Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.

Vorgeplänkel - Stadionhymne. Schon wieder.

Ich habe die ganze Zeit versucht mich innerlich gegen diesen Songcontest zu wehren, aber es lässt mich einfach nicht los. Trotz all der teils fürchterlichen Vorschläge, die via Social Media auf mich eingeprasselt sind. Erst mein "Stimmenvergabeverbesserungsvorschlag", der tatsächlich angenommen wurde, dann bereits drei Folgen über den ganzen Bumms, obwohl ich gar nicht zwingend ein Freund dieser gesamten Veranstaltung bin. Aber sie reizt am Ende dann doch irgendwie. Ich weiß nicht, welche Neurodivergenzen da neben der Hochsensibilität noch in mir schlummern oder bisher unerkannt geblieben sind, aber diese innere Zerrissenheit begleitet mich nun nicht erst seitdem es diesen Contest gibt. Doch nun scheint es eine Lösung für zumindest dieses Problem zu geben. Den ultimativen Kompromiss zwischen Songcontest, gewählter Hymne und Ablehnung. Und die geht so: "Wir brauchen keine Stadionhymne, oi!"

Ernsthafte Konkurrenz gibt es von einem offenbar recht stabilen Menschen hier: "Das Letzte, was wir brauchen." Und es wird für die nächsten mindestens 24 Stunden nicht nur mein omnipräsenter Ohrwurm sein, sondern auch mein aktueller Nr. 1 Hymnensong. Oder eben Nicht-Hymnensong.

Vorgeplänkel Matchweekend - that's Hannover

Für die Hinfahrt (am Freitag) benötigen wir so lange, wie sonst nach Hamburg. Bei Stau. Puh, ausgesprochen anstrengend. Dafür werden wir, obwohl es nicht minder anstrengend für mich wird, später gut entschädigt: Ich hatte Hannover ja irgendwie als megahässlich, langweilig und unnötig abgespeichert und bin total perplex, wie viele geile Stellen es doch hat. Und das war vermutlich nicht einmal der Dunkelheit geschuldet. Zwei Ecken möchte ich mal kurz hervorheben:

Die Limmerstraße in H-Linden-Nord: Ich habe so eine Büdchen-Dichte vermutlich noch nie gesehen. Da es der letzte warme Tag im Jahr ist tummeln sich hunderte bis tausende junge Leute davor und fast alle haben Bänke draußen stehen. Kneipen hingegen: Fehlanzeige. Das nenne ich mal soziale Teilhabe, wenn es die Möglichkeit gibt für schmales Büdchen-Getränke-Geld in sehr angenehmer Atmosphäre Biergartenähnlich abhängen zu können. Dazu ein paar Fressbuden, fertig ist die alternative Hochburg. Hier der (verhältnissmäßig leere) potentielle Süßkurven-Treffpunkt:

Und auch sonst kommt die Gegend außerordentlich sympatisch rüber. Daher noch ein paar Bilder, wenige Meter abseits der (mir dann leider doch viel zu großen) Menschenmengen:

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Unweit davon ein riesiger Betonklotz: Das Imhe-Zentrum, von dem ich zuvor nie was geöhrt hatte. Das gigantische Wohn- und Gewerbeviertel wurde Ende der 1960er- und Anfang der1970er-Jahre als Utopie einer „Stadt in der Stadt“ am Ufer der Ihme errichtet und am 31. Oktober 1974 eröffnet. Es sieht aus wie ein riesiger Lost Place, absolut beeindruckend. Gefühlt kurz vor dem Zusammenbruch. 

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Es basiert auf einem der größten zusammenhängenden Betonfundamente Europas und umfasst rund 860 Wohnungen für über 2.000 Menschen sowie einen massiven Sockel mit zehntausenden Quadratmetern Gewerbe- und Ladenfläche. Allerdings steht alles leer. So sieht es zumindest aus. In Wirklichkeit sind die ganzen Wohnungen aber noch vorhanden und bewohnt (eine davon 1976 von RAF-Mitgliedern), während das Erdgeschoss, wo einst ein großes Einkaufszentrum drin war, nur noch von Ratten dauerhaft heimgesucht wird. Dort kann mensch jedoch noch ganz normal rumlatschen und es ist absolut beeindruckend, auch wenn viele Bereiche nicht mehr zugänglich sind.

