Samstag, 10.01.26, 15:30 Uhr, Bundesliga (M), 16. Spieltag, Millerntor
Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
Di. 06.01.26
Jahresauftakt-Selbsttherapie-Intro:
Neurodivergenz & Phobien mit dem FCSP in 2026
(statt separater Bericht, den eh kaum wer liest ;) )
Neurodivergenz beschreibt neurologische Unterschiede in der Gehirnfunktion (wie Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Denken), die von der gesellschaftlichen Norm ("neurotypisch") abweichen, wie z.B. bei ADHS, Autismus, Hochsensibilität oder Legasthenie.
Inzwischen weiß ich, dass sowas wie das Folgende vor allem von Menschen geschätzt wird, die selber in irgendeiner Art und Weise betroffen sind. Und genau dafür ist es ja zu großen Teilen gedacht. Danke für Euer Feedback! Nichtbetroffene sind dennoch gerne eingeladen. Los geht's:
Tja, ja, frohes Neues. Ich würde mir was vormachen, wenn ich behaupten würde, dass so ein neues Jahr so gar keine Bedeutung für mich hätte. Pläne, Gedanken, Sorgen, Vorhaben und am Ende auch nochmal etwas ausführlichere Reflexion, als sowieso schon allgegenwärtig. Was davon am Ende mehr als eine Woche anhält: We will see.
Fest steht jedenfalls, dass ich dieses Jahr kürzer treten werde, kürzer treten werden muss. OK, "fest steht"... siehe oben. Eine Woche und so. Aber doch, alleine schon rein gesundheitlich macht das Sinn. Augsburg und Wolfsburg sind tatsächlich bereits auf meiner Streichliste. Bei Wolfsburg hat mir am Ende die Lohnabhängigkeit die Entscheidung abgenommen, ob ich diese Einlasssituation noch einmal über mich ergehen lasse. Letzte Saison stand ich minutenlang in diesem viel zu kleinen Gitterkäfig, schon halb im engen und hohen Drehkreuz, während die Panik in mir anstieg und es nicht weiterging. Kein vor, kein zurück. Hinter mir Menschen, Enge, zu viele (für mich nicht filterbare) Stimmen und ringsherum diese sehr nahen Gitter. Ich kann mich tatsächlich häufig gar nicht mehr groß an einzelne Auswärtsfahrten erinnern (bzw. diese zuordnen: wo war was?). Aber sowas bleibt hängen, wenn mensch so seine neurodivergenten Baustellen und Phobien hat. Jetzt kann ich ausgerechnet an diesem einen Tag im Monat meine Arbeitszeit nicht so schieben, dass es passt, so dass ich nicht weiter darüber nachdenken muss, ob ich trotzdem fahre. Vermutlich hätte ich es getan.

Augsburg wäre so eine Fahrt, wo wir eh zwei Nächte dort geblieben wären, weil anders mit dieser schnellen Überreizung bei mir gar nicht möglich. Und schöner ist so ne Fahrt mit Übernachtungen für mich ebenfalls. Aber auch die wird gecancelt, weil ich schlichtweg mal ruhigere Wochenenden einschieben muss, damit ich überhaupt mal vorwärts komme. So schwer das alles auch fällt.
Aber jetzt ist erstmal Leizpig home, Meisterschaftsauftakt 2026. Ich hatte mir zwar auch vorgenommen, nicht mehr diese je sechsstündigen (plus x) An- und Rückreisen (6h Haustür bis Ankunft HH und 6h zurück) an einem Tag auf mich zu nehmen, weil auch hier regelmäßig meine Kapazitäten gesprengt werden. Aber.
In diesem Kontext: Im Laufe der Zeit trudeln auch immer mal vereinzelte Fragen von Menschen ein, die auch aus der Ecke hier hoch- und wieder runterfahren, ob mensch das nicht mal zusammen machen wolle. Das Problem an der Sache: Ich brauche an den allerallermeisten Tagen auf der Hin- und Rückfahrt so viel Ruhe wie eben möglich und das so lange wie eben möglich. Kapazitäten (aka den Akku) so lange es eben geht zur Verfügung haben, sie nicht frühzeitig aufbrauchen. Sonst wird alles bereits viel zu früh am Tag nur viel schlimmer. Warum so eine gemeinsame Anreise Kapazitäten kostet? Kann ich nicht wirklich beantworten, es ist einfach so. Vielleicht könnte ich es sogar irgendwann beantworten, wenn ich da mal Zeit für investieren und mich explizit mit dieser Frage beschäftigen würde. Aber das wäre für Euch vermutlich noch weniger zu verstehen, wenn ich es selber schon nicht wirklich kann. Dafür reichen meine grundsätzlichen Kapas auch nicht, um mich damit ausreichend auseinander zu setzen. Menschen wie ich können darüber nicht mal kurz nachdenken und das beanworten. Das wäre schwere Arbeit, kostet Zeit und grundsätzliche Kapazitäten, die ich erstmal an anderen Stellen benötige. Step by step. Also Anreise entweder mit extrem vertrauten Person, die mich wirklich richtig gut kennen, die wissen, wie sie mit mir umgehen müssen, damit ich nicht schon vor der Ankunft komplett durch bin. Und selbst das kostet schon Kapas und saugt an mir, weil ich ja gar nicht will, dass andere sich wegen (der Rücksichtnahme) mir (gegenüber) einschränken. Insbesondere wenn sie auch ihre eigenen Baustellen haben, die unterwegs relevant sein können oder sind (sich dann aber teilweise auch in den Momenten mit meinen eigenen decken). So bleibt unterm Strich im Regelfall nur die extrem vertraute zweisame Anreise (seltene regionale Ausnahmen mit kurzem Anreiseweg bestätigen die Regel mit entsprechenden Kopf- und Kapas-Kompromissen).
