenn man `nen Song, ohne ihn vorher fünfhundertsiebenunddreißigmal geprobt zu haben, spontan aufnimmt. Da is` dann einfach mehr Euphorie dabei.“

S.: „`Euphorie?´, auch so `n Überflieger, um Ihnen mal ein wenig Honig um den nicht vorhandenen Bart zu schmieren. Ich kriech` hier gerad auf allen Vieren.“

Z.: „Witzig übrigens, dass Techt in der dritten Sprophe meinte, der Refrain würde schon losgehen und dann volle Ölle in den ruhigen Part reinbrettert. Wir haben uns bepisst vor Lachen über die Stelle. Die mussten wir einfach so stehen lassen. Einige Leute, z.B. unser Bassmann Marius MPunktOHase, waren ein bisschen irritiert, als sie den Part zum ersten mal hörten.“

S.: „Ich find`s supa, dass Du nach der `Ouvertüre vor der Türe´ bei `Ich weiß nich` mehr´ sofort mit einem Stück beginnst, in dem, wie soll ich`s sagen, Zweifel an Horst und Dir nagen.“

Z.: „Und das Lied verfügt ja och über `nen schicken Offbeat.“

S.: „Was hat sich denn überhaupt musikalisch im Gegensatz zur `Spritztour´ und zur `Stubenrocker´-CD getan?“

Z.: „Also die Songs sind wie gewohnt kurz, bündig, einfach, melodisch und sangesbetont. Aber, ich glaube, `Vollhorst´ is` insgesamt moderner ausgefallen – musikalischer und `ne Ecke härter. Wir haben auch diesmal aufwändiger produziert. Beispielsweise wurden fast alle Stücke mit Metronom eingezockt. Außerdem haben wir besseres, teureres Equipment verwendet – u.a. ein Neumann-Mikrofon – sowie `n Großteil der Aufnahmen in professionellen Tonstudios gemischt. Fräulein Duesenberg, meine neue Stromgitarre, war sicherlich auch `ne Bereicherung. Z.B. im Refrain von `Er war das Monster in einem Jack Arnold-Film´. `ne geile Bratsche, sach ich Dir.“

S.: „Oh, da war Frau Stratocaster bestimmt beleidigt, was? Aber davon mal abgesehen, wolltest Du nicht im Booklet abdrucken: `Diesmal sogar mit Schlagzeug!´?“

Z.: „Yep, mir war wichtig, dass das Schlagwerk nicht so sehr im Hintergrund agiert wie bei den beiden vorangegangen Tonträgern. Irgendwann hab ich Techt mal gefragt, warum er bei einem Song nicht häufiger einen bestimmten Break gespielt hat. Er entgegnete mir: `Wat? Ich wusste doch nicht, dass man diesmal mein Schlagzeug hört.´“

S.: „Sind die Tontechniker dieser Welt – also aus LA und London – beim Mischen nicht an Dir verzweifelt? Vier oder fünf waren es doch, oder?“

Z.: „Zwischendurch schon. Nee, eigentlich mehr icke. Zwar wollte ich, dass unser Sound mehr wie `ne Band rüberkommt, aber auch wieder unsern Lofi-Garagencharme bewahren. Ick gloob, dat is` uns janz jut jelungen.“

S.: „Immer diese Gratwanderung zwischen Pop und Punk.“

Z.: „Aber manchmal iset eben mehr Punk, kein Punk zu sein. Ich mein, ich hab überhaupt nichts gegen junge Punks, die sich der Bewegung anschließen. Davon gibt`s ja mittlerweile wieder weitaus mehr, was mich echt freut. Nur sollten se nich` jeden Brüllaffen, der zum tausendstenmal was von bösen Bullenschweinen bölkt, abfeiern. Im Deutschpunkbereich flattert ja `ne Menge Viehzeugs herum – summ, summ.“

S.: „Aber dat war doch immer schon so.“

Z.: „Nur dreht sich mittlerweile vieles noch mehr um Styling, Posen und hohle Phrasen. Auch diese sogenannten Emos. Obwohl mir diese jungen, schwarz gekleideten Menschen eigentlich sehr sympathisch sind.“

S.: „Yeah, Du bist doch selber so `n Jammerlappen mit Emotionsüberschuss.“

Z.: „Nur heule ich fast immer mit einem lachenden Auge und vor allem auf hohem Niveau – ho, ho.“

S.: „Wat? Aber es soll Menschen geben, die `Totensonntag´, `Herbstdepression´ oder `Time to say good bye´ als überaus depressiv und düster empfinden und sich derweil vor Schmerzen winden.“

Z.: „Kann schon sein, aber für Leute dieser Art haben wir dann so was wie `Augenfick´, `Rock`n`Roll-Dilettanten´ oder `Barfly´ parat.“

S.: „Hart! Beim `Augenfick´ wird die PC-Fraktion sicher lauthals aufjaulen und rummaulen.“