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Einige Ecken dienen noch als Parkfläche für Anwohner*innen - ob offiziell oder nicht: Es fällt auf, dass bei dieser gigantischen Größe nur sehr vereinzelt Fahrzeuge zu sehen sind. Alles irgendwie auch ziemlich spooky. Mich frisst sowas mit meiner Hochsensibilität allerdings auch komplett auf, ich bin da unten mega überreizt und muss trotz der (oder vielleicht auch teils deswegen) Begeisterung möglichst schnell wieder raus. Was mich da so extrem triggert, kann ich nicht mal sagen.

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Ich bin froh, diese eine Nacht Puffer zu haben und als ich am nächsten Tag (=Matchday) zum letzten Mal an diesem Morgen wachwerde, ist es für meine Verhältnisse unfassbar spät, nämlich viddel vor Acht. Krass. Ich bin total durch, meine Kapas bewegen sich im Minusbereich und es ist für mich anfangs unvorstellbar heute überhaupt irgendwas machen zu können. Zum Glück wird es mit der Zeit, wir hängen nach einer kleinen Runde einfach nur auf dem Zimmer ab und ich lade mit langsamem Kabel meinen Akku wieder Stück für Stück auf, bis er ausreichend voll ist, um die 1,5 km zum Stadion auf mich zu nehmen. Ich bin froh, dass das Spiel erst so spät ist.

Soviel zum Unsportlich. Nu abba los:

Matchday

gastinnen

Wir sind gewohnt früh vor Ort, sprich gegen 17:40. Als wir ankommen, dröhnt uns schon diese furchtbare ZSK-Möchtegernhymne entgegen. Doch meine erste Befürchtung, dass die jetzt auch noch vor Ort ihre Dienstleiter*innen-Werbekampage abziehen (bei ihrem ersten Gig im Clubheim soll ja auch die Frage gefallen sein, ob die Anwesenden auch alle Hannover 96-Fans seien), ist immerhin unbegründet. Stattdessen steht vor dem Gäst*innen-Eingangsbereich ein neutraler Kleinbus mit Außenboxen und 2 Cops davor. Diese sammeln Musikwünsche der FCSP-Fans und spielen diese ab. Das soll hier auch bei unserem letzten Spiel vor 3 Jahren der Fall gewesen sein, woran ich allerdings null Erinnerung habe. Irgendwann stehe ich an unserem Merch-Van und neben einem der beiden Cops, der sich gerade ein FCSP-Kissen kauft und sich angeregt mit dem Menschen hinter der Theke unterhält. Das sei ein bundesweit einmaliges Projekt und würde auf sehr viel Zustimmung stoßen. Auf mein Einmischen, ob sie denn auch "Bullenschweine" von Slime spielen würden, wenn ich mir das wünschen würde, erwiderte er: "Selbstverständlich, machen wir gleich!" Kurz danach kommt die Durchsage, ob die Person, die sich das gewünscht habe mal kurz kommen könnte, sie würden den Song nicht finden. Ha, netter Versuch! Als hätte ich die mit Knüppeln wartende Hundertschaft im Van nicht wahrgenommen. Darauf hatte ich dann aber auch nicht wirklich Lust und 10 Minuten später kam - die Bemühung betonend - noch mal die Durchsage, dass der Song offenbar auf dem Index sei, sie sich gar nicht erklären könnten wieso und sie ihn deswegen nicht fänden. Stattdessen laufen noch die Hymen-Einreichungen von Sibbe und Marlo, sowie "Bullenwagen klauen", zunächst in der uncoolen Cover-Version, später noch im geilen Original von Riccoraw. Und ganz viel AC/DC...

Desweiteren fungiert das Cop-Duo als Kartentauschbörse (Steh gegen Sitz), Stand-der-Dinge-Fanmarsch-Durchsagen, Pipi-Organisation ("die Herren können gerne da hinten im Freien, wenn von den Damen jemand muss, kommt gerne vorbei und wir zeigen euch wo" - oder so ähnlich, sprich das - vermutlich - Angebot, dafür schon mal kurz ins Stadion gehen zu dürfen). 

