Dienstag, 04.02.26, 20:45 Uhr, DFB-Pokal (M), Viertelfinale, BayArena

Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.

Vorgeplänkel

Zu einem der unsymathischsten Vereine der Liga an einem späten Dienstag-Abend (20:45! Da bin ich sonst längst im Bett) bei usseligem Wetter, 3 Grad, Schneeregen, kaum Hoffnung auf ein Weiterkommen, wie scheißiger geht es eigentlich noch? Die aktuellen Voraussetzungen bei der Lohnabhängigkeit laden nun auch nicht gerade dazu ein, sich den ganzen Zusatzstress noch anzutun. Aber.

Denjenigen, die aus Hamburg und Umgebung anreisen, dürfte bei einem Temperaturunterschied von rund 10 Grad die Reise eher wie der Sprung in eine mediterrane Zeitzone vorkommen. Für eine sockenlose Mottofahrt in Flip Flops hat die Euphorie allerdings nicht gereicht.

Wobei: Warten wir mal ab, wieviele überhaupt kommen. Es hagelte mal wieder krankheitsbedingte Absagen und am Ende gab es deutlich mehr Kaufangebote, als -gesuche. Hatte es Hannes auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bereits geahnt, als er von "300 St. Pauli-Fans (im ausverkauften Gästeblock), die uns begleiten werden" sprach? 

Der Rest

Bezeichnend, wenn das Vorgeplänkel gefühlt mehr Platz einnimmt, als der Rest. Nicht, dass das hier nicht regelmäßig so wäre. Aber.

In Leverkusen ist es so, wie es in Leverkusen halt so ist. Hohe Polizeipräsenz schon am Eingangsbereich, die sich gerne auch mal so positionieren, dass sie irgendwie im Weg sind. Mal mit Mopeds, mal ohne. Während über uns im Eingangsbereich bereits 30 Minuten vor Einlass eine Drohne kreist. Argh.

welcome

Der Einlass ist dann zum Glück verhältnismäßig ok, aber wir sind da nach wie vor auch nicht repräsentativ, da wir wegen dem Neurodivergenz- und Phobien-Scheiß wie gewohnt mit als erste drin sind. Der Eingangsbereich allerdings auch hier wie der Weg zur Hölle light: Erst ein kleines Drehkreuz, dann ein Gittergang und dann nochmal ein hohes, sehr schmales Drehkreuz, wo selbst ich mich durchquetschen muss. Ohne Sinn und Verstand der ganze Rotz.

eingang

Filzen ist ok. Am Verköstigungsbereich gibt es kein Alkfreies Bier, aber Energydrinks und Softdrinks bis zu Abwinken. Danke für Nichts! Für Veganer*innen gibt es Falafel mit Bulgursalat, verzichten wir aber drauf. Dann ab nach oben in den kleinen Sitzbereich, der am Ende - wie der Steher - gut gefüllt ist. Zwar sind Lücken zu erkennen, aber längst nicht so, wie nach der Krankheitswelle befürchtet.

Die Zeit vergeht mal so gar nicht. Dieses 20:45 Uhr macht mich kirre, da ich ständig die Zeit bis 20:30 Uhr aurechne. Dabei ist direkt neben der Uhr auf der Anzeigetafel ein Countdown zu sehen. Aber wer blickt da schon gerne hin, bei all dem unnötigen Mist, der - wie in so vielen Stadien - da vorher so drüber läuft.

bannmer

Dazu kommt, dass das hier für mein Gehirn totales Chaos ist. Die teils kaum zu ertragenden Mucke ist laut und (in diesem Fall) leider viel zu gut zu verstehen. Das Stimmengewirre, neue Hörgeräte und ich kann gefühlt noch weniger filtern als sonst. Ich kann kein einziges Gespräch führen, neben mir unterhalten sich die Leute und ich verstehe kein Wort, weil alles gleich laut bzw. das Ringsrum noch viel lauter ist und für mich nicht filterbar und bla, Ihr wisst als regelmäßige Leser*innen ja eh Bescheid. Ich bin schon vor dem Anstoß mal wieder durch. Der Vorfreudefaktor ist auf null gefallen, ich stehe da und schweige, weil mir gar nichts anderes übrig bleibt. Für Ablenkung sorgen dankenswerterweise unsere Ultras die neben uns ne mal wieder beeindruckende Choreo aufbauen (nicht auf den Fotos, da von hier oben natürlich am Ende nicht zu erkennen). Zwischendurch zähle ich einfach immer mal wieder die Überwachungskameras durch und checke, ob ich bei der Zählung 2 Minuten zuvor, eine übersehen habe. Ja, und dann endlich Anpfiff. Endlich?

kameras

Es läuft wie so oft zuletzt. Gutes Spiel, echte Chancen, aber Ricky sind die einfach wieder zu leicht reinzumachen. Stattdessen treffen die Unsympathen, als wir uns angesichts des Spielgeschehens mal wieder in Hoffung verloren hatten.

Die habe ich tatsächlich auch noch in der 2. Halbzeit, dank meiner Megatippstrategie: 2:1-Sieg für uns nach 0:1 Rückstand. Das hat den Vorteil, dass ich nach einem Gegentreffer direkt denken könnte: "Cool, läuft alles nach Plan." Die Betonung liegt selbstverständlich auf "könnte", denn die Realität heißt natürlich: "Boahr, nee, näh?!"

fahnen

Und so plätschert es in mir nach dem 2:0 irgendwie dahin, dann das (vor allem in der Höhe komplett unverdiente; 0.98-0.95 xG, 8:10 Torschüsse, 4:5 Ecken, lt. footystats) 3:0 und der Support ist nach einem Notfalleinsatz (ich glaube) in der Leverkusener Kurve längst eingestellt. Erst mit Schlusspfiff wird wieder eine Fahne dort drüben hochgezogen und wir verabschieden unser Team noch einmal mit einem aufmunternden "St. Pauli, St. Pauli!". Und täglich grüßt das Murmeltier, aber was bleibt uns allen denn auch anderes übrig?

Stimmung war bei uns im Oberrang (zumindest in unserer Ecke) tatsächlich sehr gut, wir hatten da supportwillige Leute um uns. Das macht schon deutlich mehr Bock, als wenn mensch sich alleine die Seele durch die Stimmbänder presst. Dann ab zum Auto, sind flott auf der Autobahn, kurzer Stau, aber am Ende eine durchaus erträgliche Rückfahrt und noch einen Tick eher zu Hause, als bei einem 2:1-Sieg (90+3 Ricky) errechnet. Vermutlich, weil die Feierorgie ausgefallen ist.

In 11 Tagen geht's dann schon wieder zu diesem fürchterlichen Ort, im wichtigeren der beiden Spiele hoffentlich erfolgreicher sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt (pling!). Danke an alle, die da waren. Gute Nacht!

Nachtschicht gab es auch beim Millernton.

stadion