Z.: „Äh, Du meinst diese Computerfreaks?“

S.: „Nee, nee, ick meen diese Political Correctness-Vögel.“

Z.: „Augenfick mal, dat is` doch lächerlich! Wie kann man sich über so einen Text aufregen. Die sollen doch erstmal vor ihrer eigenen Haustür fegen! Mir is` wichtig, ehrlich zu sein und wenn`s dabei mal zu `nem Augenfick kommt? Ach Gott, ach Gott, Frau Ott! Wo is` `n hier der Pott?“

S.: „Da vorne rechts… Ein Journalist vom `Beatles Express´ sagte letztens zu mir, `Vollhorst´ wäre die kämpferischste aller Zwakkelmann-Scheiben. Ich denke da z.B. an `Keiner von denen´, wo Du eindeutig gegen Vereinsmeierei und Spießertum Stellung beziehst.“

Z.: „Warte, lass mich eben zu Ende pinkeln… Äh, vielleicht bin ich mir über manche Dinge einfach mehr im klaren, vor allem nach den letzten zwei Jahren. Nee, eigentlich bin ich immer noch doof und mach Musik. Ach, die ganze Platte war `n unsäglicher Kampf. Zum Beispiel wenn ich bei `n paar Grad über Null im Proberaum in einer Höllenlautstärke Stromgitarren aufnehmen durfte. Da musste ich mir bisweilen selber Mut zusprechen. Unter dem Motto, scheiß drauf, du ziehst das jetzt wieder gnadenlos durch, du elender Lurch.“

S.: „Du bist also monatelang unter Wasser marschiert und hast lediglich durch `nen Gewehrlauf geatmet? Aber Dir haben doch auch einige Leute geholfen – z.B. Marius, Rönne oder Maks von Rilec?“

Z.: „Klar, da bin ich auch sehr froh drüber, dat se mich so unermüdlich unterstützen. Ohne die Jungs wäre die Scheibe nie so great geworden. Das hätte ich alleine nich` so schnell gepackt. Dat is` mal Fakt.“

S.: „Auch die ganzen Tonmenschen. `Kla-Die-Keu´ aus Haldern und `Sulle´ from Duisburg. Stimmt es eigentlich, dass Du `Kai Blankenberg´ vom Skyline in Düffeldorf die Hütte gestrichen hast, damit er Dir günstiger die Aufnahmen mastert? Oder ist es am Ende nur Legende?“

Z.: „Dat stimmt, `n sehr witziger Deal! Ob Campino oder Farin Urlaub sowas wohl auch machen?“

S.: „Mit Sicherheit! Wolltest Du diesmal nicht alles direkt in `nem feisten Tonstudio aufnehmen?“

Z.: „Das hatte ich vor, aber das wäre bei der riesigen Anzahl an Songs nur schwer möglich gewesen. Das hätte keiner finanzieren können. War ja so schon teuer genug. Ich wollte auch so schnell wie möglich mit den Aufnahmen beginnen. `Vollhorst´ wäre sonst wohl nicht in der Form entstanden.“

S.: „Ist dieses intensive Musik machen, wenn ich so an Deine Homerecording-Exzesse denke, nicht `ne total egoistische Sache, die immer auch auf Kosten anderer geht?“

Z.: „Garantiert, aber wenn man solo als Egoshoter durch`s Leben marschiert hält sich das wiederum in Grenzen. Ick will doch keinem was! Ich will doch nur den paar Leuten da draußen und natürlich mir beizeiten ein paar nette Stunden bereiten. Trotzdem kann die Musik die Liebe de facto nich` ersetzen. Am Ende bleibt man ja doch wieder alleine auf der Strecke in seiner Ecke neben der Hecke. Aber Musik hilft einem, besser mit der Einsamkeit und all den kleenen Problemen klar zu kommen. Außerdem macht der Rock immer noch totalen Bock.“

S.: „Hast Du vielleicht einfach nur zuviel Zeit?“

Z.: „Nö, mir kommt es eher so vor, dat se mir davon läuft. `Die Zeit vergeht wie im Flug / Sie rast vorbei wie ein Schnellzug…“

S.: „Jut, dann will ich Sie mal nicht länger an einem `Totensonntag´ stören und abermals fleißig in den Vollhorst hören.“

Z.: „Is` das `n Rausschmiss? Soll ich verschwinden?“

S.: „Wenn Sie es denn als solchen empfinden?“

Z.: „Warum siezen Sie mich plötzlich wieder? Ich glaub, ich verpiss mich mal besser…
Aua! Jetzt hab ich mir doch die Hirse gestoßen! Was für ein beschissen niedriger Türrahmen! Wohnen hier Pygmäen!?“

S.: „Ja, mein Nachbar is` gerade wieder am Mähen.“

Schlaffke R. Wolff, 26.03.2008

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