Sonntag, 29.11.25, 15:30 Uhr, Bundesliga (M), 12. Spieltag, Allianz Arena

Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.

Rechtfertigung

Nach der kurzen Pause hier könnte mensch mir natürlich vorwerfen, ich würde mir die Spiele nach FCSP-Erfolgsaussichten aussuchen, doch die Wahrheit ist eine andere: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hat Anfang der Woche das Verbot des Cannabiskonsums im Englischen Garten, im Hofgarten und im Finanzgarten in München für rechtswidrig und damit unwirksam erklärt (Urt. v. 24.11.2025, Az. 10 N 25.826).

Jaja, ok, ok. Auch das ist nicht die ganze Wahrheit, zumal sich mein Konsum im nicht messbaren Rahmen bewegt. Viel mehr musste ich sowohl die MV als auch das Union Spiel aus gesundheitlichen Gründen canceln. Doch passend zu dem Spiel, an dem Paulinörgelland Szenarien in die digitale Welt hämmert, die nicht weit von einem Durchmarsch in Liga 4 entfernt sind, fahren wir unbeirrt in Richtung Alpenvorland. Eure Dauerkarten nehme ich nach wie vor gerne in Empfang, auch wenn ich im FCSP-Kontext gerade (abseits des Sportlichen) auch nicht in allerbester Stimmung bin. Das diskutiere ich aber nach wie vor lieber mit Arsch voll (Jever Fun) am (nicht vorhandenen) Stammtisch meiner Wahl, als hier. 

Ankunft

Schlimmste Befürchtungen: Offizielle Ankunft 14:26 Uhr, VVK vs. Leipzig 15 Uhr, wie soll das gehen? Indem die Bahn unfassbares schafft und pünktlich ist, wir uns schnell einen Platz in irgendeiner Ecke suchen, Laptop raus, Handy-Hotspot an, hoffen, zittern, Glück bei der Wartezeit (1 Minute!) und plöpp: G2 gesichert, Stehsitz, was Menschen meiner Verfassung halt so brauchen. Euphorie, Flick Flack durch die Bahnhofshalle, ab zur U-Bahn und die Unterkunft in Giesing angesteuert, da alles andere absolut überteuert war.

Giesing! Von den ganzen unschönen Stickern Mal abgesehen: Unfassbar, hier wohnen nur Kinder, da sind wir fest von überzeugt. Schule an Kita an Schule an gut besuchtem (!) Bolzplatz und weit und breit keine Erwachsenen. Damit wir nicht als Eindringlinge (oder Lehrer*innen) wahrgenommen werden, machen wir uns klein und rutschen auf den Knien, was sowieso ganz clever ist, weil wir aus Platzgründen im Rucksack keine Ersatzschuhe, aber jeweils eine Ersatzhose mitgenommen haben. Erst in der Unterkunft kommen uns Menschen jenseits der 12 Jahre entgegen und wir nicken uns wohlwissend, was auch unsere Gegenüber gerade denken, zu.

Soviel zu den positiven Dingen. Jetzt zu den anderen: In dem Moment, wo wir die Grenze zu München überschreiten, setzt bei mir ein Ohrwurm ein, der aber nicht im Ohr bleibt, sondern sich seinen Weg durch die Stimmbänder bahnt. Beim letzen Spiel hier war das noch nicht der Fall, da die Technik mit den Strahlen, mit denen dieser Wurm ungemerkt unter die Hirnrinde gelasert wird, noch nicht so ausgereift war. Wir wollten es nicht glauben, aber es stimmt: Just in dem Moment, wo unser Waggon die Schienen im Stadtteil München-Lochhausen berührt, platzt es unkontrolliert aus mir heraus: "FC BAYERN, STERN DES SÜDENS!" Ich bin selber erschrocken, halte mir reflexartig den Mund zu und S. schaut mich mit stählerner Mimik an. "Ich kann da nichts zu," sage ich "das kam irgendwie von ganz alleine." 

Auch in der Folgezeit ist es nicht zu kontrollieren. Immer dann, wenn S. gerade froh ist, ihren nun selber einsetzenden Ohrwurm besiegt zu haben, treffen mich wieder diese Strahlen: "FC BAYERN, STERN DES SÜDENS!" Hätten wir ein Heimspiel gegen Bayern, könnte das wenigstens durch ein mehrfaches "Song 2" bekämpft werden. Hier aber werden wir unsere Tore ohne eigene Hmyne feiern müssen.

