Sonntag, 16.05.26, 15:30 Uhr, Bundesliga (M), 34. Spieltag, Millerntor
Ich hatte den Bericht bereits zu 3/4 fertig (einen Großteil schreibe ich ja häufig schon vor den Spielen) und habe noch während der Heimfahrt alles gelöscht. Es war in jeder Hinsicht für mich ein sehr extremes verlängertes Wochenende mit einem vorläufigen negativen Höhepunkt am Donnerstag, den ich in Sachen Psyche als den schlimmsten des Jahres einordne. All das hat mit dem FCSP nichts zu tun. Wie so oft.
Mit Anpfiff war vieles davon (fast) vergessen. Ich machte mir wie gewohnt meine Notizen für den Bericht, zitterte mit und supportete in einem sehr angenehmen und überraschend aktiven GG-Sitz-Umfeld bis zum letzten Stimmbandfetzen. Ich habe die wundervolle Choreo zu Beginn abgefeiert und war stark bewegt von der würdevollen Choreo für die zahlreichen verstorbenen Fans, denen zu Beginn der zweiten Hälfte gedacht wurde. Diesen Menschen an einem so wichtigen Spieltag zu gedenken ist was ganz besonders. Danke dafür!
Als der Abpfiff ertönt, ließen es meine Emotionen nicht zu, hier noch viel länger zu verharren. Die Kapas schon weit unter Null, die Melancholie drohte auch noch die letzten Ecken mit Hammer und Meißel abzuschöpfen. Als Thees einsetzt, war ich bereits kurz vor dem Mundloch. Raus und weg. Ich ertrag das nicht.
Wir fuhren direkt nach Hause. Diese Saison hat mit mir was gemacht. Nichts davon hat mit dem Sportlichen, nichts mit dem Abstieg zu tun. Von mir gibt es in der Hinsicht auch keinen Vorwurf an irgendwen. An keinen Trainer, an keinen Sportchef, an keine Spieler, an keine Vereinsoffiziellen und erst recht an keine Kurve. Natürlich wäre ich gerne im Oberhaus geblieben. Ich habe dafür auch wirklich alles, was in meiner Macht steht, gegeben. Ich habe geschwiegen und ich habe supportet. Ich bin (fast) überall hingefahren, habe viel Geld, Nerven, Stimmbänder und Kapas - entgegen jeder gesundheitlichen Vernunft - in den Ring geworfen. Ich habe die Faust in die Tasche gepackt und mich dem übergeordneten Ziel Klassenerhalt unterworfen. Wäre es nach mir gegangen, hätte es in dieser Saison andere Prioritäten gegeben. Aber ich habe es runter geschluckt und mir bei all der Enttäuschung diesbezüglich die Hoffnung vor Augen gehalten, dass andere, in entscheidenden Positionen, das auch so sehen: Dass Konsequenzen - aus sportlich nachvollziehbarer Sicht (bei für mich zweifelhafter Priorisierung) - nur auf das Saisonende vertagt werden. Meinetwegen im Stillen.
Und tatsächlich ist dieser Abstieg bei allem Ärger, bei aller Traurigkeit und bei aller Enttäuschung mit der Hoffnung verbunden, dass er zu dieser bloßen Vertagung beiträgt und sie beschleunigt. Der Gang in Liga 2 macht dafür vielleicht das Tor noch ein Stück weiter auf. Doch dann werden - als ich noch im Auto sitze - die ersten Spieler-Statements über den Fanclub-Gruppenkanal geteilt: Pure Ernüchterung.
Das mag hier alles sehr kryptisch daher kommen, aber ich werde auf dieser Plattform kein Fass aufmachen. Nicht einmal woanders. Dafür habe ich auch überhaupt keine Kapas. Ich werde mir jetzt die schon viel länger erforderliche Ruhe gönnen und hoffen, dass doch noch was passiert. Was mir fehlt, ist leider der Glaube daran. Gefühlt ist die Hand der Stabilen kleiner, als ich gedacht habe. Es wurde viel weggeschaut, ignoriert oder vielleicht nicht einmal wahrgenommen, weil es nicht (ausreichend) interessiert. Weil die Sensibilisierung fehlt, weil mensch ja eh auf der guten Seite steht. Ich weiß es nicht. Ich bin auf jeden Fall häufig enttäuscht worden.
Ich blicke ratlos auf die kommende Saison - und auch das ist wieder komplett unabhängig vom Sportlichen. Mit Stand heute befürchte ich, dass in mir einiges an Vereinsbeziehung zusammen bricht. Mein Herz wird bleiben, aber der Schmerz ist nicht zu leugnen. Die Liga ist mir dabei komplett egal.
Wenn ich zurück blicke, habe ich viele Spiele nicht so erleben können, wie ich sie all die Jahre erlebt habe. Egal ob Regional- oder Bundesliga. Wo ich wirklich 90+X Minuten voll und ganz mit Herz und Seele genießen konnte. Selbst bei Niederlagen und schlimmen Leistungen war es immer so, dass ich bei jeder einzelnen Aktion mit jedem einzelnen Spieler mitgefühlt habe. Bei jeder Flanke, bei jedem Zweikampf, bei jedem letzten Pass spielte ich förmlich mit. Ich spürte jedes einzelne Mal Enttäuschung, wenn eine Aktion erfolglos war und unerschütterliche Freude, wenn etwas gelungen ist. Ich spürte uneingeschränkte Verbundenheit mit jedem einzelnen Spieler auf dem Feld. Genau das fehlte mir jedoch in dieser Saison in fast 3/4 der Spiele.
Ich will nichts mehr "aushalten" müssen, was den eigenen Ansprüchen und Werten in dieser Vehemenz widerspricht. Und ich sehe auch nicht ein, dass hier was ausgehalten werden muss. Ich widerspreche dem in aller Entschiedenheit. Ich bin ein kompromissbereiter und meiner Ansicht nach auch reflektierter Mensch. Aber das auch nur solange die rote Linie nicht überschritten wird.
Nur was bedeutet das jetzt für mich? Zunächst einmal: Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass doch noch "something pretty dramatic" (sic!) in der Sommerpause passiert. Ich habe jedoch ernsthafte Befürchtungen, dass dem nicht so ist. Und dann? Die Gedanken schwirren von "einer Stadionpause von (mindestens) einem Jahr" (was auch immer danach kommen wird) bis zu "keinen Platz für die möglicherweise falschen Leute machen". Kapitulieren und Selbstschutz betreiben oder trotz der wenigen Energie durch pure Anwesenheit weiter für einen möglichst stabilen Verein kämpfen? Die eigenen ambivalenten Emotionen Spiel für Spiel weiter ertragen, während das Unverständnis weiter wächst? Und dabei niemals vergessen: Nobody is bigger than the club!
Kommt gut durch die Pause und bleibt - oder werdet - stabil!