Jetzt stellt sich abschließend die Frage: War das jetzt wirklich 3 Absätze wert? Und wie ist so eine Aktion zu bewerten? Da liegt die Antwort eigentlich klar auf der Hand: Das muss jede*r für sich selber beantworten. Die einen finden das "megacool", die anderen halten es eher mit Loser Youth*. Und andere finden es vermutlich irgendwie irgendwas dazwischen. Entscheiden Sie selbst!

stadion

Endlich drin ist es ziemlich chaotisch. Am Getränkestand kommt 90 Minuten vor Anstoß nichts mehr aus dem Zapfhahn, so dass auch die Versorung mit Alkfreiem zum Stilltstand kommt. Für unseren Tausende von Leuten fassenden Bereich mit es einen WC-Wagen mit 2 Kabinen und 2 oder 3 Pissoirs. Für die Personen, die die offiziellen Frauen-Klos heimsuchen, ist das - wie leider üblich - noch katastrophaler. Es gibt aber wohl noch irgendwo andere Toiletten, allerdings noch weiter unten. Alles nicht geil.

Was ziemlich sicher neu ist (falls ich mich nicht komplett täusche), sind die getrennten Eingänge für die Sitzbereiche im Ober- und Unterrang, so dass mensch jetzt nicht mehr von oben nach unten kommt und andersrum. Vor 3 Jahren konnten wir uns noch frei im Stadion bewegen, jetzt können das nur noch die Gäst*innen-Fans in den unteren Blöcken. Vermutlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass die, die unten sind, ungefährlicher sind. Oder mir erschließt sich einfach einmal mehr eine Fanspezifische Maßnahme nicht. 

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Bis es los geht dauert es mal wieder gefühlt ewig und meine klassische Angespanntheit erlebt den einen oder anderen Trigger. Als es dann endlich losgeht, fällt auch schon das 1:0 (9.). Denkste: Langer VAR-Check, kein Tor, weil minimal Abseits. Stattdessen unsere Führung kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Abdoulie. NA, WER HAT NUN "NUUUUUUL", HÄH?!! Ihr mit Eurem stadionübergreifenden kack Eventscheiß!

Nachspielzeit 1 Minuten, obwohl alleine der VAR-Check schon deutlich länger war. Verstehe wer will. Mir soll's recht sein, hat ja zur Führung gereicht.

Halbzeit, dann Ausgleich, wieder VAR, aber Ritzka ist nicht Smith, also 1:1 und dabei bleibt es dann auch. Leistungsgerecht, sagen "alle". Ich kann das nicht beurteilen, weil ich eigentlich von meinem Platz aus fast gar nix gesehen habe. Ist aber überhaupt nicht schlimm, weil ich ja schließlich nicht derjenige bin, der dazu verdammt ist, das Sportliche in Worte zu fassen. Dafür ist Tim da.

Apropos Tim: Ich weiß nicht, ob Ihr Euch auch die PKs nach den Spielen gebt. Wie unfassbar unsympathisch und arrogant ein Mensch sein kann, beweist einmal mehr Sandro Wagner. Es ist mir ein Rätsel, wie mensch so einen Typen verpflichten kann. Haha, kleiner Scherz am Rande, natürlich weiß ich das: Die Lösung heißt "Jonas Boldt".

Schock in der Nachspieltzeit: Ricky segelt durch die Luft und kommt richtig scheiße auf. Bitte nicht schon wieder die Schulter und bitte auch nichts anderes gravierendes. Der Junge kann einem echt nur noch leid tun. Zwar vermute ich nach dem kurzen Trainer-4.Offizieller-Gespräch und die darauf folgende hektisch Geste von Marcel zu Taichi bereits, dass die spontane Einwechslung alleine schon deswegen erfolgt, damit wir auf Grund der neuen Regel nicht eine (= die vemutlich letzte Nachspiel-) Minute zu zehnt weiter spielen müssen. Aber gut sah das alles rotzdem (da ist es wieder!) nicht aus. Hoffen wir, dass da tasächlich nichts schlimmeres passiert ist (mir erschienen Marcel's Worte in der PK nach dem Spiel nun auch nicht soo 100% safe, auch wenn die Auswechslung alleine schon wegen der "1 Minute-Regel" vorgenommen wurde).

Ja, Abpfiff, 1 Punkt: Besser als nix. Zurück zur Unterkunft mittelmäßig, aber zum Glück ja auch kurz. 

Abschließend zum 27.Mal: ICH BIN NICHT AXEL VON WIZO!! Gute Nacht.

alleserreichtIch bewundere es, wenn Menschen sich leicht erreichbare Ziele setzen und damit glücklich fürs Leben sind. Und das meine ich nicht einmal ironisch. Vielleicht ein bisschen. Aber nicht wirklich.

imh4

mahmmal

natursticker

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