Jetzt nochmal zu einem ernsteren Thema, Ihr wisst ja, Selbsttherapie: So eine Fahrt ist natürlich für mich eine mega Herausforderung: Bus, Bahnhof, Regionalexpress, Bahnhof, ICE, Bahnhof, U-Bahn, wobei im ICE natürlich auch wieder eine Gruppe im Ruhewaggon sitzt, der es egal ist, dass sie eben genau dort sitzt. Und überall viele, viele Menschen und gefühlt noch mehr Stimmen, alle nahezu gleich laut, alle in meinem Kopf und dazwischen all die Ängste, die ersten davon unmittelbar nach dem Aufstehen um 6 Uhr, zu großten Teilen irrational.

Als wir um 15:30 in der Unterkunft ankommen, ist die Überreizung natürlich schon seit mehreren Stunden erreicht, der Akku leer, die Kapas erschöpft. Ich bin froh, dass es bei unserer Runde durch die City überrachend leer ist und als es voller wird, biegen wir in die Nebenstraße ein und gehen parallel zum rein veganen Bodhi Wirtshaus, mit dieser unfassbar geilen Speisekarte. Auch dort ist es natürlich voll und laut, aber ich schaffe es die Zeit hier trotzdem irgendwie zu genießen. Mir ist es halt auch wichtig, Dinge auf die ich wirklich Bock habe, trotzdem anzugehen, mögen sie auch alles andere als leicht für mich sein (klappt natürlich auch nicht immer, manchmal siegt auch die Erschöpfung). Ich trinke dort zwei Bier, bloß keine drei oder vier, denn seit ein paar Jahren ist es so, dass ich selbst dann schon stark verkatert den Folgetag vergessen kann, das ist mal so und mal so. Und dieses Mal merke ich sogar nachts und am nächsten Morgen diese zwei Bier. Nicht groß verkatert, aber ich merke sie halt. Das ist anders als dieser HSP-Kater durch diese Überreizung am Vortag, sprich es kommt noch oben drauf. Worüber ich mir noch nie Gedanken gemacht habe, aber das kommt mir jetzt gerade in den Sinn: Meine These ist, dass ein alkoholbedingter Kater damit im unmittelbaren Zusammenhang steht. Sprich: Wenn ich eh schon überreizt bin, können mir zwei Bier zusätzlich bereits zusetzen (auch wenn sie mir in dem Moment - so scheiße es klingt - irgendwie gut tun). Wenn ich aber einen relaxten Tag hatte, ohne mich zu vielen Reizen hinzugeben, könnte ich Abends vielleicht auch vier oder fünf Bier trinken ohne sie am nächsten Morgen zu merken. Nicht, dass ich darauf noch großen Wert legen würde, ich bin größtenteils eh auf Alkfrei umgestiegen, aber das würde mich trotzdem mal interessieren (ohne es selber ausprobieren zu wollen). Also falls hier andere HSP mitlesen: Habt Ihr so eine Erfahrung gemacht? Gerne mal anschreiben, bei Bluesky oder wo auch immer.

60 Stunden später

Sonntag, 8 Uhr, ich bin komplett durch und muss leider für mich konstatieren: Das war es für mich mit der Allianz-Arena. Schlichtweg psychisch (derzeit) unmöglich. Auch wenn ich am Ende ohne große Panik-Attacke da raus bin, war ich mal wieder knapp davor und muss mir eingestehen: Es geht halt einfach (derzeit) nicht. Stadien am Arsch der Heide mit so einem Öffi-Rückreise-Konzept sind für mich nicht machbar. Dabei habe ich noch das Privileg, ne Nacht hier zu bleiben und nicht noch die ganz harte Rückfahrt antreten zu müssen. Aber was nicht geht, geht halt nicht (pling). Aber der Reihe nach:

Matchday

Die Anreise mit der U6 ist easy peasy. Logisch, wir sind ja auch schon wieder über 3 Stunden vor Anstoß in der noch angenehm leeren U6. Wir sparen uns dennoch den Weg zu freundschaflichen Zusammenkünften und gehen direkt links raus und den Weg zum Gäst*nnen-Einlass entlang.

