Freitag, 13.03.26, 20:30 Uhr, Bundesliga (M), 26. Spieltag, Borussia-Park
Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
Vorgeplänkel
20:30 Uhr! Ich weiß, in Hamburg wird da gerade gebruncht. In meinem Wohnkaff gehen die Menschen um die Uhrzeit schlafen. Ich werde eine Woche lang sowas wie einen Jetlag haben. Wie auch immer, ich habe vorab zwei Dinge zu sagen:
1. Das wird auch für Euch alle relevant sein und Euer Leben verändern: Ich habe nach Analye der letzten 25 Saisonspiele herausbekommen, dass es hinsichtlich des Spielausgangs scheißegal ist, welchen Schal mensch trägt.
2. Hab ich vergessen.
Matchday
"Freu mich, Auswärtsfahrt mit den Jungs!"
Als Anny mir diese Nachricht schickt, verschlucke ich mich direkt vor lachen, denn wieder einmal werde ich in unserer vollen Autobesatzung der einzige CIS-Dude sein (AKJ hatten es bereits geahnt). Doch um Anny nicht zu enttäuschen, mache ich mir umgehend eine Notiz, noch eine Kiste Bier in den Kofferraum zu packen. Und einen Bollerwagen.
Wo woll'n wir hin? In n Borussenpark!
Was woll'n wir tun? Bollerwagen fahrn!
Wo woll'n wir hin? In 'n Borussenpark
Was woll'n wir tun? Bollerwagen fahrn!
Wir fahren heute auswärts mit der RilRec Youth!
(liebe Grüße an Riccoraw, Sibbe und die G.A.S., Ihr verzeiht... Und auf diesem Weg auch nochmal an Jens).
Ganz so feierlich wird es dann aber doch nicht. Die Anreise war dank Spazierfahrt im eigenen PKW noch ganz wunderbar, der Einlass trotz Dauerregen und Wartezeit as well und auch unser Platz in der vorletzten Reihe im Unterrang (Block 7, Stehsitzer) war tatsächlich jetzt nicht geeignet, um groß Ambiguitätstoleranzen abrufen zu müssen (zumindest war es bei mir so, ich hoffe bei den anderen unter uns auch).
Mein Kampf mit den Reizen, meine Angespanntheit und die Akustik vor dem Block für mich mal wieder eine Herausforderung, die ich aber dadurch in den Griff kriege, dass ich mich dem einfach irgendwann entziehe, indem wir früh in den Block gehen. Ständiger Alkoholkonsum, Hinundhergerenne und Mackergehabe um uns herum dort nicht vorhanden (oder nicht wahrgenommen). OK, mancheiner hatte das mit dem Konsum auch gar nicht mehr nötig, wie die Person, die die ersten 20 Minuten vor mir stand, mich zu Beginn eine Minute lang anstarrt und dann sagt:
"1:0!", ich: "Sorry?", Er: "1:0! Wir gewinnen 1:0." Ich: "Ich glaub eher 2:1." Er: "Nein! 1:0!" Ich: "OK, oder sollen wir uns auf 2:0 einigen?" Er: "Nee, einen kriegen wir heute rein." Ich: "OK, also doch 2:1?" Er: "Nein! 1:0! Wir gewinnen heute 1:0!". Wenn jetzt noch jemand Fragen hat, warum es am Ende nicht geklappt hat...

Die Beschallung im Stadionrund war anfangs ziemlich erträglich, irgendwann war das aber auch nur noch fürchterliche Folklore. Dazu diese entsetzliche Torhymne und dieses schreckliche "nuuuull!", ich verabscheue diesen Eventmäßigen Fußballzirkus so sehr. Ist aber immer wieder schön, wenn einem in solchen Momenten vor Augen gehalten wird, wie charmant es bei uns hingegen ist. Wenn auch in dieser Saison der Illusionsraub noch einmal deutlich mehr zugeschlagen hat, als in den Vorjahren. Daher einfach mal mitten im Bericht ein großes Herz in Richtung all derjenigen, die "St. Pauli bleibt stabil" tatsächlich leben: Diskriminierungsfrei, solidarisch und Antiautoritär.
Ich kann mich an kein Spiel erinnern, wo es so viele Missverständnisse gab. Der letzte (oder auch nicht letzte) Pass irgendwo ins Leere ging, weil die Laufwege in den Köpfen der Beteiligten unterschiedlich waren. Selten, dass auf dem Feld so oft Unzufriedenheit in Richtung Mitspieler gestikuliert wurde. Und so oft, dass selbst ich des öfteren "nun schieß doch mal!" schreien musste. Was da aus aussichtsreicher Position alles so in den Füßen der Gegner landete, weil vermeintlich irgendwer noch besser stand, der gewählte Passweg jedoch geschlossener war, als die gewählte Abspieloption wirklich Sinn machte. Zum Haare raufen.

