Sonntag, 23.08.26, 18 Uhr, DFB Pokal (M), 1. Runde, Hafenstraße 

Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.

Vorgeplänkel

Es gibt selten Spiele, auf die ich - so wie heute - überhaupt keinen Bock habe. Dann breche ich mir ne Woche vorher auch noch den Zeh, was nun auch nicht gerade förderlich für An- und Abreise ist. Bis auf die verdammte Tatsache, dass ausgerechnet mein Verein hier und heute spielen muss, gibt es nichts, was mich hier hinzieht. Verdammte Prioritätensetzung.

Wir sind nachher auf der Osttribüne untergebracht, die eigentlich im Westen steht, damit die Essener Fan Kurve, die im Osten liegt, Westtribüne heißen kann. So können Traditionen abseits jeder geographischen Vernunft aufrecht erhalten bzw. wieder aufgelebt werden. Denn im alten Georg Melches Stadion standen die primär Supportwilligen einst in der Westkurve. Diese zogen zwar auf Grund baulicher Mängel samt Kurvensperrung bereits 1991 auf die Gegengerade um, bevor es erst 21 Jahre später in das daneben neu erbaute 3/4 fertige "Stadion Essen" ging, aber.

Die heutige "Westtribüne" im Osten wurde ein Jahr später fertig gestellt, so dass der sogenannte harte Kern der RWE-Fans nach 22 Jahren endlich wieder seine Westkurve, bzw. jetzt -Tribüne haben sollte - nur halt im Osten. Schließlich dauerte es weitere 10 Jahre, bis die heutige RWE- und SGS-Spielstätte ihren aktuellen Namen "Stadion an der Hafenstraße" bekam.

Mit diesem geographischen Verwirrspiel haben die Essener*innen mitnichten ein Alleinstellungsmerkmal, siehe z.B. Darmstadt oder Rapid Wien. Ja. 

Nachgeplänkel

Puh, selten fiel es mir so schwer, überhaupt etwas zu schreiben und gestern hatte ich mich schon entschieden, hier nur kurz mitzuteilen, dass ich auf die "Spielberichte" jetzt doch erstmal bis auf weiteres verzichte. Das hat überhaupt nichts mit dem sportlichen Part zu tun. Aber dieser extreme Stress, den ich vor allem vor, teils aber auch während und sogar noch nach Spielen verspüre (was mir hier und heute überdeutlich geworden ist), hat leider dermaßen Dimensionen angenommen, dass das hier als "begleitende Selbstherapie" kaum noch Sinn macht. Hinzu kommt, dass es mir (HSP bedingt) gerade sehr schwer fällt, Themen einzuschätzen und zu beurteilen. Da ist eine sehr große Unsicherheit in mir, die viel Raum einnimmt und die es mir kaum noch ermöglicht, sinnvolle Beiträge zu erstellen. Dann gibt es Themen, die ich hier gar nicht einbringen will, die aber "eigentlich" hier rein gehören, aber auch da greift die Unsicherheit. Darunter leidet am Ende auch die Motivation. Wir hatten hier ja nie den Anspruch auf Vollständigkeit bzgl. Fanthemen etc., aber am Ende ist der Anspruch an mich selber in Relation zu dem, was hier am Ende der Seite steht, gerade dennoch zu groß. Warum ich jetzt trotzdem nochmal versuche die Kurve zu kriegen, ist nicht erklärbar.

Also dann: Matchday

Bei der Parkplatzsuche hatten wir großes Glück. Die Anzahl der Eingänge zum Gäst*innenblock und unser frühzeitiger Aufenthalt dort haben mir zumindest einen ordentlichen Teil meines Unwohlseins genommen. Die Kontrollen waren überschaubar, leider rannten wir jedoch direkt in den falschen Block, nämlich in unseren Stehbereich. Ungünstig, weil die Tickets erst unmittelbar vor dem Blockeingang gescant wurden. Zwar versicherte uns der Schichtleiter, als wir wieder raus und rüber wollten, dass das keine Probleme bereiten wird, weil unsere Tickets unmöglich entwertet sein könnten, aber die Realität sah dann anders aus: "Ticket ungültig!" Ein Glück, dass besagter Schichtleiter just in den Moment an unserem Eingang auftauchte und die Ticket scannenden Personen anwies, uns durchzulassen.