03 anmarsch

Das Verlaufen bezieht sich übrigens auf die Leute, die von der U-Bahn aus den rechten Ausgang wählen. Wobei mich mal interessieren würde, ob es nicht DOCH möglich ist, hier als Away-Fan JEDEN Eingang zu nehmen (wie z.B. in Frankfurt), da der Stadionumlauf ja eh offen ist. Schreibt es gerne in das nicht vorhandene Kommentarfeld.

Der Einlass erfolgt hier bereits um 13:15 Uhr und da wir uns aus den bekannten Gründen direkt vor den Einlass stellen und kein Obst und Gemüse mit uns führen, ist auch diese Hürde selbst für mich niedrig.

04 keinapfel

Sehen wir mal von diesen unfassbar engen, hohen Drehkreuzen ab, durch die mich ein Ordner tatsächlich ein Stück schiebt, weil ich nicht gerallt habe, dass ich schon durch kann (ich habe keine Quittierung durch den QR-Code-Scanner wahrgenommen und war noch fleißig dabei den Ausdruck hin und her zu drehen). Was für mich in Sachen Enge hier schon richtig scheiße ist, dürfte für andere Personen noch beschissener sein. Null Verständnis für so Durchgänge, ob Wolfsburg, hier oder sonstwo.

Ja, ich weiß, damit soll auch verhindert werden, dass die Eingänge gestürmt werden. Ein 50cm breiteres Drehkreuz dürfte aber auch keine größere Gefahr darstellen.

07 banner

Was das Innenleben des Stadions angeht kann ich mich nur wiederholen: Die WC-Bauten sind nicht nachvollziehbar mit ihren langen Gängen und von dort abgehenden Räumen. Die Schlangen, insbesondere für die Personen, die die sogenannten Frauen-WCs aufsuchen, absolut rekordverdächtig. Apropos Rekorde:

10 loddar

Auch dieses Mal dürfen keine Speisen und Getränke mit in den Block genommen werden. Kann ich generell Zähne knirschend mit leben, auch wenn ich gerne auch während des Spiels aus Nervösitätsgründen zwischendurch mal an einem Alkfreien genippt hätte. Falls dann doch mal wer einen Becher durch den Blockeingang schmuggelt, kommt der uns schon aus März bekannte Ordner geschwind daher, klettert mühevoll durch die Reihen und tut, was er laut Jobbeschreibung tun muss. Funfact: Wenn ich das alles richtig verstanden habe, gibt es diese (ich glaube nur für die Gäst*innen gültige) Regulierung, damit niemand etwas in den Unterrang wirft, wo - warum auch immer - sich Heimfans aufhalten. Es ist aber vollkommen ok LEERE Hartplastikbecher mit reinzunehmen. Es geht sogar soweit, dass besagter Ordner einer Person den Becher mit vielleicht noch 0,1 Liter Bier wegnimmt, ihn draußen auskippt und der Person dann im Block den leeren Becher zurück bringt. Die Sinnhaftigkeit von Befehlen zu hinterfragen war ja schon immer so ne Sache für Leute, die halt Befehle befolgen.

Zeit für etwas völlig Irrelevantes:

10b mond

Bei der Verlesung der Aufstellung dürfen wir heute von der Nr. 1 aka Niko an die Nachnamen mitgröhlen. Beim letzten Spiel hier hatte der Stadionanimateur, nachdem er ein paar Nachnamen verlesen hatte, auf Grund unserer Bereitschaft ihn zu unterstützen, im Laufe der Verlesung darauf verzichtet. Auch wenn mir das hier alles viel zu viel zu viel Animations-Event-Scheiß ist, kann ich das differenziert genug betrachten und nett finden. Auch, dass er mehrmals betont, dass wir seine (im Namen des Vereins und/oder mancher Fans) Freunde sind. Überhaupt ist hier, wie erwartet, alles sehr freundschaftlich. Natürlich ist abseits der USP-Schickeria-Freundschaft bei vielen noch eine gewisse FCB-Antipathie fest verankert, wie sie halt in Fußball-Teutschland historisch verankert ist. Aber trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Freundschaft sehr gute Gründe hat und auch wir als Nicht-Ultras verdammt gut finden, dass es sie gibt. Auch wenn ich bei aller freundschaftlichen Atmosphäre hier und bei allen hoch gestreckten Daumen dafür, nicht allzu oft die selbigen für das FCB-Team drücke.