Am Ende waren wir dann spielerisch mitnichten die schlechtere Mannschaft. Und wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn Fujita nach einer knappen halben Stunde das vermeintlich leere Tor nicht so anvisiert hätte, dass es plötzlich gar nicht mehr leer war. Stattdessen gehen wir nach einem sehenswerten direkten Freistoß mit 0:1 in die Kabine. Tja und Halbzeit 2 bringe ich einfach mal auf den Punkt: Viel mehr Ballbesitz als zuvor, der am Ende nicht in Tore mündete. Stattdessen das 2:0 aus dem Nichts. Ende, Aus, Nikolaus.
Die Stimmung ist für mich auch ganz schwierig einzufangen. Freitag, 20:30 Uhr in Mönchengladbach ist offenbar nicht so geil, wie es für viele erst einmal klingen mag. Der Gäst*innen-Oberrang wurde erst sehr spät im Ticketshop freigeschaltet, nachdem der Unterrang endlich ausverkauft war. Letztendlich gab es sogar noch ne Abendkasse und auch im Heimbereich waren deutliche Lücken ersichtlich. Wie viele am Ende wirklich da oben waren, konnte ich nicht sehen.

Ich weiß auch nicht, ob das an unserem Platz in der vorletzten Reihe lag oder ob es tatsächlich so war: Der Support klang irgendwie ungewohnt leise. Und das obwohl so viele um uns herum mitgemacht haben und die Ultras sich unten über die komplette Breite aus Stehern und Sitzstehern verteilten. Im Pokal waren unsere Plätze etliche Reihen weiter unten und da war es entweder platzbedingt deutlich lauter oder die Stimmung war im Pokal tatsächlich besser. Und den Spielverlauf kann ich einfach nicht als Ausrede anerkennen. Kein Bock auf "You Only Sing When You're Winning". Aber wie gesagt: May be, dass hier oben in der vorletzten Unterrangreihe die Akustik auch einfach scheiße und es insgesamt viel besser war, als es hier oben ankam.
Auf dem unvermeidbaren Fußweg zurück zum Parkplatz durch den Regen holt mich mein HSP-Kampf dann doch noch ein, nachdem es die ganze Zeit größtenteils ok war. Auf den knapp 2km zum Parkplatz mit all den Menschen, den Stimmen, den Reizen wird der Faden dann doch plötzlich noch verschwindend dünn. Als wir endlich im Auto sitzen, bleibt mir keine Zeit zum durchatmen, ich will schnell hier runter vom Parkplatz und dank der frühen Anreise haben wir einen guten Platz erwischt, so dass wir für Mönchenglabbacher Verhältnisse recht flott runter und nach anstrengender Rückfahrt (dunkel, Regen, Baustellen) irgendwann tatsächlich auch zu Hause sind.
Der Reiz-Kater am Samstag lässt natürlich trotzem nicht auf sich warten. Mehr als Sofa wird heute nicht gehen und das ist auch ok so. Wenn ich eins inzwischen verstanden habe, dann dass solche Tage eben nur möglich sind, wenn sie auch in Ruhephasen eingebetten werden, um die Kapas aufzuladen. Das Traugott Simon 0,0 wird natürlich auch seinen Teil dazu beigetragen haben (hüstel).
Positiv: "Mit den Jungs auf Auswärtsfahrt", HSP-Trigger in erträglichem Rahmen.
Negativ: Der Blick auf die Anzeigetafel, die Stimmung(swahrnehmung auf unseren Plätzen).
Gute Nacht!
Mehr vom Sport gibt es wie gewohnt beim Millernton.













