Samstag, 30.05.26, 18:30 Uhr, 3. Spieltag (Tag 1), Blindenfußball-Bundesliga (Mixed), Sportanlage Derner Str., Dortmund

Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.


Hell yeahy! Endlich wieder Blindenfußball! Endlich mal keine Ambiguitätstoleranz, die bemüht werden muss, um den Besuch eines FCSP-Spiels genießen zu können. Was mir zuletzt - abseits des sportlichen und der Ligafrage - eh immer weniger gelungen ist, was regelmäßigen Leser*innen in meinem Saisonfazit vermutlich nicht entgangen ist. Kein Grund abzuschweifen.

Als wir ankommen, liegen bereits 2 von 3 geplanten Spielen hinter uns. Zum Auftakt gewann Wien mit 2:0 gegen Ingolstadt. Das Spiel Hertha vs. Stuttgart fiel der Unverlässlichkeit der Bahn zum Opfer, mit der eigentlich das Team der Hertha anreisen wollte. Das betraf dann leider auch die aus Berlin angereisten Teile der FCSP-Fancrew, die es immerhin noch pünktlich zu unserem Spiel geschafft hat. Für die Berliner Blindenfußballer*innen bedeuteten jedoch Zugausfall und -verspätungen der potentiellen Folgezüge am Ende gar keine Ankunft in Dortmund. Da die Hertha am Sonntag Spielfrei hat, lohnte sich auch eine spätere Anreise nicht mehr. Die Punkte gehen (vermutlich) kampflos nach Stuttgart.

Das war leider nicht das einzige Bahn-Desaster. Teile unseres bereits am Vortag angereisten Stuffs sowie aus dem hohen Norden angereiste Schiedsrichter waren ebenfalls von Einschränkungen betroffen, standen aber immerhin zu ihren Einsatzzeiten an der Derner Straße parat. Genau dort katapultierte sich der BVB unter Leitung von "Millernton-Maik" in Spiel 2 von 3 oder 3 von 4 - Ihr habt die Wahl - erwartungsgemäß durch ein 12:0 über den Punkt- und Torlosen 1.FC Köln an die Tabellenspitze.

Und das hier bekamen wir live vor Ort mit:

Fortuna 95 Düsseldorf vs. SF BG Blista Marburg 0:0

Ich hab's doch gesagt! Und alle haben gelacht. OK, ich auch. Aber!

Die sich bravourös entwickelte Düsseldorfer Fortuna sorgt für die ersten Marburger Punktverluste. Die noch immer Gegentorlose SF BG Blista fand kein Mittel gegen die Rheinländer*innen, die bereits am 1. Spieltag dem MTV Stuttgart überraschend einen Punkt abgetrotzt hatten. Entsprechend groß war der Jubel.

An dieser Stelle ein wichtiger Einwurf: Der Staat "muss" sparen. Naja, er könnte seine Einnahmen auch sozial verträglicher generieren und verteilen, ich erzähl Euch allen nichts neues. Aber natürlich spart er da, wo es eh schon weh tut und zwar unter anderem im Inklusionsbereich. Das betrifft unter anderem die Eingliederungshilfen.

Aber nicht nur der Staat spart, auch die Fortuna. Das war nach dem Abstieg vielleicht zu erwarten, die Frage ist nur immer, wie und wo: Unter anderem wurde deren Inklusionsbeauftragter Stefan Felix entlassen, das Amputierten-Team dort quasi aufgelöst. Die Düsseldorfer Blindenfußballer*innen nahmen das zum Anlass zu einer Protestaktion, um den Verantwortlichen bei der Fortuna zu zeigen, dass sie an der falschen Stelle sparen. Dazu hier noch ein Interview mit Max vom Blindenfußball-Team.

FC Schalke 04 : FC St. Pauli 3:4 (1:3)

Zum Abschluss des Tages erwartete unser Team mit den Gelsenkirchener*innen ein ziemlicher Brocken. Die Königsblauen starteten mit 2 Siegen und 1 Unentschieden in die Saison und stehen derzeit auf Rang 3 an der Tabelle.

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Wir starteten mit Svenja Barteils (Tor), Rasmus Narjes, Paul "Paulinho" Ruge, Philipp "Hippo" Versen und Natan Werner. Thoya Küster war am Ende die einzige weitere Spieler*in, die mehrfach eingewechselt wurde. Auf Grund des knappen Spielverlaufs (Spekulatius!) sah Trainer Wolf Schmidt davon ab, weitere Auswechslungen vorzunehmen.

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Natan spielte die Schalker Abwehr auch direkt schwindelig und scheiterte zwei Mal am glänzend reagierenden Keeper Hüseyin Saygili. Nachdem auch Paulinho den starken Gelsenkirchener Rückhalt nicht überwinden konnte, war es dann doch Natan, der für die umjubelte Führung sorgte.

Wir blieben weiterhin Tonangebend, doch nach einem Schalker Freistoß stand es plötzlich 1:1. Kurz geschüttelt, stellte Paul Ruge die alten Verhältnisse mit seinem Treffer zum 2:1 wieder her.