Oder eben (wenn die ganz vertraute zweisame Anreise mal nicht möglich ist) ganz alleine anreisen, sowieso im Ruheabteil (in der Hoffnung, dass es nicht nur so heißt, sondern auch so ist) und mit ersten persönlichen Kontakten am besten nicht vor Ankunft am Stadion. Puh, mach das mal einer nicht so nahe stehenden Person klar, die nach gemeinsamer Anreise nach Hamburg fragt. "Geht leider nicht, ich muss alleine fahren, weil..." Schwierig! Warum schwierig? Grundsätzlich erstmal, weil es einfach nicht leicht ist menschen, deren Gehirne anders funktionieren, wirklich ausreichend zu verstehen (die mich, aber auch ich die). Die Befürchtung, meine Gegenüber würden sich persönlich abgewiesen fühlen, vergrößert nur meine Trigger im Kopf und die halten sehr, sehr lange an.
Btw, auch schwierig: Der Umgang mit gut gemeinten Tipps von Menschen, deren Gehirne anders als meins funktionieren und die nicht ausgewiesene Fachmenschen für psychische Probleme oder im besten Fall selber hochsensibel mit sehr ähnlicher Ausprägung wie bei mir sind. Ich weiß, Ihr meint es gut. Und ich weiß das sogar (in manchen Fällen) zu schätzen.
Und dazischen auf den Reisen auch immer wieder diese wunderschönen Momente: Sich (hin und wieder) darauf einlassen, mit Freund*innen in Kneipen treffen, die Zeit versuchen zu genießen, bis die Reizüberflutung Überhand nimmt. Wenn ich dann mit Menschen unterwegs bin, wo es reicht kurz zu sagen: "Sorry, geht nicht mehr, ich muss hier raus und weg" und das Hirn nicht wieder ein "fühlt sich abgewiesen" und/oder ähnliches daraus macht: Dann ist "alles" gut. Fast gut. Beinahe gut. Oder geht ein kleines Stückchen in Richtung gut. Zumindest besser. Übrigens: Die Tränen ganz am Ende eines Tages, in trauter Ein- oder Zweisamkeit, dürfen dann auch gerne mal kullern (und wer das kann auch öffentlich). Einfach mal zulassen, ist gar nicht so verkehrt.
Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind dann doch irgendwann zu sehen, wenn das Gehirn signalisiert, dass die Zeit dafür gut ist, sich zur Begrüßung umarmen und sich verstanden zu fühlen: Unbezahlbar.
Ich hoffe, das ändert sich irgendwann mal. Das wird es wegen dieser Neurodivergenz ganz sicher niemals komplett, aber der Weg (der das Ziel ist) muss sein, Strategien zu entwickeln, dass auch mal "mehr geht". Diese Ruhe auf den An-/Abreisen (die dennoch immer wieder Trigger mit sich bringen, wenn es um Wartezeiten, Anschlüsse und volle Züge geht) sind bereits Strategien, um so einen Spieltag so gut wie möglich durchzustehen und dabei eben auch noch das Positive mitnehmen zu können. Ich mache so eine Fahrt ja nicht, weil ich gerne leide. Ich habe halt total Bock auf FCSP-Spiele im Stadion, ich will live mitzittern und dabei in gewisser Weise auch ein Stück abschalten, bzw. meine Gedanken auf die Spannung, das Spiel, die Hoffnung, die Freude und all die anderen (selbst negative) Gefühle, die das Spiel mit sich bringen, konzentrieren. Selbst wenn so ein Spiel mal so richtig Scheiße ist, ist häufig vieles andere dann weit weg und (fast) raus aus meinem Kopf. Das funktioniert am Ende nicht immer (und auch selten vor dem Anpfiff), aber es ist nun mal auch keine Lösung sich nur noch zu Hause einzuschließen.
Bämm, Selbsttherapie für heute erledigt. Hey und Ihr glaubt gar nicht, wie sehr mir sowas hier ein Stück hilft. Das ist nicht bloßes "das ist Selbstherapie"-Gelaber, weil ich eine Ausrede für mein übertriebenes Mitteilungsbedürfnis (danke an Riot Bike für diese Umschreibung vor vielen, vielen Jahr) benötige. Alleine schon zu wissen, dass ich damit über Umwege auch mir vertraute Personen erreiche, die ganz viel Verständnis für mich aufbringen, bei denen mir das aber trotzdem schwerfällt das alles Face to Face rüberzubringen oder die Zeiten einfach nicht da sind: Ganz viel Wert. Und somit eben auch, um an dieser Stelle mal DANKE zu sagen! Für Euer Verständnis, für Euer Aushalten. Dafür ein Herzchen-Smily, wenn ich denn wüsste, wie das hier funktiert.
Sa.10.01.26
Matchday
Ja, auch Leipzig habe ich letztendlich gecancelt. Die letzten Erfahrungen mit der DB, die jetzt schon für das Wochenende "für nichts garantiert", da male ich mir natürlich schon jetzt Horroszenarien aus. Schade, ich hatte am Ende gleich mehrere supertolle G2-Plätze zur Verfügung, die ich alle abgestoßen oder dankend abgelehnt habe. Ich beiß mir wohin, wenn das Spiel tatsächlich noch verlegt wird und ich keinen Zugriff mehr darauf habe. Wie auch immer. Sollte es doch stattfinden: Ich habe inzwischen so oft geschrieben, gesagt oder anderweitig erwähnt (da ist jetzt Eure Phantasie gefragt, was das noch sein könnte), dass wir 2:1 gewinnen. Bitte schön.
Gute Nacht!
(PS: Millernton dauert noch 2-3 Tage, sorry.)