Auch heute wird wieder 12 Minuten geschwiegen und im gesamten Stadionrund sind die Fanclub-Banner so lange hochgeklappt. Schön zu sehen, dass Fanclubs aller couleur (und gerade beim FCB gibt es davon ja unendlich viele) die Proteste mittragen. Hier gibt es symbolisch das von unserem Platz winkelbedingt kaum lesbare Banner unserer Kurve im Oberrang:

11 scheissihk

Auf Seiten der Bayern zahlreiche Protest-/etc.Banner, von denen wir hier die schönsten (gelogen! Es sind die, die wir schnell mit der Kamera einfangen konnten) gerne präsentieren:

15 hermannsbanner

40 uli49

und SEHR gerne präsentieren (leider auf Grund der Entfernung sehr unscharf, aber noch lesbar):

30 gate

Muss ich noch wem den Hintergrund erklären? Falls ja, bitte schön. Wobei ich eingestehen muss, dass ich nicht weiß, ob es einen bestimmten aktuellen Anlass für die heutigen Präsentatation gibt. Was es aber gibt, ist eine Berichterstattung darüber und wir verlinken einmal für Euch die aus unserer Sicht journalistisch herausragendste Headline (von ntv): "Bayern-Fans provozieren "Pimmel"-Politiker". Später kam noch was mit sinngemäß "Die Wahrscheinlichkeit für eine Hausdurchsuchung für dieses Transpi ist soundsoviel Prozent größer, als...." und am Ende stand dann noch "Du Pimmel!". Das habe ich aber leider nur noch so halb wahrgenommen, daher ohne jede Gewähr für tatsächlichen Inhalt und von Vollständigkeit kann ich bei diesem abgebrochenen Satz ja eh nicht reden. Aber genau deswegen: Wir weisen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass das Foto sowie Text und Verlinkungen lediglich der Dokumentation dienen und wir uns dadurch nicht den Inhalt der Aussagen zu eigen machen. Was natürlich auch nicht heißt, dass wir es zwingend anders sehen. Wer weiß das schon, näch?

Kommen wir zum Spiel, kommen wir zur Ekstase, zur Euphorie und zur Dankbarkeit für dieses fantastische Spiel unseres Teams. Natürlich war da auch Glück bei, bei drei Metallkrachern und diversen Ecken, die vorbeirauschten. So oder so: Wir durften jubeln! Und wie wir das taten! Über eine 1:0 Führung nach wenigen Minuten durch Andréas William Edwin Hountondji, der sich leider kurz danach verletzte und wer weiß, wie es am Ende ausgegangen wäre, wenn er das nicht hätte. Wenn er so ein Ding wie Oppi am Ende auf dem Schlappen gehabt hätte. Jaja, wäre, wäre, Fahrradkette.wäre, wäre, Fahrradkette.

Spoiler: Das wissen nicht einmal die sehr geschätzten Kolleg*innen vom Millernton.

Stattdessen werden plötzlich 6 Minuten Nachspielzeit angezeigt. 6 Minuten!! Wofür denn das? Ja, einmal lag Mathias Pereira Lage ein knappes Minütchen auf dem Boden, aber sonst? Halbwegs schnell durchgezogene Wechsel und kein Tor in Halbzeit 2, da wären 2-3 Minuten dicke ausreichend gewesen. Und wie es so kommt, machen die Bayern ausgerechnet zur Schnittstelle zwischen (aus meiner Sicht) berechtigter Nachspielzeit und dem, was Zwayer & Co. oben drauf gepackt haben, das 1:2. Ich kotze!

Zwayer! Ich war heute lange Zeit durchaus zufrieden mit dem, ist ja nun nicht unbedingt einer der Schiris, die man am Millerntor und unterwegs so abfeiert. Abgesehen davon, dass er offenbar kein Problem hat, jedem einzelnen Bayernspieler jede gefühlt zweite Entscheidung - insbesondere nach dem 2:1 - ausführlich erklären zu müssen. Dass nach dem 2:1 die Spieler 2+ Minuten benötigen, um wieder in die eigene Hälfte zu schleichen, interessiert Herrn Zwayer auch nur bedingt. Dass sie nach dem 2:1 bei einem Freistoß für uns den Ball blockieren und mit Herrn Zwayer diskutieren: Egal. Wie schön war das Anfang der Neuregelung, als die Schiris zumindest noch halbwegs diese "es wird nur noch mit dem Spielführer diskutiert oder - falls Keeper - mit seinem Vertreter auf dem Feld" umgesetzt haben. Alles längst Geschichte, wie so oft bei positiven Änderungen. Ich glaube heute hätte Zwayer auch noch mit dem Zeugwart und dem Capo auf dem Feld diskutiert, wenn dieses es gewünscht hätten.