Die Schlussphase der ersten Halbzeit hatte es noch einmal in sich: Paulinho scheiterte 1 Minute und 12 Sekunden (beim Blindenfußball gibt es eine effektive Spielzeit von 2 x 20 Minuten) vor dem Wechsel erneut am Gelsenkirchener Schlussmann. Kurz danach war es abermals der quirlige Natan, der den Knicker gleich zwei Mal nicht im blau-weißen Gehäuse unterbringen konnte. Auch die Schalker hatten noch eine Chance, verfehlten das Tor aber nur knapp. Schließlich war es dann doch erneut Natan, der uns 11 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff mit dem 3:1 ein wenig durchatmen ließ.

13:4 Torschüsse standen schließlich zum Seitenwechsel auf meinem schlauen Zettel, auf dem oben drüber imaginär das Wort "unverbindlich" steht.

Ich blicke mit selber schmerverzerrtem Gesicht zurück nach Gelsenkirchen, wo Paulinho in der Vorsaison beim Spiel gegen Marburg in hohem Bogen über die Bande flog. Ausgerechnet er war es, der nach dem Seitenwechsel so unglücklich mit seinem Gegenspieler zusammenprallte, dass aus der Ferne der Verdacht besteht, dass nicht mehr alle Zähne ganz fest sitzen. Während er sich des öfteren an die oberen Schneidezähne griff und für ihn erneut Thoya aufs Feld kam, fasste ich mir ganz instinktiv ebenfalls an meine Beißerchen, als hätte ich die Situation gerade am eigenen Leib erfahren.

Anyway: Natan ließ uns erneut jubeln und mit seinem 4:1 schienen die Würfel gefallen. Aber Pustekuchen. Direkt im Anschluss stellten die Königsblauen den alten Abstand wieder her. Emre Aslan drehte jetzt richtig auf und mit der zweiten Schalker Chance nach dem Wechsel hieß es plötzlich nur noch 4:3. Puh!

Nachdem wir kurz vorher noch dachten, wir können hier jetzt mal entspannt chillen, wurde es auf einmal richtig dramatisch. Torhüter Svenja Bartels klärte eine Schalker Chance wohl durch Verlassen des Torraums mit irgendeinem Körperteil, so dass den Gelsenkirchner*innen ein 6 Meter-Strafstoß zugesprochen wurde. Dieser kam zu mittig aufs Tor, so dass Svenja ihn zum Glück abwehren konnte. Als wäre das noch nicht genug des Nervenkitzels bekam Königsblau nach unserem 5. Teamfoul (in Halbzeit 2) auch noch einen 8 Meter-Strafstoß zugesprochen. Dieses Mal versuchte sich Emre Aslan, scheiterte aber ebenfalls an der überragend reagierenden Svenja. Puh zum Zweiten!

Das Spiel verlief weiterhin sehr körperbetont. Ich glaube ich habe beim Blindenfußball noch nie so viel Blut gesehen. Das klingt natürlich dramatischer als es war und ist auch noch ein ganzes Stück von irgendwelchen Splatter-Filmen entfernt. Aber irgendwie schon auffallend (wobei ich ja auch nicht soo oft dabei bin): Pauls Lippe, Natans Finger. Naja, es war immerhin nicht so viel, dass irgendwer den Kunstrasen wischen musste.

Wir sehnten uns dem Abpfiff entegegen und immer wenn Emre am Ball war, hatten wir guten Grund zu zittern. Mit (unverbindlichen) 14:9 Torschüssen für uns (in Halbzeit 2) waren die Schalker*innen deutlich besser im Spiel, als vor dem Wechsel. Die letzte Chance allerdings gehörte 6 Sekunden vor Schluss Thoya: Ihren starken Schuss kratzte Hüseyin noch irgendwie aus dem Winkel.

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Mit zunehmender Spielzeit, Bierfluss und viel Sonne im Laufe des Tages war dann leider doch wieder unsere Ambiguitätstoleranz gefragt, da im und vor dem Bierstand hinter uns der Lautstärkepegel zunemend nach oben geschraubt wurde. Beim Blindenfußball erst recht ein no go. So klassische Männer-nicht-Lustig-Sprüche, die ihren Höhepunkt darin fanden, dass einer dieser Helden sich nach dem Schlusspfiff nicht nehmen ließ, unserem jubelnden Team ein lautstarkes "Absteiger!" entgegen zu gröhlen. Meine Fresse!

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Sei 's drum. Erinnerung: In dieser Liga steigt eh niemand ab und wir wären so oder so meilenweit davon entfernt.

Heute (Sonntag) geht es dann weiter: Um 11:45 treffen wir auf die starke Düsseldorfer Fortuna. Leider hat es mich die Nacht ordentlich erwischt und der Taschentücher-Vorrat ist arg dezimiert. Immerhin ist der Corona-Test negativ, aber die Hoffnung, dass es mir in 2-3 Stündchen soweit ok geht, dass ich vor Ort sein kann, weicht leider minütlich. Mäh! Aber zum Glück gibt es ja einen Livestream.

Die obere Tabellenhälfte nach den Samstagspielen (ohne Gewähr):

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Und so geht es heute weiter:

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Credits:

Blindenfußball Bundesliga
FCSP Blindenfußball