Freitag, 17.04.26, 20:30 Uhr, Bundesliga (M), 30. Spieltag, Millerntor
Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
Vorgeplänkel
Schon wieder so eine Anstoßzeit, wo ich längst runtergefahren bin und halb im Bett liege. Ein Blick auf den Wochenendkalender verrät zudem, dass ich gleich doppeltes Risiko fahre: Am Samstagmorgen möglicherweise zurück mit Kölner*innen, weil die Rückfahrtoptionen nach Schlusspfiff durchgehend beschissen sind. Plus Rauten auf dem Weg nach Bremen. Kotz! Auf dass ich Samstagmorgen früh genug in der Lage bin zurück zu fahren, in der Hoffnung, dass die alle erst später starten.
Ich erspare euch meine akuten Anreisekopfprobleme und die real existierende Umsetzung. Das ist nicht entspassend. Ich sitze jedenfalls im ICE im unruhigen prallvollen Ruheabteil und schaue im ICE Portal den Film "Der Staat gegen Fritz Bauer". Absolut empfehlenswert. Kauft Euch ein beliebiges ICE Ticket und schaut diesen Film! Selbst vergebener Untertitel: "Teutschland verstehen" und das meine ich nicht im relativierenden Sinne.
Matchday
(vorgezogenes Nachgeplänkel: Ich sitze schon wieder im ICE und die Steckdose funktioniert. Dass ich das noch erleben darf. Es ist Samstag 5:55 Uhr und ich will unbedingt um 11:45 Uhr den Livestream unserer Blindenfußballer*innen aus Stuttgart mitbekommen, wo es zum Auftakt gegen den FC Ingolstadt geht. Ich habe diese meine Lieblingssportler*innen unseres Vereins hier ziemlich vernachlässigt und nicht einmal auf die neue Saison hingewiesen. Sorry!! Unterstützt sie, wo Ihr nur könnt! Hier findet Ihr den Saisonspielplan.)

Zurück zum Matchday: Wenn ich so früh da und alleine unterwegs bin, laufe ich einfach die (fast) ganze Zeit durch die Gegend und komme nicht zur Ruhe. Zwischendurch leg ich mich mal kurz aufs Bett, renn aber nach spätestens 30 Minuten wieder raus, so dass am Ende 27.801 Schritte auf dem Zähler stehen. Spart Euch trotzdem Eure Einladungen. Ich weiß das sehr zu schätzen, aber ich lehne sie eh ab. Ruhe unmöglich! Um 14 Uhr sind meine Kapas im Grunde schon aufgebraucht. Um 15 Uhr denke ich "jetzt aber endlich ab zum Stadion", aber das Problem daran ist, dass bei 20:30 Uhr-Spielen der Anstoß nicht um 18:30 Uhr ist. 20:30 Uhr, meine Fresse. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber da gehen die Menschen bei uns ins Bett und nicht zum Fußball.

Heute gibt es im Stadion Vicky Leandros auf dem beliebten Potentiellestadionhmynenplatz und oha: Das funktioniert nach meinem Ermessen bisher tatsächlich am besten. Ich fände das gar nicht mal soo scheiße, aber es passt an der Stelle textlich mal so gar nicht. Das wäre vielleicht ein guter Rausschmeißersong für nach dem Spiel. Die Post-Stadionhymne. Hat glaube ich auch niemand (zumindest nicht als einzige).
Ich hab nen G2-Platz ergattert, yippie! Leider in der Sitz-Sitzecke, aber das Umfeld ist ziemlich ok und mein Nebenplatz sogar Teil der No Show-Quote (oder anders begründet leer). Vor dem Spiel gibt es - wie im gesamten Verlauf - ne Menge Pyro und der Qualm aus der Kölner Ecke nimmt einen merkwürdigen Verlauf: Zieht erst Richtung Dom ab, überlegt es sich dann aber doch anders und macht ne Kurve um aufs Spielfeld niederzuregnen.

Die Kölner Choreo war die äh... unschönste, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Vermutlich eine Mischung aus Geißbock und Teufel (der Typ neben mir meinte, das sei ein ziemlich hässlicher Hase), der zwei schwarze Dinger in der Hand hält und daneben sind noch mehr schwarze Dinger. Was das sein sollte: Keine Ahnung. Karnevalistische Papp-Klatschen? Ich dachte die ganze Zeit, da wird noch was aufgespannt mit, stattdessen passierte aber quasi nichts. Darüber eine Schrift, die mensch - zumindest von hier aus - so gar nicht lesen konnte. Auch so war der Auftritt der Gäst*innen-Kurve deutlich unter dem, was ich erwartet hatte. OK, Pyrozeug war schon recht intensiv, während das ebenso klassische wie ermündende "scheiß Sankt Pauli!"-Gebölke das leiseste war, was ich diese Saison gehört habe.

Apropos: Ich mag ja Pyro, so rein optisch. Ist scheiße für meine Augenkrankheit, aber trotzdem hab ich auch ein großes Herz für dieses Fankulturding. Auch wenn ich da sehr im Zwiespalt bin, wenn das am Ende dazu führt, dass die auf dem Rasen warten müssen. Warum das ungünstig ist, wissen wir. OK, passiert manchmal. Was ich allerdings weniger verstehe sind diese Papierrollen. Ecke für uns, bereit zur Hereingabe, Papierrolle, erstmal wieder alles wegräumen. Das sieht weder besonders cool aus, noch ist es besonders dienlich. Erst Recht nicht, wenn es 0:0 steht, wir das Ding gewinnen wollen und gerade in einer euphorisierenden Druckphase sind. Die da unten und wir hier oben. Aber auch hier gibt es wahrlich schlimmeres.

Nach 10 Spielminuten macht plötzlich jemand das Licht auf der Tribüne an und alle sind komplett irritiert. Das stört unsere Gemütlichkeit, bitte nicht mehr machen. Wobei ich dennoch sagen muss, dass der Support auf der Gegengerade, was das Aufnehmen des einmal mehr hervorragenden Süd-Supports angeht, heute so gut war wie ewig nicht mehr. Oder mein Platz war ausgesprochen gut, was die Akustik angeht.

Halbzeit 0:0, die Euphorie hält sich in Grenzen. Das ändert sich mit dem 1:0 durch Karol. Was für eine Befreiung. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, wie z.B. mein netter Sitznachbar und ich. Und dann dieser beschissene, unglückliche und unnötige Elfmeter, leider auch durch Karol verursacht. Benötigt wer eine visuelle Definition von tragischer Held im Fußballsinne, schneidet einfach diese beiden Szenen samt Schlusspfiff zusammen. Ich fühl so mit Dir! (Mehr dazu beim Millernton.)
Mehr gibt es dieses Mal gar nicht zu berichten. Die Nacht ist kurz und meine Hörgeräte sind tiefenentladen. Reminder für mich: Das nächste Mal nicht an dieser Rasierersteckdose aufladen.
So, feddich, nächster Halt Hamburg Hbf. Selten so schnell fertig geworden. Auf dass da jetzt nicht der ganze Kölner Restpöbel und der erste Pulk Rauten einsteigt*. Gerade so schon im Ruheabteil. Nämlich ruhig. Vermutlich nur eine Frage der Zeit. Gute Nacht!
*Nachtrag: Beides nicht der Fall, wunderschön.
Nachtrag 2: Und während ich in Dortmund aussteige, steigen Massen von BVB Ultras ein. Der Großteil in mein Ruheabteil. Puh.
Mehr und beste Fotos gibt es früher oder später sicher auch wieder bei Gröni.



















