Sonntag, 30.08.26, 13:30 Uhr, 2. Bundesliga (M), 3. Spieltag, Millerntor
Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
"Das Herz von Sankt Pauli muss sterben, damit wir leben können"
Nach langer Zeit haben wir mal wieder was anderes gewagt, als einen Spieltagsbericht. Gründe genug gab es dafür und wer Bock drauf hat wird hier fündig.
Vorgeplänkel
Das Leben ist mal wieder sehr herausfordend, so dass unsere Fahrt gen Norden auch mal wieder ein Stück Ablenkungstherapie ist. In dem Kontext fast schon nebensächlich, dass mein Zehenbruch vor Ort einen überraschenden Rückschlag erleidet und ich mir in einem Fachgeschäft am Samstag noch neue Schuhe kaufen muss, um überhaupt ins Stadion zu können.
Unfassbarer Effekt, ein wahrer Gamechanger, so dass wir sogar noch in die sehr zu empfehlende Blindenfußball-Sonderausstellung des eh sehr zu empfehlenden FCSP-Museums gehen konnten. Für Museums-Mitglieder ist der Eintritt übrigens grundsätzlich frei und die Mitgliedschaft nicht nur deswegen ebenfalls sehr empfehlenswert.

Das Drumherum I.
Der mediale Alarm hinsichlich der Pokalausschreitungen zwischen Mannheim und Kaiserslautern war ebenso vorauszusehen, wie - in Hinblick auf das heutige Spiel - erwartungsgemäß unbegründet. Wir haben da andere Themen und die gehen so:

In der Halbzeit gab es eine Tapetenbahn auf der Süd, die sich mit den Geschehnissen rund um die Unterstützung des "Kein Bock auf Nazis"-Festivals in Kusel durch den 1.FC Kaiserslautern beschäftigte. Bzw. mit dem, was danach kam. Im Juli veröffentlichte der 1.FCK ein Foto der Mannschaft mit den Festival-Veranstalter*innen, auf dem neben einem Antifa-T-Shirt auch eins mit dem Zahlencode 161 zu sehen war. Klar, dass da die Rechtsaußen aus ihren Löchern kommen um mit einem Shitstorm zu reagieren. Zwar betonte der Verein in Folge dessen, dass "jede Form von Rassismus, Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Gewalt beim FCK keinen Platz" habe, leistete sich aber auch den unnötigen und nachgebenden Hinweis: "(...) dass der 1. FC Kaiserslautern parteipolitisch neutral ist und sich nicht von politischen Gruppierungen oder extremistischen Strömungen vereinnahmen lässt - weder von rechts noch von links." 1,2

Das Drumherum II.
Leider, leider, leider ist das Thema "Das Herz von St. Pauli" mit unserem oben verlinkten Kommentar längst nicht erledigt. Aus meiner Sicht hat der Verein ein unnötiges Fass, welches fast schon wieder geschlossen war, mit dem Punkt in der Stadionumfrage aufgemacht. Eigentlich hätte es gereicht stattdessen einfach nur die 1.FCK-Hymne laufen zu lassen, die einmal mehr eindrucksvoll beweist, dass es schlimmeres gibt, als keine Stadionhymne zu haben. Es sei denn, mensch steht auf Haus-Maus-Reime mit Karnevalsassoziation.
Doch dafür ist es zu spät, der Vereins-Elefant bahnt sich den Weg zum meistens doch großartig besetzten DJ-Pult (danke für "Fucking Angry" und vieles mehr). Das Ergebnis ist, dass jetzt zunächst einmal "Diamonds" irgendwo im Vorprogramm und Thees' "Das hier ist Fußball" als Interims-Hyme regelmäßig gespielt werden sollen. Insbesondere letztgenanntes polarisiert stark: Während die einen das abfeiern, betonen die anderen die Gefahr, noch vor dem Spiel einzunicken. Mehrheitsverhältnisse unmöglich auszumachen. Naja und dann gibt es halt noch die Fraktion, die alles, was nicht "Das Herz" ist, sowie scheiße findet. Für die Gruppe gab es ebenfalls eine passende Tapete (Gegengerade):