Drinnen zunächst unterträgliche und extrem laute Ballermusik. Nur Vicky Leandros trug zur zwischenzeitlichen akustischen Entspannung bei. Dazu viele RWE-Songs und mir viel zu viel Pathos. Das ging teils schon in Richtung dieser lokalpatriotischen Schalker Eventisierung, zumal ein paar Takte Steigerlied ebenfalls nicht bei der Beschallung fehlen durften. Dazu eine Art 3.Liga-Norbert Dickel, der großen Wert darauf legte, auch so richtig "Ruhrpott" rüberzokommen. Und auch dieses fürchterliche "Nuuuul" nach selbst erzielten Toren hat in Essen inzwischen Einzug gehalten. Sind wir da eigentlich inzwischen der einzige 1.-3. Liga-Verein, der darauf verzichtet?

Natürlich gibt es diese Art von "Vorprogramm" mit Animationstendenz auch in vielen, vielen anderen Stadien. Für mich ist das alles nichts und hat mit Fuß, Ball und Fußball nur noch wenig zu tun.

Absolut unnötiges "Highlight" war jedoch die Provokation des Innenraumstadionsprechers, der (auf diesen Abendblatt-Bericht bezogen) irgendwas von "Ihr bringt Eure Anwälte mit, bei uns stehen die Anwälte neben den Arbeitslosen, Malochern und Pflegekräften im Block" schrie. Hey, richtig geile Idee, die eh schon sehr angespannte Lage noch so richtig zusätzlich anzuheizen. 

Alles was sonst so zu Beginn zwischen den Blöcken ablief, wäre dennoch kaum anders gewesen. "Nazi-Schweine!" und "Nie wieder Deutschland!" als Antwort auf das, was die Heimseite halt so parat hatte. Die Bühne wird es hier nicht geben.

Was verwunderte: Es gibt einen Pufferblock zwischen unserem Sitzplatzbereich und dem angrenzenden Sitz-Heimbereich (der sich zum Ende hin ebenso große, wie vergebene Mühe gab, uns zu provozieren). Das ist natürlich noch nicht verwunderlich, aber dafür der ca. 3 x so breite Pufferblock zwischen unserem Sitzbereich und unserem (!) Stehbereich. Was auch immer das soll, das sind am Ende verschenkte Plätze.

Das Spiel war ernüchternd und selten tat mir ein Spieler mehr leid, als der sympathische Martijn an diesem Abend, der die Niederlage direkt komplett auf seine Kappe nahm (obwohl da viele andere Kappen noch dazu gehören). Dass diese paar Zentimeter Missverständnis zwischen seinem Laufweg und Arkadiusz' Zuspiel der Anfang vom Ende sein sollten, war da noch nicht zu erahnen. 

So sehr diese Niederlage auch schmerzt, kommt sie für mich überhaupt nicht überraschend. Nicht einmal deswegen, weil sich das neue Team noch nicht eingeruckelt hat. Sondern viel mehr, weil RWE bei seinen DFB-Pokal-Heimspielen schon immer extrem unangenehm zu bespielen war. Da wackelten schon ganz andere Vereine (z.B. letzte Saison der BVB beim 0:1 (78.)) oder scheiterten tatsächlich (z.B. 2021 Leverkusen beim 2:1 n.V.). Für mich waren wir hier nicht einmal Favorit, sondern hatten bestenfalls eine 50:50-Voraussetzung. Und wenn ich das Spiel nochmal Revue passieren lasse, fühle ich mich bestätigt. Wer mehr sportliche Bewertung benötigt, möge beim Millernton fündig werden.

Schlusspfiff und Ende. Gut weggenommen und trotzdem alles Scheiße.

Quintessenz:

Gegner kommen und Gegner gehen,
doch nur eines bleibt bestehen.
(...)
Egal was kommt und was geht,
St. Pauli bleibt bestehen!
(LAK)