Was ich so krass fand: Es blieben nach dem 2:1 ja noch 3 Minuten. Und trotzdem sind alle innerlich zusammengebrochen. Das Bild auf dem Feld glich genau wie auf den Rängen unmittelbar nach diesem Tor wie dem nach Schlusspfiff. Enttäuschung pur, alles gegeben, alles dagelassen, alles verloren. Und es ist nachvollziehbar. Mit dem Anpfiff versuchten wir es natürlich trotzdem nochmal gemeinsam: Unser Team da unten, unser Team im Oberrang und auch wir im Mittelrang, auch wenn das auf unserem Platz in Block 246 heute alles andere als geil war. Nebenan in der anderen Hälfte, rechts von der Treppe, da ging es: Kollektives stehen und viele supportenen mit. Wir waren da auf der anderen Seite gefühlt fast schon auf uns alleine gestellt und viele hinter uns saßen das komplette Spiel.

Abpfiff, Enttäuschung, Verabschiedung, Fanclub-Lappen über die Schulter geschmissen und raus hier. Aus den Erfahrungen aus März gelernt, gehen wir dieses Mal über die Süd-Esplanade, da wo auch die Bayern-Fans nach dem Spiel zur U-Bahn tingeln. Natürlich ist das, wenn 75.000 das Stadion verlassen und ein Großteil auch dort hinwill, trotzdem nicht geil. Und so kommt es, wie es natürlich absehbar war: Noch hunderte von Metern von der U-Bahn entfernt, kommen wir immer wieder zum stehen. Dann werden wieder ein paar Leute durchgelassen, dann wieder stehen, eng an eng. Für viele ist das vielleicht ein wenig nervig, aber viel mehr auch nicht. In mir sieht es leider komplett anders aus. Kann ich im Stadion durch das Adrenalin noch meine mangelnde Reizfilterfunktion irgendwie ausblenden, geht das hier jetzt gar nicht mehr. Es ist laut in meinen Ohren, Stimmen und Geräusche wie Blitze, es ist Gedränge, es ist Platzangst, es ist kurz davor. In manch anderen Stadien am Arsch der Heide, hat mensch wenigstens noch die Option irgendwie anders (auch wenn mensch ohne Auto da ist) wegzukommen: 6km in die City zu laufen oder 3km erstmal in irgendeine andere Richtung zu gehen, wo auch Öffis abfahren, aber eben nicht die, wo die geballte Fan-Masse hinströmt. Hier ist das aber alles nicht möglich. Zur City sind es fast 12km, unmöglich für uns zu laufen und auf dem Weg keine (mir trotz ausführlicher Recherche bekannte) Alternative.

Irgendwann sind wir in der U-Bahn, ich versuche flach zu atmen und mir fällt auf, wie beschissen das erstmal für all die Leute ist, die an den folgenden Haltestellen einsteigen wollen. Denn auf der gut halbstündigen Fahrt gibt es noch etliche Haltestellen, wo Menschen, die es mit Fußball nicht so haben, jetzt erstmal sehr, sehr lange auf überfüllte Bahnen blicken dürfen ohne eine Chance zu haben dort selber noch einsteigen zu können. 

Bleibt die Frage, warum Stadien am Arsch der Heide gebaut werden, ohne sowas mal zu Ende zu denken.

OK, gut ist. Danke an alle, die hier waren und sich nicht scheiße verhalten haben. Danke an das Team, das so aufopferungsvoll gekämpft hat, uns zwischenzeitlich sogar Freude bereiten konnte und auch uns wieder Mut gemacht hat. Danke für die Gastfreundschaft in Richtung Bayern und für die Solidarität in Richtung Südkurve.

Abgerechnet wird zum Schluss. Gute Nacht!

05 wegweiser

06 pommes

08 rotgegenrassismus

20 stadionrot

25 oberrang

99 abmarsch