Als ich "Das hier ist Fußball" über mich ergehen lasse, wird mir nochmal klar, wie scheißegal mir das alles ist. Abgesehen davon, dass das Herz Geschichte ist (das ist mir alles andere als egal). Aber ob an der Stelle jetzt Thees gespielt wird oder nicht, dafür habe ich nur ein müdes Arschrunzeln übrig. Der Song ist absolut nicht meiner, aber wenn er einen Großteil abholt (tut er das?), meinetwegen. Und im Vergleich zu vielen, vielen anderen Stadionhymnen ist der Song sowieso erträglich. Mitsingen schaff ich in dem Tempo trotzdem nicht.
Nun soll ein Contest her und damit die Abkehr von der Geschichte bisheriger Hymnen und ursprünglicher Gedankenspiele. Das Zwischenergebnis des aufgemachten Fasses sozusagen. Und je ermüdender ich das Thema finde, schießen mir dazu trotzdem Gedanken durch den Kopf:
Bitte macht daraus kein "eine Stimme"-Ding, denn dann passiert genau das wieder: Ein Song mit nicht einmal 20% gewinnt, ungeachtet dessen, wie der Rest dazu steht. Denn neben der Zustimmung ist auch wichtig, wie viele "damit leben können" und ihn - ungeachtet der DHvSP-Fraktion - nicht komplett ablehnen. Niemandem ist damit geholfen, wenn am Ende ein Song auserkoren wird, weil er mit 17% die Abstimmung gewinnt, ihn aber 75% richtig scheiße finden.
Eine Idee wäre: Jedes Mitglied (diese allgemeinen Online-Umfragen öffnen ja Tür und Tor für Manipulationen), das nachweislich letzte Saison bei 5 mindestens Heimspielen im Stadion war (Einzelkarten, DK, Saisonpaket) darf maximal 15 Punkte vergeben, aber höchstens 5 Punkte für einen Song. Zum Beispiel: 5, 4, 3, 2, 1 oder 5, 5, 3, 2 oder 15 x 1 oder auch einfach nur 1 x 3 Punkte und sonst nix. So kann mensch zum Ausdruck bringen, welche Songs voll klar gehen, kann sogar innerhalb derer gewichten und durch das "max. 5 Punkte pro Song" wird auch ausgeschlossen, dass dieses Versteifen auf ein Lied nicht so großen Einfluss hat. Final gibt es dann noch eine Abstimmung zwischen den beiden Songs mit den meisten Punkten.
Und wenn dann immer noch keine Ruhe einkehren will, einfach Oidorno nehmen.
Gern geschehen.
Das Wesentliche
Kommen wir zum Wesentlichen, was hier im Regelfall ja eher aus einem Halbsatz plus dem Verweis zum Millernton besteht. Erste Überraschung: Fujita spielt nicht, dafür Smith von Anfang an. Und es schien mir zumindest so, dass Eric durchaus nochmal die Kurve bekommt, während ich bei Fujita zuletzt ein wenig die Befürchtung hatte, dass sein gelegentliches Lamentieren noch für Unruhe sorgen könnte. Vielleicht genau die richtige Maßnahme für dieses Spiel. So sehr ich Fujita spielerisch schätze.
Wir kommen gut rein, machen Druck, müssen eigentlich mal wieder in Führung gehen, bevor dann doch der Gastverein trifft. Ich kürze trotzdem in so weit ab, dass ich der Meinung bin, dass die Leistung insgesamt wirklich gut war. Dass wir durch individuelle Fehler bestraft wurden und dass all die digitalen Untergangsreaktionen und komplett an der Gesamtleistung vorbeigehenden Reaktionen völlig unangebracht sind. Ja, der Fehlstart ist zum kotzen. Ja, wir stehen jetzt schon gefühlt mit dem Rücken zur Wand. Ja, Wutpaulis haben Hochkonjunktur. Trotzdem zeigt die Reaktion im Stadion nach dem Spiel, dass ich offensichtlich nicht so ganz alleine mit der Meinung bin. Während es in Essen noch eine "Ansage" an das Team gab, gibt es dieses Mal von der Süd anerkennenden Applaus. Natürlich war längst nicht alles Gold, aber das Herz war zu erkennen und über weite Phasen des Spiels waren wir klar tonangebend. Dass sich die Gefahr, sich unten festzusetzen nach diesem und vor den nächsten Spielen drastisch verschärft hat, dürfte aber auch klar sein.
Erwähnen möchte ich noch den aus meiner Sicht wirklich guten Schiri. Nur anfangs war ich arg irritiert, als sich insbesondere der Lauterer Keeper bei Bodenabstößen in unserer ersten Druckphase schon sehr viel Zeit gelassen hat und die Schiri-Reaktion ausblieb. Zur gleichen Zeit wurde bei uns direkt beim ersten Bodenabstoß, beim (grob) ersten Einwurf und beim ersten gesicherten Ball von Ben sehr schnell die Hand zum 5-Sekunden-Countdown hochgehalten. Fand ich etwas komisch, zumal wir ja überhaupt keinen Anlass hatten, auf Zeit zu spielen. Vielleicht habe ich es aber auch falsch wahrgenommen.
Umso besser hat mir aber gefallen, dass der Unparteiische das dann nach unserem Rückstand auch sehr konsequent auf Seiten der Lauterer durchgezogen hat. Zwar ohne Konsequenzen (da sich die Spieler immer im angezeigten Rahmen befanden), aber es ist eine Wohltat sich über Zeitspiel an der Stelle nicht mehr so aufregen zu müssen. Bezeichnend die Situation, als ein ausgewechselter Lauterer - der die 10 Sekunden-Auswechselregel offenbar nicht auf dem Schirm hatte - sich zunächst in höchst provokanter Weise vom Spielfeld schleichen wollte, dann aber auf Grund der Reaktion von der eigenen Bank plötzlich die Beine in die Hand nahm. Schade nur, dass die Countdow-Regel nicht auch für Eckstöße gilt.
That's it. Weltbeste Fotos samt Zeilen gibt es wie gewohnt bei Gröni. Kommt gut in die Woche und freut Euch auf den Herbst:

Gute Nacht!
Quellen:














